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Quantya Strada: Lautlos, schnell, elektrisch

Von dem Ding ist kaum etwas zu hören, und dennoch geht es ab wie ein Porsche: ein Fahrbericht über die neue Quantya Strada, das erste Elektromotorrad auf dem deutschen Markt.

Von Michael Specht

Schlüssel ins Zündschloss stecken, herumdrehen, dann leuchten die Kontrolllampen und signalisieren: Es kann losgehen. Doch vom Motor ist kein Mucks zu hören. Den Startknopf drücken, damit die Maschine losbollert? Nicht nötig. Oder den Kickstarter mit dem Fuß schnell nach unten treten? Gibt es nicht. Wer an der neuen Quantya nach dem Einschalten der "Zündung" auch nur ein wenig zu kräftig am Gasgriff dreht, geht ab wie mit einer Gummizwille geschossen. Das ist konzeptionsbedingt. Das Ding hat einen Elektromotor, der sofort die volle Leistung bietet.

Die Quantya, eines der ersten Elektromotorräder, hat keinen Auspuff, der mit Potenzgebrüll nervt und aus dem stinkende Abgase entweichen. An der Quantya kann sich kein Öko stören. Aus ihrem Motor tropft kein Öl, leckt kein Benzin. Auch stehen am frühen Sonntagmorgen keine Nachbarn senkrecht im Bett, wenn für einen Ausritt gesattelt wird - dieses Motorrad ist fast nicht zu hören.

Niemand nimmt Notiz

Weil die leichte Motocross-Maschine optisch nicht mehr auffällt als eine konventionelle, nahmen die Autofahrer beim Ampelstopp während unserer Testfahrt durch Hamburg auch keine Notiz von ihr. Dass das Geknatter fehlt, bemerkte offenbar ebenfalls niemand. Ganz sicher aber werden sich manche darüber gewundert haben, dass die Maschine schneller nach vorn schießt als ein Porsche, dabei aber so klingt wie eine anfahrende S-Bahn. Erst in engen Einkaufsstraßen, wo es nur im Schritttempo voranging, fiel ein paar Jugendlichen der merkwürdige Sound der Quantya auf. Kommentar: "Ey, Alter, guck mal, ein E-Bike! Ist ja cool."

Elektroautos sind derzeit das große Thema, besonders seit die Batterietechnik große Fortschritte macht und dadurch Leistung und Reichweite zugenommen haben. Alle Autokonzerne arbeiten fieberhaft am E-Auto für die Serienproduktion. Wer aber denkt an ein Elektromotorrad?

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Claudio Dick zum Beispiel, er verkauft seit Kurzem elektrische "Dirtbikes", wie die Cross-Maschinen von ihren Fans genannt werden. Der Chef der Schweizer Firma Quantya mit Sitz in Lugano kommt aus der Motocross-Szene, einer Sportart, die bei Umweltschützern so beliebt ist wie eine Fleischtheke bei Vegetariern. Lärm- und Emissionsauflagen machen es immer schwieriger, am Wochenende Rennen zu veranstalten. Dick war klar: Nur mit einem EMotorrad lässt sich der Acker leise und abgasfrei umpflügen.

Ab 16

Seit dem Frühsommer kann man die neue Technik auch abseits der Kieskuhlen nutzen. Die Quantya "Strada" erhielt eine Straßenzulassung. Behördlich behandelt wird sie wie ein Motorrad mit 125 Kubikzentimeter Hubraum und 80 km/h Spitze. Damit dürfen auch 16-Jährige mit Führerschein A1 an den Lenker. Dort, wo normalerweise der Benzinmotor sitzt, thront bei der Quantya ein dicker schwarzer Kasten, darin eine Lithium-Polymer-Batterie. Die wiegt 19 Kilo und speichert etwa 2,3 Kilowattstunden Strom. Das soll laut Importeur Hans Eder aus Burgkirchen für rund 50 Kilometer Fahrstrecke reichen. Als Ladezeit an einer üblichen Steckdose gibt Eder weniger als drei Stunden an. Einmal Volltanken für rund 30 Cent.

Günstiger dürfte es vergleichbaren Fahrspaß nirgends geben. Der knapp zwölf Kilowatt (16 PS) starke Elektromotor hängt so bissig am "Gasgriff ", dass selbst geübte Biker einige Zeit brauchen, um damit zurechtzukommen. Getriebe und Schaltung fehlen ebenso wie die Fußbremse. Ihre Funktion übernimmt ein Hebel links am Lenker, wo sonst der Kupplungsgriff sitzt.

Die Quantya kostet 9282 Euro (www. quantya.eu). Nicht eben wenig, wobei gut ein Drittel des Preises der Hightech- Akku verschlingen dürfte. Bei unserer Dienstfahrt ging ihm allerdings schon nach 35 Kilometern der Saft aus. Häufige Ampelstarts und das Fahren im Sand einer Großbaustelle kosteten viel Energie. Die Quantya quittiert die bevorstehende Kraftlosigkeit durch bockiges Ruckeln, um nach wenigen Hundert Metern stehen zu bleiben. Dann hilft nur noch schieben.

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