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Mobilität der Zukunft: "Der Autofahrer will selbst entscheiden"

Thomas Waschke, 56, ist Mitglied des Leitungsteams der Society und Technology Research Group bei Daimler. Er spricht darüber, wie die Autos von übermorgen konstruiert werden.

Herr Waschke, fahren wir in 20 Jahren noch Auto?
Davon bin ich überzeugt. Die schnelle Kommunikation mit Handys und Internet steigert die Nachfrage nach individueller Mobilität.

Wie das?
Wir organisieren unseren Tag ganz anders als vor zehn Jahren. Wir sind flexibler geworden und erwarten, dass auch unser Transport flexibler von statten geht. Früher ließ sich unsere Mobilität vorhersagen. Wir stiegen bei Punkt A ein und fuhren nach B. Es gab kaum Störungen, die einen von diesem Plan abbringen konnten. Heute fährt man bei A los, bekommt einen Anruf auf dem Handy und muss plötzlich nicht mehr nach B, sondern nach C. Das ist nur mit einem individuellen, flexiblen Fortbewegungsmittel möglich.

Busse und Bahnen sind also nicht mehr zeitgemäß?
Öffentliche Verkehrsmittel sind mit Wartezeit verbunden und das bedeutet Stillstand. In einer Gesellschaft, die immer schnellere Anpassungen vom Einzelnen verlangt, wird diese Wartezeit immer weniger akzeptiert. Das heißt aber nicht, dass es keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr gibt – nur ihr Stellenwert verändert sich. Sie entwerfen Szenarien, wie sich Menschen in 5, 10 oder 15 Jahren fortbewegen...

Sie entwerfen Szenarien, wie sich Menschen in 5, 10 oder 15 Jahren fortbewegen...
...ja, aber was wirklich passiert, wie sich die Welt entwickelt, das können wir nicht vorhersagen. Denn das Verhalten der Menschen wird immer schwieriger zu antizipieren, weil Werte und Trends sich immer schneller verändern.

1989 haben Sie ein Szenario für Deutschland 2009 entworfen. Wie sah die Prognose aus?
Wir hatten mehrere Bilder für Deutschland. Eines hieß: "Die albanische Welt". In diesem sozialistisch geprägten Szenario gab es praktisch keinen privaten Pkw-Verkehr, alle Autos gehörten dem Staat. Ein anderes Bild war eine extrem technikorientierte Welt, die auch im Privatverkehr ein so hohes Maß an Automatisierung hatte, dass der Fahrer quasi nur noch ein Zeitung lesender Begleiter seines Vehikels war.

Das alles wurde zum Glück ja nicht Wirklichkeit. Glauben Sie, dass es irgendwann dazu kommt, dass sich das Auto selbst steuert, weil es bequemer und effizienter wäre?

Technisch ist das durchaus möglich. Die Eingabe eines Fahrziels in das Navigationsgerät ist schon ein Anfang: Das Auto definiert von allein die beste Route. Aber dass der Mensch fremdbestimmt in seinem Wagen sitzt, wird meiner Ansicht nach nicht eintreten. Man muss beim Einsatz von Technologien sehr genau abwägen, ob es dem Einzelnen nutzt oder ihn einschränkt. Und der Fahrer eines Autos will selbst entscheiden, wann, wie und wohin er sich bewegt.

Eine Welt ohne Auto kommt in Ihren Szenarien nicht vor?

Nein. Sie sehen das ja in Ländern wie Indien oder China, in denen sich Volkswirtschaften gerade entwickeln. Dort gibt es eine hohe Nachfrage nach individueller Mobilität. Denn ungehinderte Bewegungsmöglichkeit ist ein Luxus, den viele Menschen sehr schätzen. Das führt dazu, wie in Deutschland, dass man oft im Stau steht oder keinen Parkplatz findet. Individuelle Mobilität bedeutet ja nicht, dass Sie immer ihr eigenes Auto nutzen. Es gibt interessante Konzepte wie man mit Autos seine individuelle Mobilität steigern kann, ohne dass man Besitzer dieses Fahrzeuges ist. Das ist insbesondere in der Großstadt attraktiv, wo viele Menschen auf engem Raum leben.

Sie meinen die Carsharing-Idee, bei dem man sich ein Auto stundenweise mieten kann?

Ja, dieses Konzept wurde lange für ein Nischenphänomen gehalten. Mittlerweile zeigt sich aber, dass es sehr große Perspektiven bietet. Im Durchschnitt steht ein Privat-PKW jeden Tag 23 Stunden unbenutzt herum. Da liegt es nahe, den Einsatz zu steigern, in dem sich mehrere Leute ein Auto teilen. Dann braucht man auch weniger Parkplätze. Und man kann das noch weiter denken: Wenn man die Infrastruktur einer Großstadt so ausbaut, dass man mit dem geliehenen Auto gar nicht wieder an seinen Ausgangspunkt zurück muss, sondern es dort abstellt, wo die Fahrt endet, erhöht das die Flexibilität ganz erheblich. Wir erproben ein solches System gerade mit car2go in Ulm.

Warum nicht Berlin, Hamburg oder München?
Die Herausforderung des Projekts liegt in der Datenverarbeitung. Wenn Sie überall in einer Stadt in ein Auto einsteigen können, damit fahren, so lange Sie wollen und es später an einer anderen Stelle wieder abstellen, muss dahinter ein ausgeklügeltes logistisches System stehen. Ulm ist einer unserer Forschungsstandorte und hat sich dadurch als Pilotstadt angeboten. Aber sicherlich funktioniert das car2go-Konzept auch in anderen Städten.

Das eigene Auto gehört also bald der Vergangenheit an?
Sagen wir es so, die alternativen Möglichkeiten der individuellen Fortbewegung werden künftig zunehmen. Auch das Rad erlebt in den Metropolen gerade eine Renaissance: Durch den Ausbau der Infrastruktur für Fahrräder in den Großstädten sind doppelt so viele Räder unterwegs wie noch vor ein paar Jahren.

Das ideale Verkehrsmittel der Zukunft?
Ja, wenn die Grenzen nicht wären. Haben Sie mal versucht, zur Hauptverkehrszeit ein Fahrrad mit in die U-Bahn zu nehmen? Unmöglich! Eine mögliche Vision für künftige Mobilität auf Straßen geht so: Mit einer "Mobility Card" werden die Barrieren zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln abgebaut. Die Karte ermöglicht es, Bus und Bahn zu benutzen, ein Auto mieten wie bei car2go, aber auch ein Fahrrad auszuleihen. Sie sind also immer mit dem Verkehrsmittel unterwegs, das für Sie gerade am sinnvollsten ist. Und am Ende des Monats bekommen Sie einfach eine Abrechnung über die von Ihnen genutzten Verkehrsmittel.

Stéphanie Souron
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Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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