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BBC macht Undercover-Aufnahmen bei Apple in China: Diese Menschen zahlen den Preis für unsere iPhones

Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen in chinesischen Apple-Fabriken sind nichts Neues. Doch jetzt ist es einem Team der BBC gelungen, in einem der Werke zu filmen - die Bilder sind erschreckend.

Von Dominik Brück

Zu erschöpft zum weiterarbeiten: Die BBC dokumentiert die Arbeitsbedingungen in chinesischen Apple-Werken.

Zu erschöpft zum weiterarbeiten: Die BBC dokumentiert die Arbeitsbedingungen in chinesischen Apple-Werken.

Besonders jetzt vor Weihnachten sind Smartphones begehrt wie nie. Viele wünschen sich, das neueste Modell unter dem Tannenbaum zu finden. Besonders beliebt: das iPhone von Apple. Doch kaum jemand ahnt, wie sehr chinesische Arbeiter dafür leiden müssen, dass am Weihnachtsabend das High-Tech-Spielzeug aus der Geschenkverpackung geholt werden kann.

Obwohl es immer wieder Berichte über die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Apple-Zulieferer gibt, die sogar schon zu Selbstmordversuchen von Arbeitern geführt haben, boomt das Smartphone-Geschäft. Das könnte sich nun ändern: Einem Team der britischen BBC ist es gelungen, in einer Fabrik des Apple-Partners "Pegatron" Filmaufnahmen zu machen. Die Bilder aus der Nähe von Shanghai lassen den Spaß am iPhone als Weihnachtsgeschenk schnell vergehen.

Arbeiter, die am Fließband einschlafen

Die Undercover-Recherche zeigt den Arbeitsalltag in dem chinesischen Werk. Die Bedingungen, unter denen die Arbeiter schuften müssen, sind weit von den Versprechen entfernt, die Apple in Bezug auf seine asiatischen Partner immer wieder macht. In der Fabrik, in der das iPhone 6 und das iPad montiert werden, sind Zwölf-Stunden-Schichten die Normalität. Regelmäßig werden die Arbeiter jedoch gezwungen, bis zu 16 Stunden am Tag zu produzieren, manchmal 18 Tage am Stück.

Hinzu kommen unbezahlte Meetings, die vor und nach der Schicht verpflichtend besucht werden müssen. Die Belastung ist so groß, dass die Angestellten während ihrer Schicht am Fließband einschlafen. Auch in den Pausen kommen die Arbeiter, die laut BBC zum Teil mit zwölf Personen in einem Raum schlafen müssen, nicht zur Ruhe. "Auch wenn ich Hunger hatte, konnte ich nicht aufstehen und essen. Ich wollte einfach nur daliegen, konnte aber nachts wegen des dauernden Stresses nicht schlafen", berichtet ein Arbeiter.

Als wäre das nicht schon genug, gingen die BBC-Reporter noch weiter und besuchten Zinnminen in Indonesien. Hier wird das Metall gewonnen, das auch in Apple-Produkten verwendet wird - ebenfalls unter erschreckenden Bedingungen. So berichtet die BBC, dass die Metalle zum Teil aus illegalen Minen kommen, in denen auch Kinder per Hand nach den Bodenschätzen graben müssen. Jederzeit kann es dabei laut Bericht zu Einstürzen kommen, bei denen die Arbeiter begraben werden.

Apple streitet die Vorwürfe ab

Die BBC schreibt, dass es Apple es abgelehnt habe, ein Interview zu geben und die Vorwürfe bestreitet. In einem Statement gegenüber dem britischen Sender heißt es: "Kaum ein Unternehmen setzt sich so stark wie Apple für faire und sichere Arbeitsbedingungen ein." Es sei normal, in Pausen ein Nickerchen zu machen, und die eigenen Berichte würden belegen, dass Mitarbeiter bei Pegatron im Durchschnitt 55 Stunden in der Woche arbeiten. Apple hat gegenüber der BBC dennoch angekündigt, die berichteten Fälle zu überprüfen. Auch Pegatron will die Vorwürfe untersuchen und die nötigen Schritte einleiten, um vernünftige Arbeitsbedingungen zu garantieren. Ob man dann im kommenden Jahr wieder mit einem guten Gewissen die Geschenke auspacken kann? Abwarten.