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Mindset: Edel-Öko aus der Schweiz

Gruezi, Klimawandel! Mobil sein, ökologisch sein und extrem schick unterwegs sein: Der Mindset wird ein Meilenstein der Autogeschichte. Er kommt aus der Schweiz, fährt elektrisch und bei Bedarf mit Hilfsmotor. Das extravagante Design stammt aus der Meisterhand von Murat Günak.

Von Christoph M. Schwarzer

Die Autozukunft kommt aus St. Niklausen. In einem Glaskasten im Freien steht dort der Mindset. Der Name bedeutet "Geistige Haltung" oder "Denkweise". Und die ist neu und richtungsweisend, ohne realitätsfremd zu sein. Dafür birgt Murat Günak, Vorstandvorsitzender der Mindset AG und zugleich der Formenschöpfer des Elektrowagens.

"Der Mindset soll kein Nischenfahrzeug sein"

Der 50-jährige Günak ist nicht irgendwer. Er ist der wahrscheinlich wichtigste Autodesigner Deutschlands. Die erste Generation von Mercedes C-Klasse und SLK, diverse Peugeot vom 206 CC bis zum 607 sowie viele aktuelle Volkswagen wie der Golf V entstammen Günaks Gestaltungsgefühl. Die Abkehr von VW geht mit dem Good-Bye an den automobilen Hüftspeck einher. Die Karosserie des Mindset soll ein dreistelliges Gewicht haben. Ein Ziel, dem ein Alu Space Frame und Verbundswerkstoffe, ähnlich wie beim Audi A8 oder dem verblichenen A2, Rechnung tragen.

Dem leise und präzise sprechenden Günak ist es besonders wichtig, ein Auto für alle zu machen: "Wir wollen kein Nischenfahrzeug bauen, das nur wenigen gefällt", sagt er. Weil die Marke Mindset aber völlig unbekannt sei, müsse das Design Vertrauen wecken und freundlich sein, ohne dabei in eine kindliche Knuffigkeit zu verfallen. Der Mindset meint es ernst.

Das Beste aus der Designwelt

"Um diese Werte zu transportieren, kombiniert der Mindset klassische Designelemente mit einer neuen Form", erklärt Günak. Die mit 22 Zoll sehr großen Räder sind ein Beispiel für die Methode, "hochwertige, klassische Elemente in neuer Mixtur zu vereinen." Dazu kommt eine lange Motorhaube und die steil stehende A-Säule. Die Front erinnert an den Karmann Ghia, und die lange Seitenlinie könnte die moderne Interpretation eines Porsche 928 Shooting Brake sein. Zitieren, ohne zu kopieren.

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Die Lebenspraxis kommt dabei nicht zu kurz. Weil der Mindset seinen schlanken, schwebenden Körper nicht kurz über dem Asphalt, sondern hoch trägt, gelingt der Einstieg ohne komplizierte Bückmanöver. Die steile Frontscheibe und die akzentuierten vorderen Radläufe fördern die Übersicht. Im Innenraum ist die Sitzbank durchgehend. Und 4,20 Meter Länge sind ein Wort, das gegen jede Einengung spricht.

Verantwortungsvolle Mobilität

Das Design ist aber nur das Mittel, um einen ökologischen Inhalt zu bewegen. "Unsere Zielgruppe sind Auto-affine Menschen, die das Freiheitsgefühl und die Autonomie des Fahrens mit Verantwortung für die Umwelt verbinden wollen", sagt Murat Günak. Darum fährt der Mindset elektrisch. In nur zwei Stunden sollen die Lithium-Ionen-Batterien für den 95 PS-Motor voll sein. In Verbindung mit den schmalen 155er Reifen, dem geringen Gewicht, der guten Aerodynamik und dem Drehmomentvorteil des E-Antriebs sollen nur sieben Sekunden für den Sprint auf 100 km/h vergehen.

Bei 140 ist Schluss. Abgeriegelt. Und nach 100 Kilometern rein elektrischem Vortriebs ist auch Schluss, weil die Akkus leer sind. Für die meisten Fahrten reicht das. Falls es nicht reicht, kommt der so genannte Range Extender ins Spiel. Ein Benzinmotor, der die Batterien bei optimaler Drehzahl auflädt und damit einen Effizienzgewinn verspricht. Die Studie Opel Flextreme fährt mit dem gleichen Konzept, dass beim Mindset über 800 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Die Kohlendioxid-Emissionen hängen zuerst vom Strommix ab. Bei reinem Ökostrom, der in der Schweiz aus einem Wasserkraftwerk oder Photovoltaikzellen kommen könnte, fällt nur ein Gramm pro Kilometer an.

Selbst im Norm-Mix besser

Auch bei der üblichen Mischung aus fossilen und regenerativen Quellen ist der Emissionswert mit 55 Gramm geringer als bei konventionellen Autos. Dazu reduziert sich der Lärm auf Abroll- und Windgeräusche. Der Mindset ist als "Plug In" konzipiert, das heißt, dass die Aufladung an der heimischen Steckdose kein Problem ist.

Für all das will die Schweizer Firma Mindset und die dahinterstehende Investmentgesellschaft Spirt Avert keine Mondpreise haben. Mehrfach fünfstellig wird es werden. Also deutlich mehr als beim geplanten Konkurrenten Loremo, der mit unter zwei Litern Diesel auskommen will und unter 20.000 Euro kosten wird. Für mehr Geld gibt es beim Mindset mehr Auto und meist elektrisches Fahren ohne Verlust bei Raum und Komfort.

Wende in den Köpfen

Ob der Mindset bis zur Serie kommt und Erfolg haben kann, hängt nicht nur von Konzept und Produkt ab. Entscheidend ist, ob sich die Kunden mit der neuen Geisteshaltung anfreunden können. Der Schritt vom Gedanken, ein reales Zukunftsauto zu kaufen bis zum Handeln ist groß. Eine Ölkrise wäre eine Rückenwind. Oder ein gesellschaftlicher Trend wie in Hollywood: In Kalifornien ist es schick geworden, sich mit Elektroautos zu zeigen. Das hilft.

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