VG-Wort Pixel

BKA alarmiert Phishing-Betrüger tricksen neue Sicherheitssysteme aus


Den Opfern entsteht ein Schaden von je rund 4000 Euro: Das BKA meldet immer mehr Identitäts-Klau im Netz. Mit einem neuen Geschäftszweig wollen die Täter jetzt noch mehr Nutzern gefährlich werden.

Das Bundeskriminalamt (BKA) sieht eine wachsende Gefahr durch Verbrecher im Netz. "Die Internetkriminalität ist weiterhin auf dem Vormarsch", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen "Bundeslagebild 2013" zur Cyberkriminalität.

Das BKA zählte im vergangenen Jahr 64.426 Fälle von Cyberkriminalität in Deutschland. Das ist zwar nur etwa ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch seit 2009 stieg die Zahl der registrierten Fälle um mehr als 20 Prozent, auch in einigen Bereichen stiegen die Fälle an. So zum Beispiel beim Phishing: Hier verzeichneten die Ermittler einen Anstieg der Fälle um 20 Prozent gegenüber 2013. Mit dem Diebstahl digitaler Identitäten räumen Internetkriminelle wieder häufiger die Konten von Verbrauchern ab. Pro Fall entstand dabei ein durchschnittlicher Schaden von rund 4000 Euro.

Auch Tans per SMS werden gehackt

In den Bereichen Computerbetrug, Betrug mit Zugangs-Berechtigungen zu Kommunikationsdiensten und Ausspähen/ Abfangen von Daten gingen die Verbrechen hingegen zurück. Die Delikte Fälschung beweiserheblicher Daten, Täuschung im Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung und Datenveränderung, Computersabotage stiegen aber im zweistelligen Bereich an.

"Die Cyberkriminellen reagieren professionell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards und passen ihre Methoden schnell den geänderten Rahmenbedingungen an", erklärte Ziercke. Nachdem sich 2012 die Zahl der Phishing-Fälle beim Online-Banking wegen verbesserter Sicherheitsstandards nahezu halbiert hatte, haben Internetbetrüger laut BKA-Bericht ihre Schadsoftware verbessert.

Selbst das bisher als sicher geltende mobile Tan-Verfahren werde ausgenutzt, bei dem die fürs Online-Banking nötige Tan per SMS auf das Handy des Kunden geschickt wird. An diese Daten kommen Betrüger durch Schadsoftware für Smartphones und andere mobile Geräte.

Gemäß einer repräsentativen Online-Umfage aus dem Jahr 2013 wurde schon rund ein Fünftel der Deutschen Opfer von Identitätsdiebstahl oder -missbrauch.

Mehr als 42 Millionen Schaden

Auch digitale Erpressung nimmt zu. 2013 seien 6754 Fälle mit sogenannter "Ransomware" registriert worden, erklärte das BKA. Dem Nutzer eines mit Schadsoftware infizierten Computers werde dabei beispielsweise über eine eingeblendete Meldung vorgetäuscht, der PC sei "im Zusammenhang mit verschiedenen strafbaren Handlungen in Erscheinung getreten und deshalb gesperrt worden". Dem Besitzer werde dann die Möglichkeit angeboten, den Computer mit einer Zahlung von 100 Euro wieder zu entsperren. Die Zahlung erfolge in der Regel über digitale Dienstleister, so dass der Geldtransfer anonym bleibe.

Die insgesamt verzeichneten Schäden bewegen sich nahezu auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Rund 40 Millionen Euro Schaden entfällt auf den Bereich Computerbetrug und rund 2,6 Mio. Euro auf den Betrug mit Zugangsdaten zu Kommunikationsdiensten.

"Unternehmen, staatliche Stellen oder auch Privatpersonen - jeder kann Opfer von Cybercrime werden", erklärte Ziercke. Nicht nur national, auch international müsse zusammengearbeitet werden. "Cyberkriminelle handeln global, nationale Grenzen spielen keine Rolle.

Die Studie legt auch nahe, dass Internetkriminelle sich auch einen neuen Geschäftszweig eröffnet haben: "Die Täter begehen heute nicht mehr nur die Straftaten im eigentlichen Sinne, sondern bieten auch die zur Begehung von Straftaten erforderliche Schadsoftware oder gar komplette kriminelle Infrastrukturen in der Underground Economy global zum Kauf oder zur Miete an", heißt es in dem Dokument.

mia/AFP/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker