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Hot Rod Pin-ups: Dirty Fifties

Hot Rods sind nichts für süße Mädchen. Sie stinken, sie stottern und sie verlieren Öl. Eines ist sicher: Eine Frau, die neben einem Hot Rod steht, will am Wochenende nicht die Schwiegereltern besuchen.

Hollywood mixt das Beste aus zwei Welten: scharfe Mädchen und schnelle Autos. Über die gepimpten Reisschüsseln in der "Fast and Furious"-Serie kann der Besitzer eines wirklich schnellen Wagens nur lachen, aber die Frauen von der Asphalt-Leinwand würde er kaum vom Beifahrersitz schuppsen. Die Wirklichkeit sieht meist traurig aus. Wenn einem Auto per Bodykit Ferrarimuskeln angeklebt werden, bringt der Fahrer meist mehr Wampe als Bizeps auf die Piste. Tolle Mädchen gibt es in seiner Welt auch, die im Vierfarbdruck vom Kalender.

Diese Erotik für Arme zelebriert etwa der D&W-Katalog - Felgen für den Opel und daneben eine nette "Maus" mit tüchtig Oberweite. Hausmannskost in Fleisch und Blech. Echte Hot Rods - aufgebrezelte Oldtimer der Ära vor 1960 - reizen den spezielleren Geschmack. Ein unverzeihlicher Fehler wäre es, neben diesen Ausgeburten der Autohölle freundliche Bikini-Girls zu postieren.

Bad, bad girls

Zum Glück wird die erotische Welt des Fotografen David Perry mehr von Betty Page in Korsagen als von Paris Hilton im Häschen-Kostüm gespeist. Mädchen und Autos in seinem Band "Hot Rod Pin-ups" sind vor allem "Big". Mehr Auto und mehr Frau, als viele vertragen können. Den bekannten und ausgelutschten Posen und Possen der amerikanischen Pin-up-Kultur fügt der Fotograf die schmutzige Komponente hinzu. Natürlich kennt man die kindlichen Augenaufschläge, die koketten Drehungen und die "versehentlichen" Einblicke ins Dekollete. Aber hier schaut man nicht den unschuldigen Lämmchen auf die Rundungen, sondern gestandenen Frauen. Die Frauen stehen genau so satt auf ihren High-Heels, wie der Big-Block nebenan auf seinem gechopten Fahrgestell.

Von gelackten Edel-Model keine Spur, bei Perry gibt es Erotik ohne Partikelfilter. Das ist kein Wunder, denn die Rod-Models sind echt. Man sieht den Ladys an, dass sie nicht von einer Agentur kommen, und dann vom Visagisten auf "Bad Fifties" getrimmt werden. Perry rekrutiert seine Frauen von den einschlägigen Internetseiten halbprofessioneller, erotischer Selbstdarstellerinnen. Anstatt Champagner gibt es einen tüchtigen Schluck "White Trash" und "Fetish-Light" in allen Varianten. Eine gelungene Kombination. Die Mädchen tragen Tattoos und Selbstbewußtsein, sie haben Muskeln und Ölflecken. Sie sind wie ihre Autos.

Gernot Kramper
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