Ganzjahresreifen Einer für alle Fälle


Reifenwechsel nervt. So sehr, dass viele Fahrer einfach die Sommerreifen aufgezogen lassen. Dabei gibt es eine Alternative. Moderne Ganzjahresreifen haben enorm zugelegt.
Von Walter Hasselbring

Vor dem Wintereinbruch sollten die Reifen gewechselt werden. Dabei ist Austauschen der Pneus ist für viele Automobilisten eine Tätigkeit, die gerne immer wieder verschoben wird. Besonders Frauen gehören zur Spitzengruppe der Wechselmuffel. Kein Wunder, dass sie für die Reifenindustrie zur Hautzielgruppe der Kunden für Ganzjahresreifen geworden sind. Dabei hatten die Reifen für jeden Tag bislang eher einen mäßigen Ruf. Oft schnitten sie bei Reifentests deutlich schlechter ab als die Spezialpuschen für Sommer und Winter.

Dass die Allwetter-Pneus ein Kompromiss sind, zweifelt nach wie vor kein ernst zu nehmender Experte an. Schließlich sollen sie auf heißem Asphalt und nassem Beton genauso griffig sein, wie bei 20 Grad unter dem Gefrierpunkt oder auf staubigen Landstraßen – ein nahezu unmöglicher Spagat.

Dennoch zog im vergangenen Jahr nach der Änderung des Paragraphen zwei der Straßenverkehrsordnung der Verkauf von "Ganzjährigen" an, während der von Winterreifen zurück ging. Im Gesetzestext heißt es, dass die Ausrüstung von Kraftfahrzeugen den Wetterverhältnissen angepasst sein muss - besonders durch geeignete Bereifung. Genaueres sagt uns der Gummiparagraph nicht. Wir erfahren nur, dass bei Zuwiderhandlung mit einem Punkt in Flensburg und mit 40 Euro Bußgeld zu rechnen ist. Trotzdem rutscht hierzulande noch jeder zehnte Wagen im Winter auf Sommerreifen herum. Das sind immerhin 4,5 Millionen Autos.

Während die meisten Hersteller weiterhin vor allem auf die Spezialreifen setzen, hat die europäische Dependance des amerikanischen Pneu-Produzenten Goodyear mit enormem Forschungs- und Testaufwand einen nennenswerten Durchbruch bei den Allzweckreifen geschafft. "Der Reifen kann vieles gut und vieles auch sehr gut", schwärmt der Goodyear- Produktmanager Holger Rehberg über den neuen Rundling. " Wir haben gegenüber dem Vorgänger fünf Prozent mehr Performance auf Schnee, zehn Prozent mehr Grip auf Eis und fünf Prozent weniger Rollwiderstand rausgeholt !" Der Rollwiderstand ist wichtig für möglichst geringen Spritverbrauch.

Für diese Fortschritte haben die Goodyear-Ingenieure auf die Smart-TRED-Technologie gesetzt, bei der das Prinzip der dynamischen Radlastverteilung angewendet wird: Auf trockener Strasse wird die gesamte Reifenbreite mit stabilen Schulterblöcken genutzt, bei Eis und Schnee bildet die stark lamellierte Mitte der Lauffläche viele so genannte Greifkanten. Der Reifen trägt das Schneeflockensymbol, das durch einen genormten Test für gute Wintertauglichkeit bürgt. Damit gilt er als vollwertiger Winterreifen. Besonders stolz sind die Goodyear-Techniker auf das Ergebnis eines unabhängigen Vergleichstest des TÜV Süd. Ihr Vector4 Seasons brauchte den kürzesten Bremsweg auf Eis und war Bester beim Aquaplaning, sowie beim Grip auf Schnee und Eis.

Wir konnten den Reifen auf dem Goodyear-Testgelände in Luxemburg mit verschiedenen Autos vom Fiat 500 über den VW Golf bis zu Porsche Cayenne gegen Mitbewerberprodukte testen. Dabei hatten wir bei simulierten Winterbedingungen, beim Fahren auf trockener Rennstrecke, an bewässerten Steigungen und bei Vollbremsungen einen durchweg guten Eindruck. Wer vorwiegend in schneereichen gebirgigen Gegenden unterwegs ist oder sein Auto gerne am physikalischen Limit bewegt, sollte sich für Sommer- und Winterreifen entscheiden. "Niemand bestreitet, dass die Spezialreifen unter den für sie optimalen Bedingungen leistungsfähiger sind", räumt Holger Rehberg ein, "aber in wenig schneereichen Regionen kann der Allwetterreifen für viele optimal sein, weil man sich den Reifenwechsel und die Kosten dafür spart!"


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