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stern-Archiv: Mini-Mercedes mit guten Manieren

Kaum ein Auto der letzten Jahre hat so viele Vorschußlorbeeren bekommen wie die A-Klasse. Jetzt mußte sie bei einem ersten Fahrtest ihre Qualitäten beweisen.

Aus und vorbei. Die Zeiten, in denen ein Mercedes nichts anderes als ein Mercedes war, sind Vergangenheit. "Die neue A-Klasse ist ein bißchen Kleinwagen, ein bißchen C-Klasse, ein bißchen Van", sagt Vertriebsvorstand Dieter Zetsche. Wie bitte? Bis jetzt gab es bei Mercedes noch nie "ein bißchen". Ist die A-Klasse am Ende nur "ein bißchen" Mercedes?

Das Design gibt darauf keine schlüssige Antwort. Ein Auto, das mit 3,57 Metern kürzer ist als ein VW Polo, Sicherheitsstandards wie die Großen erfüllen soll und knapp 1,60 Meter hoch ist, sieht nun mal eher aus wie eine Knutschkugel und nicht wie ein Silberpfeil. Wichtiger freilich ist, ob sich das Ergebnis des "revolutionären Fahrzeugkonzepts" (Zetsche) wie ein Mercedes anfühlt und fährt. Erster Test: Türen zuschlagen. "Hören die Kunden kein sattes Ploff, kommen sie wieder und reklamieren den Sound", weiß Zetsche. Deswegen haben die Ingenieure Dämpfungselemente eingebaut, für dickeres Blech plädiert, Schlösser und Schwingungsverhalten optimiert und an der Innenraumentlüftung gebastelt, damit es sich "nicht wie ein Golf anhört".

Das Ergebnis: ein imagesicherndes "Ploff". Die Fondtüren machen immerhin noch "Plaff", nur die Heckklappen wie Fronthaube und Kotflügel aus Kunststoff erlaubt sich ein lustloses "Plapp". Der Einstieg in die A-Klasse ist so ungewöhnlich für einen Mercedes wie der erste Eindruck hinterm Volant. Zunächst heißt es, wegen des Sandwichbodens eine Hürde zu nehmen, die rund 18 Zentimeter höher ist als bei der C-Klasse. Die vorderen Sitze sind groß mit genug Beinauflage, wenn auch dünner und flacher als in den anderen Modellen. Irgendwo muß ja der Platz für ein Raumgefühl wie in der Mittelklasse herkommen. Eng wird es lediglich für die Fondpassagiere, und auch nur dann, wenn die Rücksitze zur Vergrößerung des Kofferraums weit nach vorn geschoben sind. Beim Blick nach vorn sieht der Fahrer erst mal nichts.

Unfaßbar: ein Mercedes ohne Schnauze und Peil-Stern. Das Auto scheint am unteren Scheibenrahmen zu enden. Die Instrumente halbrund, das Armaturenbrett modisch geschwungen, und der Handbremshebel befindet sich - man staune - zwischen den Vordersitzen. Nichts mit Fußfeststellbremse zur Linken. Auch nichts mit Einklemmschutz für die elektrischen Fenster, geteilter Heizung für Fahrer und Beifahrer, vollständig versenkbaren Fondfenstern und Scheibenbremsen an den Hinterrädern wie bei den größeren Brüdern.

Und unter der Haube des Testwagens werkelte ein Vierzylinder-Benzin-Motörchen mit 82 PS aus 1,4 Liter Hubraum. Weniger als 1,7 Liter hatten die Schwaben seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr im Programm, Frontantrieb wurde der Konkurrenz überlassen. Daß hinter der A-Klasse die Denker und Lenker aus Stuttgart stehen, beweist der Mini, wenn er fährt. Der Motor, der leise und laufruhig arbeitet, hat bei der Beschleunigung keine Mühe mit dem rund eine Tonne schweren Wagen. Mit dem aufwendigen Fahrwerk umrundet die A-Klasse Kurven auch bei hohem Tempo sicher. Der Wagen neigt sich, ohne den Insassen befürchten zu lassen, das hochgeratene Gefährt könnte kippen. Nähert sich der Fahrer dem Grenzbereich, schiebt der Vorderwagen behutsam nach außen, kann aber schnell wieder eingefangen werden. Komfortabel und trotzdem straff ist die Federung. Bodenwellen oder kleine Schlaglöcher muß kein Fahrer fürchten.

Leider Mercedes-typisch: Die Sitze bieten zuwenig Seitenhalt. Auch die Schaltung mit einer präzisen Führung und das große Lenkrad mit der angenehmen Übersetzung sind hoher Mercedes-Standard. Die Bremsen packen kräftig und zuverlässig zu und lassen vergessen, daß Trommelbremsen an der Hinterachse arbeiten. Mercedes-(A-)typisch auch die Preise. Der Einstieg in die Welt des Sterns kostet immerhin 30 360 Mark (A 140). Konkurrenten wie VW Golf (Pkw-Vorstand Jürgen Hubbert: "Die A-Klasse kostet VW Marktanteile") sind für 27 610 Mark (90 PS) zu haben. Und für den eine ganze Klasse größeren und ebenfalls doppelbödigen Megane Scenic verlangt Renault auch nur 29 990 Mark. Die A-Klasse mehr als ein bißchen Mercedes? Ja, aber ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Roland Löwisch

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.