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"Guitar Hero: Aerosmith": 38 Jahre nachgezupft

Schnelle Geldmache mit blinder Fanliebe oder zukunftsweisendes Konzept? Die "Guitar Hero"-Reihe widmet die neueste Ausgabe seiner E-Gitarren-Simulation den Altrockern von Aerosmith.

Die Frage, die sich in erster Linie stellt: Ist das schnelle Geldmache mit blinder Fanliebe oder ein zukunftsweisendes Konzept? Geändert hat sich nämlich am unverwüstlichen Grundprinzip der Aerosmith-Ausgabe von "Guitar Hero" nur wenig.

Während eines Songs wird auf einem Laufband angezeigt, welche Töne - in höheren Schwierigkeitsstufen auch Akkorde - auf der mitgelieferten Plastikklampfe angeschlagen werden sollen. Wird der Einsatz verpasst oder der falsche Ton gespielt, schallt aus den Boxen nur schiefes Schrammeln anstelle der Gitarrenspur - und das Publikum wird missmutig. Die Folge: Das "Rock"-Barometer sinkt ins Bodenlose, "Buh"-Rufe ertönen, im schlimmsten Fall wird der Auftritt abgebrochen. Doch für den Ernstfall gibt es die "Star Power", die man sich durch einwandfreies Spiel verdient und aktivieren lässt, indem man den Hals der Klampfe in Gitarrero-Manier nach oben reißt. Ein Tremolo-Hebel sorgt zudem für das ultimative Verzerr-Feeling.

Gut 40 Tracks haben ihren Weg in das Spiel gefunden, darunter "Sweet Revolution", "Janie's Got a Gun" und "Dream On". Einige Lieder soll die Band sogar extra neu aufgenommen haben. Zum interaktiven Best-of reicht allerdings dann doch nicht. Hits wie "Don't Want to Miss A Thing", "Crazy" oder "Crying" fehlen unverständlicherweise - ebenso eine Download-Funktion, über die sich der prominente Nachschub hätte ordern lassen. Eine weitere Einschränkung: Nicht nicht alle vorhandenen Stücke stammen von Aerosmith - auch andere Künstler wie Lenny Kravitz oder Run DMC, mit denen die Jungs aus New Hampshire im Lauf ihrer 38-jährigen Karriere zu tun hatten, steuern ein Dutzend Tracks bei.

Apropos: Der kometenhafte Aufstieg der Band steht im Mittelpunkt. Angereichert von kurzen Video-Interviews kann der Werdegang von Aerosmith - angefangen beim ersten Auftritt an der Nipmuc Highschool bis hin zum umjubelten Gig beim Superbowl-Finale - nachgezupft werden. Hört sich spannend an, wurde aber nur mit wenig Liebe umgesetzt. Die sechs Kapitel der Legenden-Geschichte laufen stets nach demselben Muster ab, erst gegen Ende erwartet den Spieler ein Gitarren-Battle gegen den Bandspalter und Wiederkehrer Joe Perry. Immerhin wurden die Rockopas dank Motion-Capturing ordentlich animiert. Während wir uns also bei den Riffs die Finger verknoten, reißt Steve Tyler sein riesiges Mundwerk auf und stakst in bester Poser-Rock-Manier über die virtuelle Bühne.

Guitar Hero: Aerosmith

Hersteller/Vertrieb

Neversoft/Activision

Genre

Sonstiges / Besonderes

Plattform

PlayStation2, PlayStation3, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 70 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Dennoch fehlt der Biss: Dem geneigten Fan wird einfach zu wenig fürs viele Geld geboten. Ein etwas umfangreicherer Content-Download hätte vermutlich völlig gereicht. Hoffentlich lassen sich die Macher bei der Metallica-Ausgabe etwas mehr einfallen.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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