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Auto-Designer Murat Günak: Der Elektro-Revoluzzer

Auto-Designer Murat Günak war an der Entwicklung des Mercedes SLK und des Golf V beteiligt, nun will er die Autowelt mit einem Elektro-Coupé revolutionieren. Im stern.de-Interview verrät er wie der Wagen aussehen soll und wirft der Autoindustrie vor, den Elektroantrieb zu lange ignoriert zu haben.

Murat Günak ist einer der bedeutendsten Auto-Designer unserer Zeit. Mit seiner neuen Firma "Mindset" will er 2009 ein besonderes Elektroauto auf den Markt bringen.

Herr Günak, worin besteht die Motivation von Mindset?

Wir sind in gewisser Weise schon Überzeugungstäter, wollen etwas Gutes für die Welt tun. Es war schon immer mein Wunsch, ein Elektroauto zu machen. Man kann verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen, und zwar ohne dabei auf Spaß zu verzichten.

Sie haben lange für die Autoindustrie gearbeitet. Warum gibt es nicht schon längst Elektroautos von den großen Herstellern?

Als ich aus der Autoindustrie weg ging, wusste ich, dass man dort gar kein Interesse an einem Elektroauto hatte. Die großen Köpfe der Automobilindustrie, die Entscheider, kommen alle aus der Motorenentwicklung. Dort existiert eine gewisse Denke, bei der Qualität immer mit klassischer Motorleistung in Verbindung gesetzt wird. So etwas kriegt man aus den Köpfen nicht heraus. Erst in jüngster Zeit hat sich das Verständnis gewandelt.

Setzt auch bei den Kunden ein Umdenken ein?

Viele Autofahrer sind immer noch gefangen in einem "Shopping List"-Syndrom: Kaum einer traut sich noch, ein Auto in seiner Standardausführung zu kaufen, alles muss an Bord sein. Natürlich werden die Fahrzeuge dann immer schwerer. Für den Autofreund ist das Auto in seiner heutigen Form doch nur noch eine Last auf den Schultern. Die uneingeschränkte Freiheit gibt es nicht mehr, statt dessen Sorge um hohe Spritpreise und ein schlechtes Gewissen wegen der Umwelt. Die Unabhängigkeit, für die das Auto einst stand, ist ad absurdum geführt. Doch die Entscheider in der Industrie entwickeln Autos immer noch so, als gäbe es keine Staus, keine Tempolimits, keine Geldprobleme. Die Autoindustrie ist fremdbestimmt in ihrem System, wagt keinen Blick nach links oder rechts. Die Leute haben Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen, und machen weiter wie bisher. Da muss doch einmal jemand aus dem System ausbrechen und sagen: Es gibt einen anderen Weg, ihr könnt euch auch anders darstellen.

Glauben Sie, dass sich die Industrie überhaupt aus diesem Schema befreien kann?

Eine Revolution kann nur von außen kommen. Die Evolution und die hohen Standards in der Industrie verhindern, dass man etwas wirklich Neues ausprobiert, eben weil es noch nicht perfekt ist. Ich sehe da eine Parallele zur Entwicklung der Mobiltelefonie: Die ersten Handys kamen nicht aus der Telekommunikationsindustrie. Auch als die ersten Laptops herauskamen, waren die PC-Verfechter entsetzt: Die Geräte würden niemals akzeptiert, die Bildschirme wären viel zu klein und so weiter. Langfristig hat sich aber gezeigt, dass die Vorteile überwiegen.

Elektroautos gibt es ja schon eine ganze Menge. Was wird der Mindset anders machen?

Viele Elektromobile wurden mit dem erhobenen Zeigefinger entwickelt. Es waren Demonstrationen des Verzichts - unattraktive Plastikkisten. Unser Auto steht für Spaß und Leidenschaft. Dass es ein Zero-Emission-Fahrzeug ist, kommt natürlich dazu. Unser Fahrzeug ist 4,2 Meter lang, hat also Mittelklasse-Format. Was das Design angeht: Es gibt weltweit eine Autoform, die durchgehend positiv besetzt ist - die des Coupés. Das Design des Mindset ist in gewisser Weise klassisch. Wir sind schließlich noch ein No-Brand-Unternehmen, da müssen sie den Leuten eine Form bieten, die Vertrauen weckt. Beim Fahren ist uns Gelassenheit wichtig. Die Technik soll nicht dominieren.

Wie sieht der konkrete Zeitplan für den Mindset aus?

Ende 2007 waren die ersten Modelle und Prototypen fertig, Mitte 2008 der statische Prototyp. Ende Oktober haben wir den ersten fahrfertigen Prototypen. Das erste Kundenfahrzeug wollen wir 2009 ausliefern. Europaweit arbeiten rund 100 Leute an dem Projekt. Einen Produktionspartner in Europa haben wir auch schon gefunden. Konkrete Produktionszahlen für die ersten Jahre können wir nicht nennen - unser Ziel ist es, irgendwann pro Jahr rund 10.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Die Preisregion für den Mindset wird sich ungefähr im Bereich eines Premium-Fahrzeuges der Mittelklasse bewegen.

Wo wird man das Auto kaufen können?

Elektroautos sind nahezu wartungsfrei. Es sind neue Formen des Handels möglich, die mit bisherigen Geschäftsmodellen nicht kompatibel sein müssen. Es ist übrigens kein Zufall, dass wir den Mindset zuerst in der Schweiz etablieren wollen: Wir haben keine eigene Automobilproduktion, die Menschen sind nicht so markengebunden. Ein idealer Partner für uns ist die Stromindustrie, denn sie hat ein Interesse an der Kundenbindung und der positiven Emotionalisierung des Stroms.

Interview: Sebastian Viehmann, press-inform / press-inform
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