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US-Crashtest: SUVs schneiden verheerend ab

Size matters? In einem großen Auto sitzt man sicher? Das sollte man denken, es stimmt aber nicht: Bei einem neuen US-Crashtest fielen die dicken Panzer durch.

Von Gernot Kramper

Das amerikanische IIHS (Insurance Institut for Highway Security) schert gern aus der Phalanx von Prüfern und Autoindustrie aus. Das Institut wird in den USA von den Kfz-Versicherungen finanziert, auf das Wohlwollen der Autoindustrie kann es daher gut verzichten. In den Labors des Instituts werden Unfälle nachgestellt, die über den gesetzlichen Crashtest hinausgehen. Neue Anforderungen werden nicht Jahre vorher kommuniziert, sie werden einfach eingeführt und erwischen die Autoindustrie mit heruntergelassen Hosen. Den größten Schrecken verbreitet der sogenannte Frontalunfall mit geringer Überlappung. So etwas kommt in der Wirklichkeit vor, wenn ein Pkw nicht gegen eine breite Wand stößt, sondern gegen einen Baum oder einen Mast prallt.

Im Januar 2014 hatte das Institut Kleinwagen durch die Mangel gedreht. Die Ergebnisse waren so verheerend, dass der Testleiter die Autokunden eindringlich beschwor, die Finger von einem Minicar zu lassen und der Sicherheit wegen in die weit bessere Mittelklasse zu investieren.

Größe hilft nicht

Nun wurden Mid-Size-SUV getestet - für europäische Verhältnisse sind das sehr große Wagen, aber auch sie schnitten trotz der Größe nicht gut ab. Nur zwei von neun Testkandidaten erreichten gute Ergebnisse, einer bekam ein "Befriedigend", drei schnitten mäßig ab und drei versagten völlig. Bei dem Versuchsaufbau kommen zwar zwei natürliche Vorteile des SUV - große Masse und hohe Sitzposition - nicht zum Tragen - aber das hohe Gewicht und die erhebliche Größe sollten eigentlich für eine große Knautschzone und eine stabile Fahrgastzelle sorgen.

Gefahr für die Insassen

Die Wertung Top Safety Pick erhielten nur der Chevrolet Equinox und sein Schwestermodell der GMC Terrain. Der Toyota Highlander ist noch akzeptabel. Von den in Europa angebotenen Modellen schnitt der Jeep Grand Cherokee auf Platz vier am besten ab, es reicht aber nur für eine mäßige Note. Auch unter den Versagern ist ein weiteres Europa-Modell: Der Kia Sorento landetet auf einem unbefriedigenden sechsten Platz (Note: "poor").

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Chef-Unfallforscher David Zuby fasst die Ergebnisse zusammen: "In den letzten Generationen sind die SUVs sehr viel sicherer geworden, aber die Unterschiede sind enorm: manche können Frontalzusammenstöße weit besser wegstecken als andere." Technisch vorn sieht das IIHS die Modelle von General Motors. "Was die Sicherheit der SUVs angeht, zeigt GM wo es lang geht." Sie verdanken ihr gutes Abschneiden einer optimierten Frontpartie.

Höhere Anforderungen als Europa

Selbstbewusst verteidigt das Institut den schweren Test: Er sei zwar sehr "anspruchsvoll", sagt David Zuby, aber die Industrie werde schnell nachziehen, denn Sicherheit sei ein Hauptargument beim Kauf. Und schlechte Noten beim IIHS sind in den USA ebenso fatal, wie die Note "Mangelhaft" der Stiftung Warentest in Deutschland.

Die unabhängigen US-Amerikaner sind bei der Autosicherheit weit fordernder als die europäische Organisation Euro-NCAP: Dort erreichen fast alle Kandidaten vier oder fünf von fünf möglichen Sternen. Außerdem werden netterweise nur neu konstruierte Autos getestet. Alte Modelle, die schon lange gebaut werden, dürfen sich mit einem früher erworbenen guten Ergebnis schmücken, auch wenn sie bei einem aktuellen Test durchfallen würden.

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