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"GTA: San Andreas": Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Die weltweit erfolgreiche PC- und Videospielreihe "Grand Theft Auto" geht in eine neue Runde. Seit kurzem steht der fünfte Teil "San Andreas" als PC-Fassung in den Läden - und schlägt selbst die superben Vorgänger um Längen.

Carl Johnson ist sauer. Kaum versucht er, sich an die Ostküste abzusetzen, da holen ihn die Ereignisse aus dem fiktiven US-Bundesstaat San Andreas wieder ein. Seine Mutter wurde ermordet, seine Familie ist zerrissen, und seine ehemaligen Freunde geraten immer mehr in einen Strudel aus Intrigen, Drogen und Kriminalität. In "Grand Theft Auto: San Andreas" übernimmt der Spieler die Rolle des Afro-Amerikaners, von allen nur C.J. genannt, und muss versuchen, die Ereignisse aufzurollen, den Mord zu rächen und wieder die Kontrolle über die heimischen Straßen von "Los Santos" (angelehnt an Los Angeles) zu gewinnen. Da Carl dabei vor massiver virtueller Gewalt nicht zurückschreckt, ist das Spiel eindeutig nichts für Kinder. Doch die wären vom Spielprinzip sowieso völlig überfordert.

Entdecke die Möglichkeiten

Die riesige Spielwelt von San Andreas ist in ihrer Größe und den Möglichkeiten, die sie bietet, schlicht überwältigend. Die drei Städte Los Santos, San Fiero und Las Venturas sowie rund 12 kleinere Städte und Dörfer bilden zusammen mit dem Umland ein rund 35 km² großes Areal - der mit Abstand größte virtuelle Spielplatz, den man je in einem Actionspiel betreten durfte. Wer lediglich die wichtigsten Hauptmissionen bestreitet, wird in rund 40 Stunden den Abspann bewundern können - und dabei das Schönste verpassen. Denn gerade die zahlreichen Nebenmissionen und Minispielchen sind es, die "GTA: San Andreas" zu dem machen, was es ist. Lust auf eine Runde Poker, Black Jack oder Billard? Die Casinos haben rund um die Uhr geöffnet. Gerade kein Geld zur Hand? Dann verdient sich Carl halt etwas als Taxifahrer, Krankenwagenfahrer, Feuerwehrmann, Polizist, Zuhälter, Rennfahrer oder Ladenbesitzer dazu. C.J. kann sogar einkaufen gehen: Dutzende Bekleidungsgeschäfte bieten Hunderte von Artikeln, Friseure und Tattoo-Shops sorgen für szenegerechtes Aussehen. Dabei sind all diese Dinge, die wiederum nur ein winziger Auszug aus dem Repertoire sind, nicht nur nette Beilagen. Sie können durchaus spielentscheidend sein.

"Grand Theft Auto: San Andreas"

Hersteller/Vertrieb

Rockstar Games/ Take2

Genre

Action/Rennspiel

Plattform

PC, Xbox, PS2

Preis

45 Euro (PC), 50 Euro (Xbox, PS2)

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Eine Frage des Charakters

Ein absolutes Novum ist der eher für Rollenspiele typische Aufbau von Charakterwerten. Diese verändern sich dynamisch und passen sich der Spielweise an. Wenn C.J. viel zu Fuß unterwegs ist, erhöht sich die Kondition, der Fettpegel sinkt. Wer hingegen ausschließlich in einem der unzähligen Fahrzeuge, Flugzeuge oder Boote sitzt und reichhaltige Speisen in Schnellrestaurants zu sich nimmt, sollte sich nicht über sichtbar steigende Körperausmaße wundern. Notfalls lassen sich Muskelstärke und Kondition auch im örtlichen Fitnesscenter an mehreren Geräten trainieren. Es gibt sogar eigene Statusbalken für "Sexappeal" oder Fortschritte bei diversen "Ladies" - das Programm denkt an einfach alles. Trotzdem sollte man eines nicht verschweigen: Es geht hauptsächlich um Gewalt, und da man einen Bösen spielt, um nicht gerade wenig davon. Das Programm verdankt seine Ab-16-Freigabe hauptsächlich der Tatsache, dass diese Gewalt nicht verherrlicht wird und auch stets Konsequenzen nach sich zieht.

Spiel mir das Lied vom Tod

Die Sprachausgabe wurde in der deutschen Version beim US-Original belassen und mit deutschen Untertiteln versehen. Was jedoch gut ist, der derbe Slang passt perfekt in die Gangsterszene und sorgt für die richtige Atmosphäre. Dass Take 2 dafür Schauspieler wie Samuel L. Jackson oder Ice T als Sprecher engagiert hat, macht alles nur noch besser. Dazu kommt ein gewohnt phänomenaler Soundtrack durch wählbare Radiosender in mehreren Genres. Wem der Sound nicht passt, greift zu seiner eigenen MP3-Sammlung. Optisch kann der Titel durch die seit drei Jahren kaum veränderte Grafik nur wenig punkten. Lediglich die enorme Sichtweite und die Detailverliebtheit erzeugen gelegentliche Oh- und Ah-Erlebnisse. Auf der anderen Seite ist der Hardware-Hunger dadurch vergleichsweise moderat: Mit einer 1,5 Gigahertz-CPU und einer Radeon 9500 lässt es sich bereits in höheren Auflösungen flüssig spielen. Die untersten Anforderungen gibt Take2 mit 1 Ghz, 256 Megabyte Ram und einer 64-Megabyte-Grafikkarte ab GeForce3 an. Lediglich der Festplattenbedarf ist mit 3,6 Gigabyte verständlicherweise etwas größer. Das Spiel gibt es nur als DVD-Rom.

Fazit

Wer als Liebhaber actionhaltiger Spiele dieses Juwel links liegen lässt, hat selbst Schuld. Selten gab es so viel Spiel für den Euro, und selten hat es so viel Spaß gemacht. Wenn man erst einmal eine phänomenale Massenkarambolage nach der nächsten verursacht hat, fallen jegliche Hemmungen schneller als man will. Der Action-Hammer 2005!

Ole Sumfleth
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