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Mobile Navigator 5: De luxe ans Ziel

Für unangenehme Zeitgenossen gibt es einen guten Grund, mal wieder die Seitenscheibe einzuschlagen. Die Navigation mit dem PDA findet immer mehr Anhänger, also steigt das Beutepotenzial im Auto. Ein System, bei dem sich der legale Griff ins Regal lohnt, ist die neue Version des "Mobile Navigator".

Von Gernot Kramper

Navigon ist Markführer für PDA-Navigation in Deutschland und Europa, entsprechend hoch sind die Erwartungen an die neue Version der Software. Sie muss genügend Potenzial haben, um die Verfolger in Schach zu halten. Adresseneingabe und Bedienung wurden in Version 5 weiter verbessert. Dabei war schon der Bedienungsstandard des Vorgängers dem Niveau eingebauter Systeme überlegen. Neben zahlreichen Details, die man als "Produktpflege" bezeichnen kann, ist der Wechsel zwischen zwei verschiedenen Bedienungsmodi ein echtes Highlight. Der "Easy Modus" ist für den technischen Laien gedacht. Er arbeitet intuitiv, beschränkt sich dabei auf die am häufigsten verwendeten Funktionen. Im "Professional Modus" können sich versierte Anwender austoben, die das volle Spektrum der Software nutzen wollen. Wertung: eine Richtungsentscheidung. So schafft Navigon den Spagat, die Technikfreaks zu bedienen, ohne die Kunden der "Hautsache, es funktioniert"-Fraktion zu überfordern.

Kein schöner Land

Software und Landkarten werden auf einer SD-Speicherkarte untergebracht. Die Darstellung in 2-D und 3-D kann mit jedem fest eingebauten Navigationssystem mithalten und übertrifft die meisten deutlich. Die 3-D-Darstellung verläuft glatt und ruckelfrei, in schicken Farben und ist absolut klar erkennbar. Viele Systeme renommierter Autohersteller sehen dagegen aus, als wären sie in der Computer-Steinzeit programmiert worden. Weiterer Vorteil der PDA-Variante: Die Oberfläche kann mit eigenen Skins verändert werden. Wer will, kann sich andere, etwa kontrastreichere Oberflächen herunterladen. Die akustische Benutzerführung arbeitet präzise, mit Navigon 5 kommt man leicht ans Ziel. Neben großen Kreuzungen wird nun ein Verkehrsschildchen eingeblendet, ein sinnvolles Feature, das die Lage an unübersichtlichen Kreuzungen klärt. Typische Navigations-Schnitzer - wie etwa die Integration gesperrter Feldwege - konnten im Betrieb nicht festgestellt werden. Wertung: Die neue Optik ist derzeit das Maß der Dinge.

Brems mal wieder

Ganz neu ist die Einbindung von Tempolimits. Hundertprozentige Sicherheit bieten die Angaben der Software allerdings nicht, der Blick auf die Straße bleibt letztlich entscheidend. Temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen etwa im Baustellenbereich werden beispielsweise nicht erfasst. Die reale Beschilderung kann die Software nicht ersetzen, aber durch diese Daten wurde es möglich, den Navigator mit einem Tempowarner zu versehen. Ab einer frei zu wählenden Überschreitung des Limits mahnt Nummer 5 dann laut und vernehmlich, den Fuß vom Gas zu nehmen. Eine sehr nützliche Funktion für Gesetzestreue, Vergessliche und die, die ohne es recht zu merken, immer schneller werden. Wertung: super Sache, mit Erziehungseffekt.

Irrsinniges Überholmanöver

POI-Warner: Weiter aufgerüstet

Wer mit dezenter Stimme auf fest eingebaute Tempoblitzer, Ampelkontrollanlagen und die beliebten Standorte der mobilen Kontrolleure hingewiesen werden will, kann auch in der neuen Navigatorversion das Zusatztool POI-Warner von Navigating.de benutzen. Das Programm integriert sich ohne Probleme in die Oberfläche des Navigationsprogramms. Von den zahlreichen Points-Of-Interest sind die Hinweise auf Radarfallen und andere Schrecken sicherlich am nützlichsten. So weit es sich feststellen ließ, sind die festen Systeme lückenlos integriert, und auch die Standplätze der mobilen Überwachung kennt das System. Eine Online-Update-Funktion sorgt für tagesfrische frische Daten.

