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Erste Festnahme Ließ Kim Jong Un seinen Halbbruder in aller Öffentlichkeit hinrichten?

Kim Jong Nam
Späte Rache am Halbbruder: Kim Jong Nam soll vom nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un ermordet worden sein.
© Picture Alliance
Es ist ein Attentat, wie aus einem Agenten-Thriller: Offenbar hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un seinen verstoßenen Halbbruder am Flughafen von Kuala Lumpur ermorden lassen. Eine Verdächtige wurde bereits festgenommen.

Hat der nordkoreanische Diktartor Kim Jong Un seinen verstoßenen Halbbruder Kim Jong Nam am Flughafen von Kuala Lumpur von zwei Agentinnen ermorden lassen? In Malaysia spielt sich derzeit ein Attentatskrimi ab, den Hollywood kaum besser schreiben könnte. Wie die Polizei von Kuala Lumpur nun bekannt gab, wurde in dem Zusammenhang mit dem Mord an Kim Jong Nam eine Tatverdächtige mit vietnamesischem Pass festgenommen. Die Frau sei noch am Flughafen von Kuala Lumpur in Gewahrsam genommen worden. Sie wurde offenbar anhand von Überwachungsaufnahmen identifiziert.

Die malaysischen Behörden untersuchen derzeit die Umstände des Attentats. Die Polizei begann mit der Auswertung der Überwachungskameras am Flughafen von Kuala Lumpur, wo Kim Jong Nam getötet wurde. Südkoreanische Medien hatten berichtet, dass der 45-jährige Kim in Malaysia getötet wurde. Demnach wurde er von zwei nordkoreanischen Agentinnen vergiftet, die danach entkamen. Die Polizei in Malaysia bestätigte zunächst den Tod eines Koreaners am Flughafen, ohne etwas zu dessen Identität sagen zu können. Allerdings reiste Kim unter falschem Namen.

Mutmaßliche Attentäterin
Überwachungsaufnahmen vom Flughafen Kuala Lumpur sollen die mutmaßliche Attentäterin zeigen
© YNA/DPA

Am Gesicht gepackt und mit Flüssigkeit besprüht

Nun bestätigte die südkoreanische Führung die Medienberichte. "Unsere Regierung ist sich sicher, dass der ermordete Mann Kim Jong Nam ist", sagte ein Sprecher des Vereinigungsministeriums. Kim ist der ältere Halbbruder von Machthaber Kim Jong Un, beide haben denselben Vater, den früheren Machthaber Kim Jong Il.

In Malaysia bemühten sich die Ermittler um Aufklärung, wie der von Leibwächtern begleitete Kim am Montagmorgen am Flughafen einem solchen Attentat zum Opfer fallen konnte. Die Leiche des 45-Jährigen wurde unter Polizeischutz in ein Krankenhaus in Kuala Lumpur gebracht und sollte dort obduziert werden. Berichten zufolge benutzten die Angreiferinnen möglicherweise präparierte Nadeln.

Einer der Chefermittler sagte laut der malaysischen Zeitung "The Star", Kim habe sich an das Flughafenpersonal gewandt und gesagt, jemand habe ihn von hinten am Gesicht gepackt und mit Flüssigkeit besprüht. Dann habe er um Hilfe gebeten und sei ins Flughafenkrankenhaus gebracht worden. Er habe über Kopfschmerzen geklagt und fast das Bewusstsein verloren. Auf dem Weg in eine andere Klinik starb er.

Pjöngjang feiert Geburtstag von Kim Jong Il 

Kim Jong Nam ist der ranghöchste Todesfall unter Kim Jong Uns Herrschaft seit der Hinrichtung seines Onkels Jang Song Thaek wegen angeblichen Verrats im Dezember 2013. Südkoreas amtierender Präsident Hwang Kyo Ahn hatte kurz vor der Bestätigung der Identität Kim Jong Nams gesagt, sollte sich der Mordvorwurf erhärten, wäre dies "ein Beispiel für die Brutalität und die unmenschliche Natur des nordkoreanischen Regimes".

In Pjöngjang begannen unterdessen die Feierlichkeiten für den Geburtstag von Kim Jong Il am Donnerstag, ohne dass der Tod des Familienmitglieds Erwähnung fand. Rund 3000 uniformierte Regierungsvertreter und Frauen in traditioneller Kleidung kamen zu einer Gala zusammen. Auf Schildern stand "Frieden", "Unabhängigkeit" und "Freundschaft".

Kim Jong Nam bat Diktator um Gnade

Kim Jong Nam, einst Chef der Gegenspionageabteilung der Geheimpolizei, galt lange als möglicher Nachfolger seines Vaters. Offenbar überwarf er sich aber mit ihm nach einem Versuch, 2001 mit gefälschten Papieren nach Japan zu reisen. Seitdem lebte er im Ausland, die meiste Zeit davon in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao.

Nach Angaben südkoreanischer Parlamentarier versuchte der Norden 2012 schon einmal, ihn zu töten. Daraufhin habe Kim Jong Nam seinen Halbbruder in einem Brief um Gnade für sich und seine Familie gebeten. Er habe dabei auch betont, dass er keine Gefahr für Kim Jong Un darstelle und im Norden kaum politische Unterstützung habe.

Park Chan-Kyong/AFP

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