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"Hammer & Sichel": Liebesgrüße aus Moskau

Nachkriegszeit 1949: Deutschland ist zerstört, die Welt teilt sich in zwei Blöcke - und der Spieler ist als Geheimagent der Sowjetunion mitten drin.

Die Ausgangslage ist durchaus ungewöhnlich: Statt wie bei den "Commandos" der Pyro Studios auf Seiten der Alliierten vorzugehen, steuert der Spieler in "Hammer & Sichel" einen Spion der kommunistischen Sowjetunion durch das besetzte Westdeutschland. Bei einem Blick auf das Programmierteam verwundert dies jedoch kaum: Nival Interactive hat seinen Sitz in direkt in Moskau.

Leider gelingt es "Hammer & Sichel" nicht, den Spieler in das Setting einzusaugen. Bereits das Intro ist von einer Pianomusik unterlegt, die entweder im Fahrstuhl läuft oder zum Träumen von grünen Wiesen und blauen Seen anregt. Sie kann aber nicht die düstere Nachkriegszeit im vollständig zerstörten Deutschland untermalen. Auch die Geschichte ist schwach ausgefallen. Es ist das große Ziel, den Dritten Weltkrieg zwischen den Blöcken Ost und West zu verhindern. Dabei bedient sich der Held jeder notwendigen Schandtat.

Oftmals beschränken sich Dialoge im Spiel darauf, einfache Anweisungen für den nächsten Einsatz zu geben. Charaktere tauchen kurzzeitig auf, verschwinden dann wieder in der Versenkung. Hier wäre mehr Kontinuität und Spannung vonnöten gewesen, um langfristig zu fesseln.

CDV selbst bezeichnet "Hammer & Sichel" als Rollenspiel. Darunter sollten Käufer jedoch nicht allzu viel erwarten. Es ist in keinster Weise mit Genre-Perlen wie "Baldur's Gate" oder "Gothic" vergleichbar. Die Handlungsfreiheit ist arg beschränkt. Die Locations werden trotz anderweitiger Beteuerungen auf der Verpackung relativ linear angesteuert. Es gibt kaum interessante Figuren, die den Spion wider Willen durch die Geschehnisse begleiten oder komplexe Aufgabenstellungen bereithalten. Allenfalls die Charakterentwicklung weist RPG-Parallelen auf. Zu Beginn darf ein Alter Ego entweder erstellt oder aus vorgefertigten Figuren ausgewählt werden: Soldat, Scharfschütze, Grenadier oder Späher. Dessen Eigenschaften wie Stärke, Geschicklichkeit und Intelligenz müssen ausgebaut werden, ebenso kann er diverse Spezialfähigkeiten erlernen.

Im Zentrum von "Hammer & Sichel" stehen aber nicht so sehr Handlung und Rollenspielelemente, sondern die taktischen Kämpfe gegen die Alliierten. Das Geschehen schaltet dann in einen Rundenmodus. Jede Handlung kostet Aktionspunkte. Was in Spielen wie "Jagged Alliance 2" und "Incubation" toll funktioniert hat, ist in "Hammer & Sichel" leider sehr halbherzig umgesetzt. Während die Geschicke der eigenen Einheiten gut steuerbar sind, versagt die künstliche Intelligenz am laufenden Bande. Der Computer versetzt seine Soldaten auf unsinnige Art und Weise. Oft geraten diese gar ins Feuer der eigenen Truppen. Trotzdem sind die Kämpfe lang und schwer. So ein Scharmützel kann schon einmal bis zu einer vollen Stunde dauern. Verabschiedet sich der Held ins Jenseits, muss neu gestartet werden. Frustrierend.

Hammer & Sichel

Hersteller/Vertrieb

Nival/CDV

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Aufgrund der spielerischen Mängel empfiehlt sich "Hammer & Sichel" trotz des viel versprechenden Szenarios leider nur als Tipp für geduldige Genre-Liebhaber, zumal die audiovisuelle Präsentation trotz netter Tag- und Nachtwechsel nicht mehr up-to-date ist.

Christian Pfeiffer/Teleschau / TELESCHAU