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"Sega Mega Drive Collection": Kunst und Krempel

Sega plündert mal wieder das Archiv und veröffentlicht eine weitere Spielesammlung. Zugegeben, eine recht kultige ...

Spieler, die Wert auf State-of-the-Art-Grafik legen, werden sich über diese Traditionalisten ebenso wundern wie Besitzer brandneuer Supersportwagen über Oldtimer-Fans, die vom Zerfall bedrohte Autos lenken. Dass es noch immer einen Markt für Retro-Kollektionen gibt, beweisen die zahlreichen Veröffentlichungen dieser Art. Capcom, Atari, Activision, EA, Konami, Namco, Taito - nahezu jeder altehrwürdige Hersteller hat bereits eifrig im Archiv gewühlt. Keiner scheint dabei aber so fündig wie Sega geworden zu sein. Nun also die "Mega Drive Collection" für PS2 und PSP.

Als die neue Spielekonsole der Japaner die 90-er einläutete, sollten die Wörter "Mega" und "Drive" die technische Überlegenheit der 16-Bit-Technologie signalisieren, welche die 8-Bit-Konsolen ablöste. Aus heutiger Sicht entbehrt dies freilich nicht einer gewissen Komik, wenn man die Daten der japanischen Spielemaschine betrachtet: Die CPU war mit 7,67 MHz getaktet, der Arbeitsspeicher 64 Kilobyte groß. Zum Vergleich: Der Hauptprozessor der PS3 spurtet mit 3,2 GHz und hat einen Arbeitsspeicher von 256 Megabyte.

Auch wer nie das Vergnügen hatte, den Original-Mega-Drive zu testen, kann sich ausrechnen, wie steinzeitlich Games aus dieser Ära wirken. Dennoch will die Spiele-Sammlung sowohl Zeitzeugen eine Schatztruhe voller wehmütiger Jugenderinnerungen schenken als auch neue Retro-Fans gewinnen, denen originelle Spielideen wichtiger sind als Top-Optik und kristallklarer Sound.

Wer also zu faul ist, die Konsole im Keller unter Schichten von Staub, Spinnweben und alten Möbeln auszugraben, wird zu schätzen wissen, dass Segas Sammlung mehr Spielspaß auf einer DVD (beziehungsweise UMD) beherbergt, als auf 30 Modulen Platz fanden. Damit bietet die Kollektion die umfassendste Sammlung von Kunst und Krempel aus der langen und erfolgreichen Unternehmensgeschichte zu einem fairen Preis.

Da darf natürlich der erfolgreichste Titel der 16-Bit-Maschine nicht fehlen: "Sonic the Hedgehog", der zusammen mit seinem Nachfolger hier verewigt wurde. Mit "Ecco the Dolphin", "Ecco II" und "Ecco Jr." ist ein weiteres zur Kultfigur avanciertes Pixel-Tier vertreten. "Virtua Fighter 2" ist ein legendäres Beat'em-Up. Ebenso erinnerungswürdig sind Games wie "Shinobi III: Return of the Ninja Master", "Golden Axe I-III", "Phantasy Star II-IV" oder "Alex Kidd In The Enchanted Castle". Wahre Spiele-Archäologen freuen sich über freischaltbare Boni mit Hintergrundinfos - beispielsweise Interviews mit den Programmierern.

Sega Mega Drive Collection

Hersteller/Vertrieb

Backbone Entertainment/Sega

Genre

Spielesammlung

Plattform

PlayStation2, PSP

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Natürlich ist nicht jeder Titel aus dieser Sammlung auch heute noch erträglich. Bei vielen dürfte die Motivation nach ein paar flüchtigen Begegnungen auf Null sinken und bei manchen reicht es gar nur für einen kurzen Kuriositätenbonus. Trotzdem: Das Gros der Titel ist auch heute noch fesselnd und überzeugt durch Grafik und Ideen, die ihrer Zeit voraus waren. Eines dieser Goldstücke ist "Vector Man", der mitsamt der Fortsetzung vertreten ist. Angesichts von Spielen wie diesem zeigen vielleicht sogar manche Next-Gen-Gamer Verständnis für die Freaks, die voller Leidenschaft im Flohmarkt der Games-Geschichte wühlen.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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