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Aus Facebook-Daten Algorithmus berechnet Chancen für erfolgreiche Beziehung


Eine Studie amerikanischer Wissenschaftler hat über eine Million Nutzerdaten bei Facebook analysiert und kommt zu dem Schluss: Beziehungen stehen und fallen mit den gemeinsamen Freunden.
Von Alexander Meyer-Thoene

Bislang galt die Weisheit, dass die Zukunft einer Beziehung in den Sternen steht. Eine neue Studie, die in Zusammenarbeit zwischen Facebook und der Cornell-Universität entstanden ist, könnte dies jetzt wiederlegen. Anhand eines umfangreichen Datensatzes von Facebook-Nutzerprofilen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sich mit relativ hoher Genauigkeit bestimmen lässt, ob eine Beziehung gute Chancen für die Zukunft hat. Ausschlaggebend sind die Freunde, die ein Pärchen teilt und insbesondere die Verbundenheit dieser Freunde.

Für die anonyme Studie wurden 1,3 Millionen Profile zufällig ausgewählt, die sich laut dem sozialen Netzwerk in einer Beziehung befinden. Die Teilnehmer hatten ein Mindestalter von 20 Jahren und besaßen zwischen 50 und 2000 Facebook-Freunde. Das Interesse Facebooks liegt darin, mehr über die Beziehungen seiner Nutzer herauszufinden – je mehr über die Nutzer bekannt ist, desto präziser kann Werbung geschaltet werden.

Die "Dispersion" ist der Schlüssel

Der verwendete Datensatz birgt eine enorm hohe Anzahl an digitalen Verbindungen, anhand derer man Rückschlüsse ziehen kann. Insgesamt wurden 379 Millionen Knotenpunkte sowie 8,6 Milliarden Links der User analysiert, die einige Rückschlüsse erlauben.

Die Aufgabe des Computerprogramms war es, ausschließlich anhand von Facebook-Freundschaften herauszufinden, welcher der Freunde eines Users, der Partner oder Ehegatte ist. Nur die Zahl an gemeinsamen Freunden zu betrachten, war dafür nicht ausreichend. Vielmehr nutzten die Wissenschaftler Jon Kleinberg und Lars Backstrom einen neuen Indikator, den sie "Dispersion", also Streuung, nannten. Die Dispersion zeigte nicht nur wie viele Freunde zwei User teilten, sondern auch den Grad an Verbundenheit zwischen eben diesen Menschen. Mit dem Dispersions-Algorithmus konnte der Partner erstaunlich Präzise ermittelt werden: In 60 Prozent der Fälle wurde der Ehegatte gefunden – in 33 Prozent der Fälle der Partner.

Außerdem zeigte die Studie: Wenn der Algorithmus ein Pärchen anhand der "Dispersion" nicht identifizieren konnte, deutete dies darauf hin, dass die Beziehung auf Probleme zusteuert. Bei Paaren mit niedriger Dispersion war die Chance um 50 Prozent höher, dass sie sich innerhalb der nächsten zwei Monate trennen. Laut Kleinberg ist "ein Ehegatte oder Partner eine Brücke zwischen den sozialen Welten eines Menschen" – wenn die entstandenen Brücken demnach zu schwach sind, scheinen Probleme laut der Studie programmiert.


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