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Autopflege Heavy-Duty Der Drecks-Wagen meines besten Freundes


Frischer Glanz auf alten Blechen heißt das Ziel. Anstatt des Profis wird selbst Hand angelegt.´Das Übungsobjekt ist ein zwölf Jahre alter Audi 80.

Nötig sollte der Wagen es haben, schwer nötig. Aber musste es so schlimm werden? Der Zustand des Audi 80 lässt sich nur mit den Begriffen der Sozialarbeit zu beschreiben: "Zeigt deutliche Spuren jahrelanger, fortgesetzter Vernachlässigung". "Ross-Schinder" müsste man den Kollegen schimpfen, stände hier ein Pferd anstelle des Kfzs. Wasser bekommt sein Audi offenbar nur in Form von Regen zu sehen. Gelegentlich.

Das einst glatte Dach erinnert an die Mondoberfläche: Ein Krater aus Vogelkot grenzt an den nächsten. Alle steinhart durchgetrocknet. Klebrig wie Fliegenfänger fassen sich die Frontscheinwerfer an. Geschätzte Leuchtkraft: Dreißig Prozent. Der ganze Kombi besteht nur aus Horror-Zonen. Ein letztes Beispiel: In der Mulde unter der Motorhaube, in der die Scheibenwischer verschwinden, hat sich ein Kleinbiotop auf Basis echter Muttererde gebildet. Hut ab vor Audi. Lack und Bleche haben die Torturen durch den fahrzeughaltenden Folterknecht bislang standgehalten, ohne tiefere Schäden zu nehmen.

Der erste Gang führt in eine gute Wagenwäsche, aber vor dem ersten Schaum kommt der nächste Schock. Der Audi-Innenraum erinnert an "Der Feind in meinem Bett". Details verbieten sich. Nur soviel: Man hat schon viel über die Gefahren des Passivrauchens gehört, aber auch vom "Kaltrauchen" der Aschenbecherreste kann einem schlecht werden. In der Waschanlage wird der Audi vor der Wäsche komplett eingesprüht, ein Mitarbeiter bringt Spezial-Reiniger auf die Problemzonen auf, die Krusten auf dem Dach werden mit dem Hochdruckreiniger "gelockert". Danach sieht Audi fast wieder menschlich aus. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick entdeckt man doch die Kotreste und die gesprenkelten Teerflecken. Größte Herausforderung: Der stumpfe und verblichene Lack.

Das Fazit nach fünf Stunden: Es hat sich gelohnt. Lackpflege ist keine Hexerei. Der Audi kann sich wieder sehen lassen.

Wichtige Einschränkung: So rasant sollte man nicht mit einem derart vernachlässigten Fahrzeug umgehen. Für eine komplette Innen- und Außenreinigung ohne Pflege, sollte man bei so einem "Prachtstück" ein komplettes Wochenende kalkulieren. Diese Zeit wird man benötigen, um die beweglichen Teile im Innenraum zu entfernen, und außen alle Verschmutzungen zu beseitigen. Neben den Klassikern wie Kot, Harz und Insekten haben sich Moose in allen Fugen und Gummis gebildet. Die zweite Einschränkung: Bei einer Totalkur muss Zeit für Lack Reparaturen eingeplant werden, auch im Audi haben zahlreiche Steinschläge und Kratzer die Lackschichten durchstoßen, auf Dauer wird sich hier Rost bilden.


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