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"Sinking Island": Das Wasser bis zum Hals

Ein Mord auf einer einsamen Insel. Zehn Verdächtige und keiner kann weg. Detektiv Jack Norm macht sich nach alter Agatha-Christie-Manier auf die Suche nach dem Übeltäter.

Nach der Hybris der tiefe Fall: Eigentlich wollte sich der Milliardär Walter Jones auf der abgelegenen Malediven-Insel Sagorah mit einem monumentalen Hotel-Tower noch zu Lebzeiten ein Denkmal setzen. Doch dann ereilt ihn noch vor der Fertigstellung des Bauwerks ein unrühmliches Ende. Jones scheint mit dem Rollstuhl von der Klippe gestürzt zu sein. Doch bei näherer Betrachtung erweisen sich die Umstände des Todes als ziemlich mysteriös. Damit nicht genug: Die Insel Sagorah droht im Meer zu versinken und wird im Lauf des Abenteuers tatsächlich ein Raub der Fluten. Detektiv Jack Norm hat also nur drei Tage Zeit, das Verbrechen aufzuklären.

Alle nahen Verwandten und engen Vertrauten des toten Tycoons halten sich zur Tatzeit auf der Insel auf - und jeder hätte ein Motiv für den Mord. Norm untersucht die Fundstelle der Leiche, findet den abgebrochenen Fingernagel einer Frau. Er befragt alle zehn Personen, die in den Fall involviert sein könnten: Jones-Tochter Sonja, den Staranwalt Hubert de Nolent, die Ureinwohnerin Baina, der es nach dem Tod des Milliardärs die Sprache verschlagen hat ...

Während seiner Ermittlungen ist Norm viel unterwegs und legt nervig lange Strecken zu Fuß zurück - durch zugegebenermaßen wunderschön gestaltete Art-Deco-Schauplätze mit berückendem Südsee-Flair. Neben den ziemlich umfangreichen Zeugenbefragungen sucht der Detektiv jede Örtlichkeit akribisch nach Beweismitteln ab. Die Suche nach dem Pixel feiert hierbei wieder einmal fröhliche Urständ.

Zeugenaussagen, Indizien und Fundstücke werden im PPA (Personal Police Assistant) genannten Inventar gesammelt und miteinander in Beziehung gesetzt. Auf diese Weise erhält man im Lauf der Zeit immer mehr Antworten auf Norms Ermittlerfragen und die Schlinge um den Mörder zieht sich allmählich zu ...

Sinking Island

Hersteller/Vertrieb

White Birds/Daedalic Entertainment

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

"Sinking Island" ist ein klassisches Point&Click-Adventure, das sich "normal" in aller Ruhe oder unter Zeitdruck spielen lässt - es bleibt allerdings fraglich, ob Puzzle-Freaks beim Knobeln freiwillig gegen die Uhr antreten wollen. Grafisch opulent, mit geschmackvoll dezenter Sounduntermalung und guten Synchronstimmen versehen, wird die Kriminalgeschichte um den Mord auf der Insel solide präsentiert. Kleinere Logikfehler bei den Rätseln nimmt man hierbei dann auch in Kauf. Denn nach wie vor haben PC-Abenteuer mit Storys abseits der ausgetretenen Pfade, plastischen Charakteren und intelligenten Dialogen Seltenheitswert. Wer Thriller in typischer Agatha-Christie-Tradition liebt, wird auf der versinkenden Insel gut unterhalten.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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