"Leisure Suit Larry 8" Die Rückkehr des Liebeslosers

Er ist wieder da: Leisure Suit Larry, der größte Loser in Liebesdingen, zieht in seinem achten Computerabenteuer auf dem Campus einer US-Uni ein, um 15 großbrüstigen Studentinnen Anschauungsunterricht in männlicher Potenz zu geben.

1987 war es so weit. Das Spiele-Label Sierra legte das erste Abenteuer von "Leisure Suit Larry" vor. Unvorstellbar, aber wahr: Held des Spiels war ein mickriger, pomadiger Möchtegern-Liebhaber, der in den beschmierten Toiletten mieser Bars, in rot beleuchteten Striptease-Schuppen und in heruntergekommenen Hotelzimmern auf der ständigen Suche nach der schnellen Nummer war. Millionen pickliger Computer-Jungs stürzten sich begeistert auf das pixelige Sexabenteuer und unternahmen alles, um Larry so schnell wie möglich durch die Eingabe von Textbefehlen zum virtuellen Stich kommen zu lassen. Umso schlimmer war dann nach der gelungenen Nummer der Schock, wenn das Pixelmännchen noch im Hotelzimmer eines gräulichen Todes verstarb - weil der Spieler vergessen hatte, seinem Helden vor dem Sex ein Kondom überzustreifen. Safer Sex spielte eben schon Ende der Achtziger eine wichtige Rolle. Kurzum: Viele im wahren Leben ungeliebte Nerds konnten dank Larry wenigstens am Bildschirm eine Beziehung zum anderen Geschlecht knüpfen. Die vielen sexuellen Andeutungen, die lustigen Grafiken und natürlich auch die coolen Sprüche machten Larry schnell zum Kult. Immer neue Fortsetzungen wurden in den Neunzigern veröffentlicht, natürlich immer wieder in einer rundherum verbesserten Grafik und mit noch mehr schön anzusehenden Cyber-Püppchen.

Sex auf dem Campus

Nach viel zu vielen Jahren der Pause kommt nun das achte hormontrunkene Abenteuer von "Leisure Suit Larry" auf den Markt - was eigentlich erst das siebte ist, weil die Serie aus organisatorischen Gründen eine Ziffer übersprungen hat. Im neuen Liebesabenteuer trifft der Spieler nicht mehr auf Larry Laffer, der ja inzwischen ein alter Viagra-lutschender Zausel sein dürfte, sondern lernt dessen noch taufrischen Neffen Larry Lovage kennen. Der trägt allerdings das gleiche dusselige runde Gesicht mit den Geheimratsecken spazieren, ist ebenfalls zwei Köpfe zu klein geraten und kleidet sich nur allzu gerne in kitschig weiße Anzüge aus Polyester.

Was hat ein solcher Milchbubi am Walnut Log Community College verloren? Klarer Fall: Da auch Larry Lovage mit der überkochenden Libido eines röhrenden andalusischen Stiers ausgestattet ist, möchte er gerne eins der großbrüstigen, schlanken College-Girls in die grabbeligen Finger bekommen, die sich in viel zu kurzen Höschen und viel zu engen T-Shirts auf dem Campus aufhalten. Einmal mehr garantiert das Spiel peinliche Sprüche am laufenden Band, schlüpfrige Szenen en masse und sexuelle Verwicklungen, mit denen ansonsten wohl nur Jürgen Domian in seiner TV-Beratungssendung konfrontiert wird.

Dem Spieler gebührt die Aufgabe, die sexuell besessene Spielfigur dorthin zu führen, wo es wirklich weh tut. Etwa in die erotische Datingshow "Swingles", die an Larrys Universität zu Gast ist. Hier sucht Larry nach seinen 15 Minuten Peinlichkeit im Lichte der Öffentlichkeit. Der Spieler muss Larry aber auch dabei helfen, mit der Wasser-Pumpgun einen Miss-Wet-T-Shirt-Contest zu boykottieren oder beim Wettfurzen einen Türwächter schachmatt zu setzen. Ob Larry auf diese Weise bei den 15 Mädchen landen kann, die ihm das neue Spiel auf die Bettkante setzt?

