"Silent Hunter IV" Schöner tauchen im Pazifik


Ist eine "schöne U-Boot-Simulation" ein Widerspruch in sich? Keineswegs. "Silent Hunter IV" sieht aus wie ein Schlachtengemälde im Büro eines Admirals. Jedenfalls wenn man viel, sehr viel Arbeitsspeicher hat.
Von Henry Lübberstedt

Von Dezember 1941 bis 1945 tobte im Pazifik die größte Seeschlacht der Geschichte. Die Flotten Japans und der USA lieferten sich erbitterte Gefechte von der Bering See bis zum Indischen Ozean. Etwa zwischen den Inseln Guadalcanal, Savo Island und Florida Island. Dort sanken so viele Schiffe, dass der magnetische Kompass in diesem Gebiet nicht mehr zuverlässig funktioniert.

Es war aber auch die große Stunde einer von beiden Seiten bis dahin unterschätzten Waffengattung: der U-Boote. In Silent Hunter IV schlüpft der Spieler in die Rolle eines U-Boot-Kommandanten der US-Navy. Als solcher wird er nicht nur Schiffe auf den Meeresboden schicken, sondern auch Piloten aus Seenot retten, Agenten an Japans Küsten absetzen und feindliche Häfen ausspionieren. Schon diese Sonderaufträge heben Silent Hunter wohltuend von anderen U-Boot-Simulationen ab.

In Zeiten schwacher Rechner waren U-Boot-Spiele für Entwickler das perfekte Thema. Schließlich mussten sie nicht viel simulieren. Das Alter Ego des Spielers saß lauschend in seiner dunkeln Stahlröhre und blickte nur ab und an durch ein winziges, einäugiges Fernglas nach draußen. Und da sah er war dann auch nichts weiter als das weite, weite Meer und gelegentlich ein paar Schiffe. Damit ist spätestens jetzt Schluss. Der französische Publisher Ubisoft hat mit "Silent Hunter IV" eine Simulation wie ein Schlachtengemälde geschaffen.

Nie war Schiffe versenken schöner: Gut zwanzig japanische und amerikanische Kriegsschiffe liefern sich eine verbissene Seeschlacht. Kreuzer und Zerstörer beharken sich gegenseitig, Flugzeuge stürzen sich auf die jeweils gegnerischen Schiffe, Piloten abgeschossener Bomber baumeln am Fallschirm, Schiffsbesatzungen rundern in Rettungsbooten von ihren sinkenden Pötten, brennende Kriegsschiffe ziehen hunderte Meter lange Rauchschwaden hinter sich her. Und mitten drin schleicht sich ein amerikanisches U-Boot der Gato-Klasse nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche an sein Opfer. Das Sonnenlicht wirft tanzende Schatten auf den grauen Bootsrumpf, Algenreste behindern die Sicht.

Der Tod ist untersimuliert

Mit einer frei schwebenden Außenkamera kann der Spieler durch die Grafikpracht des Schreckens fahren. Wer den Schwierigkeitsgrad auf 100 Prozent stellt, muss auf die Kamera verzichten. Da bleibt nur das Periskop und der Blick von Turm. Je nach Geschmack lässt sich Silent Hunter IV als Action-Shooter oder Hardcore-Simulation spielen. Es gibt ebenfalls einen Mehrspielermodus via Internet.

Vor allem Deutsche lieben knochenharte U-Boot-Simulationen, weiß Ubisoft. Der Vorgänger Silent Hunter III verkaufte sich 300.000 Mal allein in Deutschland. Ein für das häufig totgesagte Genre hervorragendes Ergebnis. In doppelter Hinsicht. Treuere Kunden als Simulationsfans kann sich ein Unternehmen nicht wünschen. Sie betreiben eigene Webseiten, diskutieren dort zum Teil auf höchsten militärhistorischem Niveau, und verbessern jahrelang mit eigenen, aufwändigen Programmen die Simulation. Und vor allem: Sie sind selten Raubkopierer.

Ubisoft hat die internationale Fangemeinde daher bei der Entwicklung von Silent Hunter IV eingebunden. Dem Entwicklerteam in Rumänien stand so eine kleine Armee von Helfern zur Verfügung, die technische Unterlagen aus aller Welt besorgte und die Rumänen mit viel Detailwissen beriet. Die US-Werften sollen außerordentlich Misstrauisch gewesen sein, als eine rumänische Firma Baupläne amerikanischer U-Boote kaufen wollte – selbst wenn diese über 60 Jahre alt sind.

Kaum im Laden schon gepatcht

Umso erstaunlicher sind die vielen kleinen Fehler im fertigen Spiel. Da stehen 1941 Flugzeuge auf US-Flugzeugträgern, die erst Ende 1943 in Dienst gestellt wurden, kurven britische Bomber mit US-Hoheitszeichen am Himmel, die es so nie gegeben hat. Die aufwändig gestaltete Inneneinrichtung der U-Boote ist schön anzuschauen, spielerisch ist sie jedoch nutzlos. Kaum ein Instrument lässt sich per Maus bedienen. Die Reichweiteneinstellung der Deckgeschütze funktioniert häufig nicht korrekt. Die künstliche Intelligenz der gegnerischen Schiffe ist stellenweise besorgniserregend niedrig. So sind japanische Zerstörer manchmal so eifrig bei der U-Boot-Suche, dass sie sich ineinander verkeilen.

Ubisoft wusste um diese Fehler offenbar sehr genau. Kaum lag das Programm diese Woche in den Regalen wurde bereits ein Patch nachgereicht. Er behebt nicht nur Fehler, sondern liefert komplette Programmteile nach, die augenscheinlich nicht mehr rechtzeitig zum Verkaufstart fertig geworden sind. Leider eine mittlerweile gängige Praxis bei Spielen für den PC.

Eines behebt der Patch jedoch nicht: den immensen Speicherhunger von Silent Hunter IV. Ein Gigabyte ist Minimum, zwei Gigabyte sollten es sein. Wer Windows Vista hat, sollte besser über noch mehr Platz verfügen. Aufrüsten ist derzeit eine teure Angelegenheit, Speicher ist so teuer wie seit über einem Jahr nicht mehr.


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