Essen Motor Show Noch ein bisschen tiefer


Wilde Optik kommt aus dem Katalog. Wer sein Auto liebt, zweigt von jedem Monatsgehalt etwas ab, um den fahrbaren Untersatz zu schmücken. Teileversender Ralf Kern weiß, was Männer wünschen.

Wenn Til Schweiger alias Ruhrpott-Proll Berti im Kultstreifen "Manta Manta" neue Teile für seine tiefer gelegte Flunder braucht, gibt es nur einen Ort: Den D&W-Shop. In einer Szene schiebt Berti einen ganzen Einkaufswagen voller Zubehör durch den Tuning-Tempel. Noch immer boomt das Geschäft mit Spoilern und Schwellern: Laut Branchenverband VDAT hat die Tuning-Industrie im letzten Jahr 4,6 Milliarden Euro umgesetzt. Doch ein harter Wettbewerb, Tuning ab Werk und das Internet halten die Auto-Veredler und Teile-Versender auf Trab. Wir sprachen mit Ralf Kern, Mitglied der Geschäftsleitung des Branchenriesen FK Automotive GmbH aus Backnang.

Immer mehr Hersteller betreiben heute eine Art Werkstuning - größere Felgen und Sportoptik-Pakete gehören bei neuen Modellen zum guten Ton. Was bedeutet das für den Zubehör-Markt?

Die Herausforderungen sind gewachsen. Was man früher nur als Nachrüstprodukt bekommen hat – zum Beispiel Klarglasscheinwerfer – ist heute schon ab Werk erhältlich. Wir müssen dem Kunden trotzdem die Möglichkeit geben, sein Auto zu individualisieren. Und der Bedarf besteht nach wie vor. Im Trend liegen Aerodynamik-Teile wie spezielle Stoßstangen, Seitenschweller oder Sportspiegel. Ein Sportgrill zum Beispiel bietet die Möglichkeit, sein Auto schon für kleines Geld optisch von der Masse abzuheben. Aber auch die Fahrwerkstechnik – insbesondere Gewindefahrwerke - ist nach wie vor eines der gefragtesten Tuning-Produkte. Viele wollen ihr Auto als erstes ein bisschen tiefer legen. Für den Aftermarket sind auch nicht unbedingt die neuen Modelle maßgebend, sondern Autos, die 2-3 Jahre alt sind. In unserer größten Zielgruppe – Männer im Alter zwischen 22 und Mitte 30 – kann sich ja nicht jeder zum Beispiel einen Golf V GTI mit dem kompletten R-Line-Paket kaufen.

Wie hat sich der Zubehör-Markt in den letzten Jahren entwickelt?

Er ist viel umkämpfter als früher. Nehmen wir das Beispiel Golf: Für den gibt es auf dem Aftermarket zahlreiche Scheinwerfer, die sich optisch kaum voneinander unterscheiden. Wir versuchen uns mit einmaligem Design, Funktionalität und Qualität von der Masse abzuheben. Das Geschäft ist aber auch sehr schnelllebig geworden: Der Kunde sieht etwas – zum Beispiel im Internet – und will das Produkt sofort haben. Da kann ihn nicht mit dem Satz - "Das gibt es erst in drei Wochen" - vertrösten.

Muss man als Zubehör-Versender auch international tätig sein, wenn man auf dem Markt bestehen will?

Auf jeden Fall. Wir vertreiben unsere Artikel weltweit in über 80 Ländern. In Deutschland gibt es zwar ein stabiles Kundenpotenzial, aber um zu expandieren, muss man sich neue Märkte und neue Produkte suchen. Die Ansprüche der Kunden sind europaweit übrigens sehr verschieden. Engländer zum Beispiel sind sehr Technik-verliebt, sie wollen vor allem die Leistung und das Handling ihres Autos verbessern. In Frankreich dagegen legen die Leute sehr viel Wert auf optisches Tuning, zum Beispiel Spoiler und Schweller, während Dinge wie ein härteres Fahrwerk oder modifizierte Motoren eine völlig untergeordnete Rolle spielen.

Was gibt bei FK denn ein deutscher Kunde im Durchschnitt für eine Bestellung aus?

Etwa 150 bis 200 Euro. Die Leute schauen schon mehr aufs Geld, aber das Auto ist nach wie vor das liebste Kind der Deutschen. Es wird aber wieder verstärkt auf Qualität geachtet.

Und welche Produkte laufen nicht mehr so gut wie früher?

Seit Autos Airbags haben, sind Sportlenkräder klar auf dem absteigenden Ast. Rückläufig sind auch Rückleuchten im Lexus-Style oder Altezza-Design mit unterschiedlich angeordneten und verschiedenfarbigen Reflektoren. Dieser "Fast and the Furious"-Stil ist heute schon nicht mehr so populär – der Trend geht zurück zu konventionellen Kristall-Designs, zum Beispiel weiß-rot oder schwarz.

Die Fragen stellte: Sebastian Viehmann


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