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Mercedes: Sternenkunde für Sparsame

Hybride von der S- bis zur C-Klasse, Elektro-Smarts und BlueEfficiency: Mercedes bürstet seine Modellpalette auf Sparsamkeit. Doch die Zukunft ohne Öl hält noch viele Fragzeichen bereit. Der Daimler-Forschungschef und Umweltbevollmächtigte Prof. Dr. Herbert Kohler im Interview über die Mobilität der Zukunft, das Rätsel Kundenverhalten und seine Kritik an der Mineralölindustrie.

Herr Kohler, Sie haben gesagt: "Wir müssen unabhängig werden von fossilen Brennstoffen, und das so weit wie möglich." Welcher Zeitplan schwebt Ihnen für diesen Prozess vor?

Da gibt es viele Faktoren, von denen der Prozess abhängt. Zum einen sicher die Angebots- und Explorationssituation der Rohölmärkte oder die Reaktionen des Marktes und der Kunden. Technologisch sehe ich das optimistisch. Es gibt viele gute Beiträge dazu, das hat auch Mercedes immer wieder bewiesen. Ob wir jetzt in 15, 20 oder 30 Jahren weitestgehend von fossilen Brennstoffen unabhängig werden, ist schwierig vorherzusagen. Aber wir gehen davon aus, dass sicher in den nächsten Jahren der Verbrennungsmotor noch eine wichtige Rolle spielen wird. Es wird eine langsame Ablösung durch andere Antriebsarten geben, und darauf arbeiten wir auch hin.

Dabei muss natürlich auch die Infrastruktur mitspielen. Sie werfen der Mineralölindustrie eine "Hinhaltetaktik" vor. Was meinen Sie damit?

Vorwerfen und Hinhaltetaktik ist sicher sehr hart formuliert. Aber ich sehe schon noch immer eine gewisse Zurückhaltung der Energieversorger. Wenn man sich beispielsweise anschaut, was wir heute an Wasserstofftankstellen wirklich haben, dann ist das recht bescheiden. Nehmen Sie etwa den angekündigten "Hydrogen Highway" in Kalifornien - der ist schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Wenn Sie mit Mineralölfirmen sprechen, ist dort wenig Begeisterung spürbar, mehr für die Infrastruktur zu tun. Ich hatte eine denkwürdige Begegnung in einem der großen Mineralölkonzerne, wo die Meinung vertreten wird, dass in den nächsten zehn Jahren damit einfach kein Geschäft zu machen sei. Solche Aussagen befremden mich. Wir haben in den letzten zehn Jahren schließlich auch kein Geschäft mit alternativen Antrieben gemacht und werden das in absehbarer Zeit auch nur schrittweise erreichen. Aber das ändert ja nichts daran, dass wir diesen Weg gehen müssen. Ich wünsche mir einfach mehr Engagement beim Thema Infrastruktur.

Ist die fehlende Infrastruktur, etwa das Tankstellennetz, auch ein Grund dafür, dass Mercedes beim Thema Biokraftstoffe - zum Beispiel Bioethanol - kaum etwas macht?

Da besteht kein zwingender Zusammenhang. Es ist allerdings keine Frage der Fahrzeugtechnik, denn diese ist bei uns im Hause vorhanden. Dafür in Europa eine separate Infrastruktur aufzubauen, ist aber fraglich. Ich sehe eher eine Lösung darin, dass wir beim Thema Beimischung weiter voran gehen. Der Effekt der Substitution wäre vergleichbar, aber der Investitionsaufwand ist sehr viel überschaubarer.

Bei Hybrid und Elektroantrieb will Mercedes dafür ein Vorreiter unter den deutschen Herstellern sein. Wie sieht der Zeitplan aus?

Schon jetzt bieten wir mit Direkteinspritzung für Ottomotoren und unseren BlueEfficiency-Modellen Technologien, um Kraftstoff zu sparen. Die Hybride der S- und M-Klasse kommen 2009. Auch die nächste E-Klasse-Generation und die C-Klasse werden als Hybride angeboten, das ist für mich keine Frage. Vom Elektro-Smart, den wir gerade in London testen, wird es mit Sicherheit eine Nachfolgegeneration geben. Wie es weitergeht, hängt auch von der Marknachfrage ab. Bestimmte Stückzahl-Szenarien sind immer schnell aufgeschrieben, aber man muss es ja auch einlösen. Außerdem muss man bedenken: Gibt es die Begeisterung der Menschen für Hybridtechnologie auch in fünf Jahren noch, ist das ein anhaltender Trend? Ich persönlich gehe davon aus, aber wir können ja nur abschätzen, ob und wie sich das Mobilitätsverhalten in den nächsten fünf bis zehn Jahren verändern wird. Werden wir dann zum Beispiel noch dieses "Rundum-Sorglos-Paket" im Auto haben wollen - fünf Sitzplätze, ein sehr großzügiger Kofferraum und 1000 Kilometer Reichweite? Vielleicht braucht man so etwas dann nur noch zweimal im Jahr.

Zukunftsforscher gehen davon aus, dass durch geänderte Mobilitätsauffassungen auch PS-Leistung immer unwichtiger wird. Steht den deutschen Herstellern der Paradigmenwechsel bevor?

Die Zukunftsforschung kann präzise Vorhersagen niemals leisten. Was wir können, ist in Szenarien zu denken, die mehr oder weniger wahrscheinlich sind. Ob es dann so kommt, wissen wir nicht definitiv. Aber natürlich wird das Thema Leistung mehr hinterfragt werden und das Thema Verbrauch wird in den Vordergrund treten. Und ich glaube, dass dieser Trend keine Eintagsfliege ist, sondern anhalten wird.

Sebastian Viehmann, press-inform / press-inform

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