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Weltpremiere des SUV Macan: Porsches kleiner Tiger

Derzeit ist der Cayenne und nicht der 911er der meistverkaufte Porsche. Nun kommt der neue Verkaufsschlager. Der Macan ist kleiner, agiler und viel günstiger als der Cayenne.

Einst rümpften Porsche-Puristen schon bei dem Wort SUV die Nase. Heute ist der Cayenne das meistverkaufte Modell von Porsche. Vom Thron stoßen könnte ihn schon bald der Macan. Obwohl noch gar nicht auf der Straße, gilt die fünfte Baureihe schon heute als der zukünftige Bestseller im Porsche-Programm. Ab 5. April 2014 steht er bei den Händlern.

Aufgepeppter Audi

Nun feierte der kleine Bruder des Cayenne seine Weltpremiere auf der Automesse in Los Angeles. Nicht ohne Grund. Die USA und hier besonders Kalifornien sind wichtige Märkte für den kompakten SUV. Entwickelt wurde der Macan, dessen Name sich aus der indonesischen Bezeichnung für Tiger ableitet, in weniger als drei Jahren unter dem Projektcode "Cajun". Die relativ kurze Zeitspanne war deshalb möglich, weil das Auto nicht vom ersten Zeichenstrich an neu konzipiert werden musste. Die technische Vorlage lieferte bereits ein Modell aus dem Volkswagenkonzern, #link;www.stern.de/auto/news/nachgelegt-1818304.html;der Audi Q5.# Trotzdem hat der Macan nur noch wenig mit seinem Ingolstädter Bruder zu tun. Porsche legte Wert darauf, ein eigenständiges SUV auf die Räder zu stellen, optisch wie auch fahrdynamisch.

Schon das Design des Macan lässt keine Rückschlüsse auf den Q5 zu. Der Porsche ist flacher, breiter, etwas länger und vor allem deutlich sportlicher gestylt. Er kauert niedriger auf der Straße, fällt nach hinten so schräg ab wie ein Coupé. Den Tribut zahlen größere Personen im Fond. Die Kopffreiheit ist knapp bemessen. Auch beim Laden sperriger Güter sind im Alltag Nachteile zu erwarten. Die flacher stehende Heckklappe kostet Stauraum.

Sitze wie im Sportwagen

Dafür herrscht umso mehr Freude hinter dem Lenkrad mit Schaltpaddels, das im Design starke Ähnlichkeit zu jenem aus dem Porsche-Hybrid-Renner 918 Spyder zeigt. Die Sitzposition wirkt sportlich-tief, das klassische SUV-Gefühl wollen die Entwickler gar nicht erst aufkommen lassen. Im Cockpit dominiert traditionell der Drehzahlmesser und der Zündschlüssel sitzt – aus alter Verbundenheit zu Le Mans – wie gewohnt links der Lenksäule. Typisch Porsche bleibt auch die ansteigende Mittelkonsole wie im Cayenne. Alles wirkt nur ein wenig graziler und nicht mehr so wuchtig wie im großen Bruder. Materialien und Verarbeitung hinterlassen – zumindest in den gezeigten Messeautos – einen exzellenten Eindruck. Und in den Bereichen Mulitmedia-Infotainment sowie Assistenzsysteme fährt Porsche auch im Macan die gleiche Bandbreite an Technik auf wie im aktuellen Panamera.

Drängler wird von Polizei überrascht.

Herzstück des Hauses bleiben natürlich die Motoren. Den vorläufigen Benziner-Einstieg (Macan S) übernimmt ein Dreiliter-V6-Biturbo mit 250 kW/340 PS. Er soll den 1,8 Tonnen schweren SUV in nur 5,2 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen und 254 km/h schnell machen. Den Verbrauch gibt Porsche mit 8,7 Litern an. Derzeitiges Topmodell ist der Macan Turbo mit 3,6 Litern Hubraum und 294 kW/400 PS. Er schafft in der Spitze sogar 266 km/h. Nun gab es ja mal Gerüchte, dass Porsche auch über einen Turbo-Vierzylinder im Macan nachdenkt.

Warten auf den Vierzylinder

Der wird auch kommen. Allerdings zunächst in China, weil hier Steuervorteile für den Kunden winken. Bei uns dürfte es 2015 so weit sein. Bis dahin bleibt in Europa sicher der Dieselmotor im Macan der meist gewählte Antrieb. Der V6-Selbstzünder kommt in der Basis von Audi, hat 190 kW/258 PS und stellt souveräne 580 Newtonmeter zur Verfügung. Der Normverbrauch soll bei 6,1 Liter liegen. Alle Aggregate sind mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) kombiniert. Die Kraftverteilung zu allen vier Rädern übernimmt nicht wie beim Audi Q5 ein fest eingestelltes Torsen-Differenzial, sondern eine elektromechanische Lamellenkupplung, die nur bei Bedarf eingreift und die Vorderachse im Bruchteil einer Sekunde mit Kraft versorgt. Ausgelegt haben die Ingenieure den Antrieb betont auf die Hinterachse. Ein Grund auch, warum der Macan hinten breitere Reifen als vorn fährt.

Preislich startet der Porsche Macan bei 57.930 Euro. Benziner und Diesel sind gleich teuer, das Turbo-Topmodell kostet ab 79.826 Euro. Wer Porsche kennt, kennt auch die ultralangen Aufpreislisten. Zwar sind wichtige Dinge wie Komfortsitze mit Alcantara, Klima- und Audioanlage und eine elektrisch betätigte Heckklappe serienmäßig an Bord. Doch treiben beispielsweise schon Leder und Luftfahrwerk, Panoramadach und Burmester-Soundanlage Porsches kleinen Tiger schnell über die Marke von 70.000 Euro. Der Macan dürfte also nicht nur bei der Fahrdynamik neue Maßstäbe setzen, sondern in dieser Klasse auch beim Preis die Pole-Position einnehmen.

Michael Specht/MID / MID

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