HOME

Kompakt-SUV im Vergleich: BMW X1 gegen Toyota RAV4

In der Klasse der Kompakt-SUV kämpfen Segment-Pionier RAV4 und der neue BMW X1 um die Gunst der Kunden. Der eine probiert es mit Agilität, der andere mit Platz und Bodenfreiheit.

Das Segment der kompakten SUVs hat Toyota Mitte der 90er Jahre mit dem RAV4 begründet. Im Gegensatz zu echten Geländewagen sollte der japanische Softroader von vornherein eine Klientel ansprechen, die sich eher auf asphaltierten Straßen zuhause fühlt, aber dennoch ein allradgetriebenes und hochbauendes Fahrzeug fahren möchte. BMW hat erst Ende 2009 den kompakten SUV unterhalb von X3 und X5 für sich entdeckt. Mit dem X1 wollen die Münchner nun in möglichst vielen Disziplinen Maßstäbe setzen. Ob ihnen das gelingt?

Der BMW X1 ist erst ein Jahr auf dem Markt und auf dem neuesten Stand der Technik. Um dem neuen Konkurrenten nicht das Feld zu überlassen, hat Toyota die seit vier Jahren produzierte dritte RAV4-Generation 2009 technisch überarbeitet und jüngst mit einem Facelift aufpoliert.

Auf den ersten Blick könnte der Betrachter glauben, der X1 sei mindestens eine halbe Klasse tiefer angesiedelt als der daneben fast schon klobig wirkende RAV4. An der Außenlänge kann dies jedoch nicht liegen, denn da misst das kleinste BMW-SUV mit 4,45 Meter sogar knapp neun Zentimeter mehr als der Japaner. Aber der Münchner ist schmaler und deutlich flacher ausgefallen, allein in der Karosseriehöhe sind es 14 Zentimeter. Von der schlank wirkenden Karosserie bleiben die inneren Maße aber nicht unberührt: Vor allem im Fond ist der Platz eingeschränkt, erst recht im Gepäckabteil. Dort lassen sich nur 420 Liter verstauen, während der Toyota 586 Liter an Bord nehmen kann. Werden die Lehnen der Rücksitze umgeklappt, schluckt der BMW maximal 1350 Liter, beim Toyota sind es 1752 Liter.

Dagegen ist im eher limousinenartig gezeichneten BMW das Platzangebot vorn recht gut, die Armaturentafel mit vorzüglich ablesbaren Instrumenten ist dem Fahrer zugewandt und das aktuelle Bediensystem i-Drive gibt schon lange keine Rätsel mehr auf. Auf größere Variabilität haben die Bayern zwar verzichtet, doch in Sachen Verarbeitungsqualität haben sie vorbildliche Arbeit geleistet.

Drängler wird von Polizei überrascht.

Auch beim RAV4 kann der Kunde nicht über mangelnde Qualität klagen. Er bekommt ein luftigeres Raumangebot und sitzt auf bequemem Gestühl. Die Instrumente sind übersichtlich, Ablagen gibt es genug. Nur die Lenkradposition könnte manchen stören, das gilt auch für die etwas umständliche Bedienung des Touchscreens. Über den Sinn und Zweck der rechts angeschlagenen Hecktür haben im Übrigen schon viele nachgedacht und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Hier soll die Lösung nicht bewertet werden. Beide Modelle werden von leistungsstarken Vierzylindermotoren angetrieben. Im X1 arbeitet ein kultivierter 2,0-Liter-Diesel mit 130 kW/177 PS, im RAV4 ein 2,2-Liter-Diesel mit gleicher Leistung, aber mit mehr Drehmoment (400 Nm statt 350 Nm beim BMW). In der Praxis zieht der Toyota besser durch, während der X1 in Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit besser abschneidet. Auch beim Verbrauch kann der X1 punkten: 7,1 Liter waren es im Schnitt. Der RAV4 brachte es auf 7,3 Liter je 100 Kilometer, was unter anderem an der fehlenden Start-Stopp-Automatik liegen könnte. Aber bei zurückhaltender Fahrweise können beide Softroader sehr sparsam bewegt werden, also mit knapp unter sechs Litern. Die beiden Sechsganggetriebe lassen sich präzise schalten; eine Automatikversion kann beim RAV4 nur für die 110 kW/150 PS-Version geordert werden. Besonders Lob verdienen die Bremsen beim BMW.

Den X1 treiben alle vier Räder permanent an, das Drehmoment variiert zwischen den Achsen. Beim RAV4 schalten sich die Hinterräder dann zu, wenn Schlupf an den Vorderrädern entsteht. Das Mittendifferenzial kann gesperrt werden. Beide Modelle verfügen über eine hohe Anhängelast.

So unterschiedlich wie ihre Form sind die Charaktere der beiden Kompakt-SUV. Der X1 gibt sich in allen Fahrsituationen sehr agil und ähnlich kurvengierig wie die 3er-Limousine. Das Fahrwerk ist nicht zu straff abgestimmt, für hohen Fahrkomfort ist gesorgt. Mit weichen Dämpfern hat Toyota den RAV4 stärker auf Komfort ausgelegt, doch führt das zu starken Karosseriebewegungen. Die Harmonie der BMW-Abstimmung erreicht der Toyota jedenfalls nicht.

Überraschend eng liegen die Preise zusammen: 35.000 Euro sind es beim BMW X1 20d x-Drive, 34.950 Euro beim Toyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4 in der Executive-Ausstattung. Für den Bestseller aus Fernost spricht das wesentlich bessere Ausstattungsniveau. Beim X1 sind die "Extras" vergleichsweise teuer, aber er lässt sich mit Details ausrüsten, die gut und beim RAV gar nicht lieferbar sind. Zum Beispiel das Xenonlicht: Bei BMW kostet die vorzügliche Beleuchtung einschließlich Tagfahrlicht 870 Euro extra. Auch hinsichtlich der Versicherungskosten liegen die beiden Autos auf einem Niveau: die Kfz-Haftpflichtversicherung kostet beispielsweise bei der AXA 631 Euro für den Toyota und 662 für den BMW. Nur bei der Steuer ist der Japaner mit 323 Euro teurer als der Münchner mit 256 Euro.

Fazit: Beide SUV geben beim Test gute, aber durchaus auch unterschiedliche Figuren ab. Wer viel Wert auf ein agiles Fahrverhalten legt und dafür Einschränkungen in Sachen "Platz" hinnehmen kann, sollte sich für den X1 entscheiden. Der Toyota punktet hingegen vor allem mit seiner Geräumigkeit und der hohen Zuladung.

Ingo Reuss/MID / MID
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity