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Runflat-Reifen: Wenn der Sorglosreifen platzt

Es gibt Reifen, die nach einer Panne problemlos weiterfahren, als sei nichts geschehen. Doch die Unkaputtbaren haben Tücken : Sie schütteln die Passagiere ordentlich durch und können nach unsachgemäßer Montage einfach platzen.

Von Dirk Vincken

Reifenpanne, das war gestern. Heute fährt man entspannt weiter, trotz Plattfuß, mit Tempo 80 und bis zu 150 Kilometer weit. Kein Schleudern, kein Adrenalin, kein Unfall. Statt in den Graben nur zum nächsten Reifenhändler. Ein gutes Gefühl.

Runflats heißen diese Sorglos-Reifen, die nicht klein zu kriegen sind. Geht ihnen die Luft aus, lässt sie das kalt, sie lenken und bremsen fast wie gewohnt, auch ohne Druck. Und weil das so gut funktioniert und der Fahrer davon nichts mitbekommt, muss er sogar per - gesetzlich vorgeschriebenem - Warnsystem informiert werden, dass er gerade mit einem platten, besser gesagt: luftleeren Reifen unterwegs ist. Eine gute Erfindung. Der Trick: Dank steifer Flanken knickt ein Runflat bei Luftverlust nicht ein und springt nicht - wie bei Standardreifen üblich - mit Knall, Rauch und Gestank von der Felge. Kein Risiko, wild zu schleudern oder im Graben zu landen. Oder auf dem Dach. Dieses Vollkasko-Gefühl überlegener Sicherheit gab es das letzte Mal, als das geniale Anti-Schleuder-System namens ESP erfunden wurde. So etwas wünschen sich Autofahrer.

Weniger Gewicht, weniger Kosten

Autohersteller auch. Sie begrüßten die neue Technik mit offenen Armen. Denn ohne Reserverad und Wagenheber ließen sich prächtig Kosten und Gewicht sparen. Verlegenheitslösungen wie peinlich dünne Noträder oder widerlich klebrige Reifendichtmittel konnten endlich über Bord geworfen werden. Dazu das Sicherheitsplus sowie Extra-Kofferraum für den Kunden.

Und doch: Seit ihrer Einführung im Jahr 2000 haben sich die Sicherheits-Reifen nie richtig durchsetzen können, befinden sich inzwischen sogar auf dem Rückzug. Von den anfänglich euphorischen Prognosen namhafter Unternehmensberater wie Roland Berger oder J.D. Power, wonach spätestens 2013 achtzig Prozent aller Neufahrzeuge auf Runflats vom Band rollen sollten, ist heute keine Rede mehr. Aktuelle Studien gehen von nur noch einem Prozent im Jahr 2010 aus. Nur Runflat-Vorkämpfer BMW rüstet viele seiner Neufahrzeuge noch serienmäßig mit Runflats aus. Noch. Jetzt denken die Bayern nach anfänglicher Begeisterung über den schrittweisen Ausstieg nach. Andere Hersteller bieten die Notlauf-Profis ohnehin nur auf besonderen Wunsch oder gar nicht an. Warum diese Zurückhaltung, ja dieser Rückzug?

Gelobt sei, was hart macht

Was die Autohersteller nur ungern zugeben und in einschlägigen Internet-Autoforen für mächtig Wirbel sorgt: Runflats gelten als Hartmacher. Gerade wegen ihrer notlaufsicheren dicken Seitenwände rollen sie oft ab wie das berühmte Holzrad. Wie eine viel zu dicke Feder geben sie kaum nach, bringen fein abgestimmte Fahrwerke durcheinander und Insassen in Rage. Selbst Hartgesottene nennen das bestenfalls "sportlich". VW etwa bietet Runflats maximal in der Größe von 16 Zoll an, weil "nicht auszuschließen ist, dass 17- oder 18-Zoll-Räder in der Tat höhere Belastungen im Fahrwerk hervor rufen", so ein Pressesprecher. Zudem sind die Pannenmeister extrem teuer: Der Fahrer eines Fünfer-BMW muss je nach Dimension bis zu 2500 Euro zusätzlich hinlegen.

Risse bei der Montage

Doch der saftige Preis sowie die Komfortschwächen sind nicht der einzige Grund, dass die Runflats zu Hightech-Ladenhütern verkommen. Weit schlimmer: Das spätere Auf- und Abziehen der unflexiblen Security-Reifen beim Reifenhändler bereitet massive Probleme. Die Montage ist kompliziert und führt sehr oft zu inneren Beschädigungen, ganz besonders, wenn es kalt und der Gummi dadurch spröde ist. Schäden, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen und deshalb so kritisch sind.

Bernd Semmler vom Training-Center des Reifen-Giganten Michelin, bestätigt: "Runflat-Reifen haben verstärkte Flanken. Weil dort mehr Material eingesetzt wird, sind sie nicht sehr flexibel." "Bei unsachgemäßer Montage besteht die Gefahr, dass am Reifenwulst Schäden entstehen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind", so Peter Drust vom ASA-Arbeitskreis Reifendienst und Achsmessgeräte. "Die Standard-Reifenmontage", fügt Ruprecht Müller, ADAC-Reifenexperte hinzu, "ist hier nicht wirklich geeignet."

Folge: Es kann Feuchtigkeit eindringen, der ungeschützte Stahlgürtel rostet, Material kann sich ablösen. Konsequenz dieser inneren Erosion: Reifenplatzer. Wann, das kann keiner vorhersagen. Der Wunderpneu wird so selbst zum Risikofall. Das wissen auch die Autohersteller und verabschieden sich leise von der Runflat-Technologie. Es klang auch einfach zu schön.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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