In über 400 Kategorien stehen 300.000 zusätzliche POIs zur Verfügung. Die Online-Synchronisation arbeitet in zwei Richtungen: Autofahrer können während der Fahrt die Position von POIs einspeichern und auf den Server übertragen. So werden vor allem die "Fallen"-Standorte stets aktuell gehalten, aber auch die Koordinaten anderer POIs können auf diesem Weg korrigiert werden. Beim nächsten Update gelangen die neuen Daten dann auf die Geräte aller Nutzer. Über den moralischen Stellenwert derartiger Warner gibt es verschiedene Ansichten. Es mag einige Raser geben, die in dem Informationsdienst eine weitere Waffe in ihrem Guerilla-Krieg mit der Verkehrspolizei sehen, die meisten Kunden werden den Warner eher als Instrument der Selbstdisziplinierung einsetzen. In den meisten Großstädten erreichen die Überwachungspunkte eine Dichte, dass man in sehr kurzen Abständen auf das Einhalten der erlaubten Geschwindigkeit hingewiesen wird. In der Praxis wirkt diese Mahnung eher mäßigend als beschleunigend. Auch bei Unbelehrbaren, die sich nicht länger als hundert Meter lang gesetzestreu geben wollen, gibt es einen Trost: Die meisten Überwachungspunkte liegen an gefährlichen Punkten etwa an Schulwegen, wenigstens dort wird dann korrekt gefahren. Wertung: fr Berufsfahrer und Punkte-Gefährdete eine sinnvolle Investition.

Was sagen Sie zur Navigation mit dem PDA?

Mit dem Ohr auf der Straße

Mit der neuen Version und einem eigenen GPS-Gerät bietet Navigon die Integration von Verkehrsfunkinformationen. Bislang galt dies als Hauptvorteil fest eingebauter Geräte, waren die PDAs doch vom aktuellen Geschehen abgeschnitten, eingefroren auf dem Stand beim Brennen der Daten. Ein spezielles GPS-Gerät empfängt jetzt die TMC-Signale, die dann entsprechend von der Software weiterverarbeitet werden. Zwar ist das so aufgerüstete GPS-Gerät teurer (129 Euro Aufpreis, genau so viel kostet der Datentransfer via Bluetooth extra), aber diese Investition rechnet sich schnell im Vergleich zur Alternativ-Technik von TomTom, bei der die Verkehrsinformationen gebührenpflichtig via Handy abgerufen werden. Wertung: Für Vielfahrer ist die TMC-Technik die richtige Wahl, der Mehrpreis rechnet sich auf jeden Fall.

Karten und Preise

Mehr Daten, bessere Grafik, Tempozonen und "Point of Interest" haben ihren Preis. Bekam man bei den Vorgängern zum Einstandspreis die halbe Welt oder doch zumindest Europa als Datenmaterial, so gibt es heute zunächst einmal Deutschland und keine Gasse mehr. Wer weitere Länderdaten haben möchte, kann sie sich einzeln oder in Paketen frei schalten lassen. Für denjenigen, der mit Deutschland zufrieden ist, kann man die Kostenbilanz mit 129 Euro als gut bezeichnen. "Best Buy" ist allerdings das Urlaubspäckchen "Deutschland plus Alpenraum", es kostet ebenfalls 129 Euro und ist der Deutschland-"pur" Packung natürlich vorzuziehen.

Fahrer, die mehrere europäische Länder benötigen, müssen sich auf einen Preissprung einstellen. Die Software für "Europa komplett" kostet 299 Euro, die praxisgerecht zugeschnittenen Europa-Pakete liegen bei jeweils 249 Euro. Schon beim Einstieg muss der Kunde wissen, wohin die Reise geht. Wer neben dem Alpenraum noch ein weiteres Land benötigt, sollte sofort ein Europa-Paket wählen, das nachträgliche Hinzu-Kaufen einzelner Länder rechnet sich nämlich nicht. Damit das Straßenpaket für Europa dem PDA zur Verfügung steht, ohne dass bei Bedarf einzelne Karten von der mitgelieferten DVD nachgeladen werden müssen, benötigt der PDA natürlich eine entsprechend dimensionierte Speicherkarte. Ach ja, wer glaubt, für gelegentliche Auslandsaufenthalte könne er die alten Karten des Vorgängers weiterbenutzen, irrt. Die neue Version arbeitet nur mit den neuen Daten. Ein preisgünstiges Update der Software ist allerdings möglich. Neben der reinen Software bietet Navigon zahlreiche Hardware-Bundle mit den unterschiedlichsten Endgeräten und Kombinationen an. Wertung: Das eigentliche Preisleistungsverhältnis überzeugt, das Preisgefüge von Europa-Paketen und Länderkauf verwirrt.

Nummer 5 kann sich sehen lassen

Mit Nummer 5 zeigt der Marktführer, wo der Hammer hängt. Darstellung, Bedienung und Features sind erstklassig und brauchen keinen Vergleich mit den super-teuren Produkten aus den Wagen der Premiumklasse zu scheuen. Für Vielfahrer ist der TMC-Empfänger ein Muss, die Bluetooth-Technik sorgt für Ordnung im Auto. Mit diesen Optionen ausgerüstet, muss man sich nur noch um eine edle Halterung und eine eigens verlegte Stromzufuhr kümmern, dann hat die Navigation mit PDA jeden Hauch des Provisoriums abgelegt.

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