Shelby GT 500 Sex mit Eleanor


Kein Film-Auto hat je so das Blut in Wallung gebracht. Der Shelby GT 500 aus "Nur noch 60 Sekunden" versetzt Vollgas-Fans in orgiastische Verzückungen. Kaum einer weiß, dass der Film nur ein Remake ist - und die originale "Eleanor" ganz anders aussah.

Es ist die erotischste Szene des ganzen Films: Sanft streichelt Nicholas Cage über Eleanors wohl proportionierte Rundungen. "Es wird eine Spazierfahrt, Eleanor. Wir gleiten einfach dahin", haucht Cage der attraktiven Dame zu. Eleanor ist die eigentliche Hauptdarstellerin in "Nur noch 60 Sekunden", neben der alle Schauspieler aus Fleisch und Blut zu langweiligen Komparsen verblassen. Der schnittige 1967er Shelby GT 500 wurde zu einem der berühmtesten Filmautos aller Zeiten.

Die Story, die Produzent Jerry Bruckheimer ("Top Gun", "Fluch der Karibik") um die wilden Verfolgungsjagden strickte, ist simpel: Der berühmte Autoknacker Memphis Raines (Nicholas Cage) hat sich zur Ruhe gesetzt und bringt jetzt Kids das Kart-Fahren bei. Doch er muss noch einmal in sein altes Metier zurückkehren. Denn sein Bruder, ein kleiner Ganove, hat einen Coup verpatzt und steht nun auf der Abschussliste eines Gangsterbosses. Um seinen Bruder zu retten, muss Memphis in einer Nacht 50 Luxuskarossen klauen. Zusammen mit einem Team voller ausgefuchster Autodiebe legt Memphis los, obwohl die Polizei den Autoknackern immer dicht auf den Fersen ist. Zur Tarnung erhalten alle Autos Frauennamen Stacey, Tanya, Shannon oder eben Eleanor. Bei der Masse an Traumwagen, die im Film zu sehen sind, läuft jedem Autofan das Wasser im Mund zusammen. Und die Verfolgungsjagd mit Eleanor am Schluss garantiert heftige Adrenalinschübe.

Autojagden und zahllosen Blechschäden

"Nur noch 60 Sekunden" aus dem Jahr 2000 ist übrigens ein Remake, das Original kam schon 1974 in die Kinos. Der Karambolage-Streifen lief in Deutschland unter dem Titel "Die Blechpiraten", und auf dem Regiestuhl saß H.B. "Toby" Halicki, auch bekannt als "Car Crash King". Die Handlung des Films lässt sich auf jedem handelsüblichen Bierdeckel unterbringen: Eine Autoknacker-Bande muss 48 Autos stehlen, darunter auch Eleanor, einen gelben 73er Ford Mustang Mach 1. Der Rest des Films besteht aus wirr aneinander geschnittenen Autojagden mit zahllosen Blechschäden. Angeblich wurden für den Streifen fast 100 Fahrzeuge verschrottet.

Halicki war nicht nur Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller, sondern auch für die Stunts zuständig. Für den Film wurde ein 71er Mustang beschafft und als 73er Modell ausstaffiert. Ein Überrollkäfig aus einem NASCAR-Rennwagen sorgte für mehr Sicherheit bei den zahllosen Action-Szenen. Nach einem heftigen und ungeplanten Crash mit dem Mustang waren Halickis erste Worte angeblich: "Haben wir das im Kasten?" Die Risiken, die der Auto-Fanatiker für seine Filme einging, sollten ihm später sogar das Leben kosten. Er starb 1989 während der Dreharbeiten zu "Gone in 60 seconds 2", als bei der Vorbereitung eines Stunts ein Wasserturm einstürzte.

Gesuchte Raritäten

Im Remake mit Nicholas Cage ist Eleanor kein normaler Mustang mehr, sondern eben jener 67er Shelby GT 500. Der texanische Geflügelzüchter, Rennfahrer und Sportwagenkonstrukteur Carroll Shelby motzte schon 1965 für Ford den Mustang auf und machte ihn zu einem heißen Sportgerät. Der 67er GT 500 wurde zu einer der berühmtesten Shelby-Kreationen. Unter der Haube brüllte ein V8-Motor mit sieben Litern Hubraum, und die großen Zusatzscheinwerfer im Kühlergrill machten jedem sofort klar, dass hier kein normaler Mustang von der Stange unterwegs war. Die Autos sind heute gesuchte Raritäten.

Für den Film wurden zwölf nahezu identische Ford Mustang beschafft. Echte Shelby-Mustangs wären wohl selbst für eine Multimillionen-Dollar-Produktion schwer zu beschaffen und extrem teuer gewesen - und vor allem viel zu schade zum Verschrotten. Hätte Produzent Jerry Bruckheimer seinen ursprünglichen Plan verfolgt, wäre es noch erheblich kostspieliger geworden: Er wollte angeblich einen originalen Ford GT 40 im Film verwenden, und die wachsen ja auch nicht gerade auf Bäumen. Eleanors Blechkörper wurde an den 67er Shelby GT 500 angelehnt, erhielt aber auch neue Elemente - einen speziellen Grill mit Zusatzleuchten, große Lufteinlässe vor den hinteren Kotflügeln, martialische Rallye-Streifen und vieles mehr. Von den zwölf Filmwagen mussten fünf bei den Dreharbeiten ihr Leben lassen, allein drei beim Dreh des spektakulären Brückensprungs. Jerry Bruckheimer soll sich eine dreizehnte Eleanor haben anfertigen lassen - auf Basis eines echten Shelbys.


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