Das neue Larry-Spiel bietet eine bunte 3D-Grafik auf dem Stand der heutigen Technik. Das Spiel hebt sich technisch also noch einmal deutlich von seinen Vorgängern ab.

Spermien-Slalom

Bei der Steuerung lässt sich nicht viel verbessern, wenn das Programm auf einem klassischen Adventure aufsetzt. Und so lässt sich Larry wie gehabt mit der Maus durch die 25 Schauplätze im Spiel steuern. Unterwegs ist es möglich, Gegenstände genau unter die Lupe zu nehmen, um sie einzusammeln, mit anderen Dingen zu kombinieren oder gleich zu benutzen. Mit allen im Parcours hin und her laufenden Figuren kann Larry natürlich auch sprechen, dabei kommt ein völlig neues Flirtsystem zum Einsatz: Der Spieler steuert ein wuseliges Spermium über einen eingegrenzten Bildschirmbereich. Je mehr "gute" Icons das Spermium dabei berührt, umso besser verläuft das aktuelle Gespräch in Larrys Sinn. Dann säuselt er der grauen Maus ins Ohr, dass die Wale unbedingt gerettet werden müssen. Und er erzählt der Campuszicke, wie unglaublich schön und sexy sie doch aussieht. Erwischt der Spieler mit vor Aufregung zitternden Fingern allerdings die "bösen" Icons, so erzählt Larry den größten Quatsch der Welt - und darf sich in der Folge nicht wundern, wenn er sich eine Schelle fängt.

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude

Hersteller/Vertrieb

Sierra/Vivendi

Genre

Action-Adventure

Plattform

PC, PS2, Xbox

Altersfreigabe

keine Jugendfreigabe

Offizielle Website

who-is-larry

Die Entwickler haben keine Mühe gescheut und das neue Spiel mit 90.000 Wörtern gesprochenem Text ausgestattet. In Deutschland hat die Produktionsfirma Brainpool ("TV Total", "Anke Latenight") die Übersetzung des Spiels in die eigenen Comedy-erprobten Hände genommen. Bei der Übersetzung wurden die Sprüche von Larry auch gleich noch an den deutschen Humor angepasst. Noch besser: Im deutschen Spiel wird Larry von Oliver Pocher ("Rent a Pocher" bei Pro 7) gesprochen, der natürlich genau die richtige Stimme und auch den passenden Humor für diese Figur hat.

Gutes und Schlechtes

Gut ist bei "Magna Cum Laude", dass das Spiel die Campus-Kulisse optimal auszureizt. Da bekommt Larry schon einmal Stress mit seinem Professor, säuft mit seinen Kumpeln zu viel Bier oder bekommt beim ersten Flirt mit einem schönen Mädchen einen knallroten Kopf. Und spätestens, wenn beim Abenteuer mit dem scharfen Mädchen aus der Abschlussklasse etwas "klemmt", würde der Spieler dem armen Bildschirm-Tollpatsch nur allzu gerne zur Seite springen und ihn vor den Widrigkeiten des Lebens beschützen.

Nicht gut sind allerdings die zwölf Minigames, die im Larry-Spiel verborgen sind. Hier wurden wirklich die allerältesten Kamellen wie das sattsam bekannte Bierthekenspiel, das Trampolinspringen oder das Maulwurfhämmern neu interpretiert. Sicherlich hätte man hier zeitgemäßere und vor allem erotischere Spiele finden können. So kann sich der Spieler das große Gähnen nicht verkneifen - und bricht die Spielchen schnell wieder ab, um lieber jedem Pixelrock hinterherzuklicken, der im "normalen" Spiel über den Bildschirm flaniert.

Carsten Scheibe

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