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25 Jahre ABS: Einfach und raffiniert

Als in den 70er Jahren die ersten Berichte über die "Stotter-Bremse" auftauchten, herrschte großes Staunen. Bosch brachte das Anti-Blockier-System für Autos heraus und hat die Verkehrssicherheit damit erhöht.

Es gehörte zum "Pflichtprogramm" des Fahrunterrichts, in kritischen Verkehrs-Situationen mit "stotternder" Bremse das Auto lenkbar zu halten. Doch nur wenigen gelang es später, auf Schnee, Glatteis oder nassen Straßen das Bremspedal in Intervallen so schnell zu drücken und loszulassen, dass die Räder nicht blockierten. Nur so konnten plötzlich auftauchende Hindernisse umfahren werden. Das ist Vergangenheit. Vor genau 25 Jahren brachte Bosch das Anti-Blockier-System (ABS) für Bremsen auf den Markt. Inzwischen hat der Stuttgarter Automobilzulieferer das 100- millionste Bremsregelsystem mit ABS-Funktion ausgeliefert.

Das System reguliert allein

Die Funktionsweise des Systems ist so einfach wie raffiniert. Auf jedem der vier Räder sitzt ein Raddrehzahlfühler, der die Drehgeschwindigkeit des Rades misst. Diese Information verarbeitet ein Steuergerät, um die Magnetventile korrekt steuern zu können. Droht ein Rad bei starkem Bremsen zu blockieren, so reduziert das System den Bremsdruck allein an diesem Rad soweit, bis die Blockiertendenz gestoppt ist. Rollt das Rad wieder freier, wird der Bremsdruck wieder erhöht. Dieses Auf und Ab wird so lange fortgesetzt, bis entweder der Fahrer das Pedal entlastet oder die "Blockierneigung" aufgehoben ist.

In Deutschland sind mittlerweise 90 Prozent aller Neufahrzeuge mit ABS ausgerüstet. Von Mitte 2004 an dürfen in der EU nur noch Autos mit solchen Bremsen zugelassen werden. Für die Polizei ist klar: Der Einsatz von ABS in immer mehr Fahrzeugen sorgt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Anfangs war ABS nur eine "Sonderausstattung" für die Spitzenmodelle von Mercedes-Benz und kurz darauf von BMW. Später war ein Aufpreis dafür fällig. Heute ist ABS Standard.

Viele wollten es nicht glauben

Als Mitte der 70er Jahre die ersten Testberichte über die "unglaublichen Möglichkeiten, ein Auto auf Glatteis zu lenken", erschienen, herrschte bei vielen Autofahrern großes Staunen. Viele Leser wollten es gar nicht glauben. Auf dem zugefrorenen Hornavan-See in Lappland liefen die Versuchsfahrten. Auch Konkurrenten von Bosch wollten als erste mit der "Stotter-Bremse" auf dem Markt sein. Doch die Bosch-Entwickler hatten die Nase vorn.

Schon 1936 hatte die Robert Bosch GmbH in Stuttgart ein Patent auf eine "Vorrichtung zum Verhüten des Festbremsens der Räder eines Kraftfahrzeuges" erhalten. Doch die Aggregate waren viel zu aufwendig; zudem arbeiteten sie zu langsam. Rund tausend analoge Bauteile und die damals verwendeten Sicherheitsschaltungen erforderten zu viel Raum. Erst mit der Digitaltechnik waren serienreife Entwicklungen in den 70er Jahren möglich. Die Anzahl der elektronischen Bauteile konnte auf 140 Stück reduziert werden. Das war der Durchbruch: Nach 14 langen Entwicklungsjahren war ABS serienreif.

Werner Scheib / DPA
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