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Zukunft iCars: Pack die Coolness ein

iPhone sei "in", Auto "out" und Verbrenner ein Unwort. Das wird zumindest von Trend- und Jugendforschern behauptet. In diesem Jahr reagieren die Autohersteller: In den Autostudien bauen sie Smartphones und Tablets ins Cockpit – das ist der einfachste Imagetransfer, der möglich ist.

Vor ein paar Jahren genügten den Autoherstellern noch Surfer und Skateboarder in der Werbung, um ihre Produkte jugendlich erscheinen zu lassen. Jetzt folgt der digitale Exhibitionismus. Auf den Automessen herrscht eine regelrechte Smartphone-Invasion. Diverse Studien vom neuen VW Bulli über den Mini Rocketman bis zum Tata Pixel schmücken sich mit Smartphones oder Tablet PCs. Manchmal sollen die bunten Brettchen und Telefone sogar klassische Schalter ersetzen: Klimaanlage, Radio, Navigation durchs Handy?

Was ist dran an dem Trend? Auf Dauer gibt es keine Alternative dazu die elektronischen Lebensbegleiter mit in den Wagen zu integrieren. Automobilexperte Christoph Stürmer vom Wirtschaftsforschungsinstitut IHS Global Insight:. "Natürlich ist das Auto für viele Menschen ein Lebensraum, in dem sie auch gern am virtuellen Leben teilnehmen. Die Einbettung elektronischer Geräte ist daher ein Must Have-Faktor." Wer er es gewohnt ist seine multimediale Welt auf dem iPad zu organisieren, wird sich auf Dauer nicht mit Adapterkabeln abspeisen lassen, um sich dann mit einer ganz anderen Steuerlogik zu befassen. Echte Funktionen in der Fahrzeugsteuerung wird ein anfälliges Smartphone allerdings kaum übernehmen können, aber eine App als reine Bedienoberfläche ist technisch denkbar.

Allerdings ist es für den Einbau in der Serie noch zu früh. Denn die vielbeschworenen Smartphonefreunde sind nicht immer Autokäufer. Käufergruppe sind sie eher unbedeutend, und das nicht wegen ihres Umweltbewusstseins. "Das Paradoxe daran ist aber: Gerade die Zielgruppen, die solche Funktionen am stärksten fordern, sind die mit der geringsten Kaufkraft", sagt der Automarkt-Analyst Stürmer. Manche Unternehmen hätten bereits hohe Summen für die Integration von Internetfunktionalität ins Auto ausgegeben. "Das hat sich als kompletter Irrweg herausgestellt und überhaupt nicht funktioniert - da wurde viel Geld verbrannt", so Stürmer.

Der Kunde, der eine aufwändige Navigatons- und Multimediaanlagen ordert, ist offenbar nicht besonders an Internet-Gimmicks interessiert. Grundsätzliches Problem: Bei den meisten Fahrten ist nur eine Person an Bord und die ist mit dem Fahrzeug beschäftigt und hat keine Zeit, nebenbei Facebook zu checken. Der Benutzerführung von Smartphone und Autoelektronik liegt eine grundsätzlich andere Philosophie zu Grunde: Autoelektronik sollte dienen, ohne viel Aufmerksamkeit zu benötigen, bei mancher App ist der Auftritt spektakulärer als der Nutzen.

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

Wen wundert es, dass die Integration von Smartphones bei Zweitausrüstern voranschreitet. Für weniger als 300 Euro bietet der Freisprechanlagenspezialist Parrot ein Autoradio mit kompletter iPhone-Integration an. So kann ein Student seinen Gebrauchten multimedial aufmotzen. Schon die Größe des Geräts (Einfacher DIN-Schacht) deutet den Einbauort an: Ältere, günstige Gebrauchte.

Autobauer tüfteln derzeit daran, den Wagen mittels Smartphone aus der Ferne zu bedienen und etwa die Klimaanlage vor dem Betreten des Fahrzeugs in Gang zu setzten. Andere Idee: man könnte am heimischen PC über Google Maps eine Route planen und die Daten dann ans Navigationssystem des Autos senden. Vorraussetzung für diese Technik: Der Wagen muss permanent per Mobilfunk zu erreichen sein. Alle diese Ideen verraten eine gewissen Willen zum Internet. Doch eigentlich erwartet der Fahrer eines gehobenen Mittelklassewagens, dass die Navigation via Sprachsteuerung in wenigen Sekunden die richtige Route berechnet. Möchte er sich wirklich am Abend zuvor zum Routenstudium an den PC setzen?

Kra/Press-Inform

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