HOME

"Stronghold 2": Karriere beim Burgen-King

Wer will an der Gartenlaube hämmern , wenn er ganze Burgen bauen kann? Das Strategiespiel "Stronghold 2" erfüllt diesen Wunsch - und bietet dem Burgherrn zwei verschiedene Karrierechancen.

"Stronghold 2" stellt die Spieler vor die Gewissensfrage: Soll man die Mittelalter-Simulation auf dem Weg des Friedens oder auf dem des Krieges betreten? Wer das Burgfräulein zum Tanzen und das Bier in der Schenke zum Überlaufen bringen will, kann sich ganz beschaulich in das Burgleben auf dem PC-Bildschirm vertiefen. Wer aber lieber Berserker wüten lässt oder mit Sturmböcken gegen eine fremde Burg anrennt, kann es auch ganz martialisch haben.

Von wegen idyllisches Landleben

Auf beiden Wegen lässt sich "Stronghold 2" in unterschiedlichen Kampagnen mit einer gezielten Aufgabenstellung betreiben. In der "Sim-Kampagne" muss man dem König helfen, das Land aufzubauen. Hier präsentiert sich das Spiel als Wirtschaftssimulation mit Produktionsweisen, wie man sie auch auf den beliebten Mittelalter-Festen erleben kann. Wenn die richtigen "Gebäude" wie Obstgärten, Fischteiche und Kornspeicher angelegt werden, kommt die Konjunktur in Fahrt, und die Bevölkerung wächst. Haben die Arbeiter genug Bier, steigt auch die Zufriedenheit - die Grundlagen dafür werden mit dem Hopfenanbau und der Errichtung von Brauereien und Schenken gelegt. Fehlende Güter können auf dem Marktplatz eingetauscht werden. Von der Schatzkammer schwärmen die Steuereintreiber aus, die Höhe des Steuersatzes sollte mit Blick auf die Zufriedenheit der Einwohner mit Bedacht gewählt werden.

Richtig romantisch wird es, wenn man um die Hand des Burgfräuleins anhält. Der Spieler richtet der schönen Maid im Junggesellenschloss ein Schlafgemach ein und hält sie mit Tänzen bei Laune. Da sie sich insgeheim nach dem Leben bei ihrem Vater sehnt und auch sonst ihre Zicken hat, ist das gar nicht so einfach. Ein fürsorglicher Burgherr wird daher auch Minnesänger und Hofnarren einstellen.

"Stronghold 2"

Hersteller/Vertrieb

Firefly Studios/Take2

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Krieg ist teuer

Die kriegerische Kampagne "Königsmacher" schickt die Spieler in einen Kampf um die Krone, in dem sie sich gegen verschiedene Gegner behaupten müssen. Hier ist man ständig damit beschäftigt, Bauern für den Kriegsdienst zu verdingen und die erforderlichen Waffen für die unterschiedlichen Arten von Soldaten zu beschaffen. Zur Not kann man einen Bauern auch mit einer Heugabel in den Kampf schicken, sinnvoller ist aber die Ausbildung zu Bogen- oder Armbrustschützen. Weil das alles viel Geld kostet - vor allem die Ausbildung von Rittern verschlingt große Summen -, muss man auch im kriegerischen Modus darauf achten, dass die Wirtschaft gut läuft. Noch teurer als die Standardeinheiten sind Söldner. Axtwerfer, Berserker oder Vogelfreie haben jedoch den Vorteil, dass sie ihre Waffen gleich mitbringen.

Die Einheiten werden in breiter Front gegen einen feindlichen Burgherrn geworfen. In den wild wogenden Schlachten geht manchmal der Überblick verloren, und es dauert einige Zeit, bis man die beste Strategie für sich gefunden hat. Wie in ähnlichen Spielen können die eigenen Einheiten in Gruppen zusammengefasst werden, die dann alle den gleichen Befehl ausführen. Angreifer können mit kochendem Pech, mit Brandpfeilen, mit heimtückischen Grubenfallen oder einer Vielzahl weiterer Methoden abgewehrt werden.

Foltern ist Pflicht

Natürlich dürfen in Stronghold 2 auch nicht die Mittelalter-Klischees grausigster Strafmaßnahmen fehlen. So lässt sich in der Burg ein Gerichtsgebäude bauen, in dem Straftäter mit allen Finessen gefoltert werden. Das fängt beim Pranger an, steigert sich dann vom Tragen einer Eselsmaske über das Einsperren im Käfig bis hin zu Peitschpfosten, Streckbank, Brandpfahl und Galgen. Fragwürdig wird das Spiel mit der Folter, wenn der Spieler aufgefordert wird: "Setzen Sie ein Zeichen, damit der Verbrecher beim nächsten Mal richtig nachdenkt." Die teilweise beanspruchte Orientierung an der historischen Wirklichkeit wird aufgegeben, wenn im Kloster auf einmal "Kampfmönche" auftreten.

Der erste Patch liegt bei

Drei Jahre nach dem Vorläufer des Mittelalter-Spiels wurde für Stronghold 2 vor allem die Grafik umfassend überarbeitet. Bei ausreichendem Arbeitsspeicher - empfohlen werden mindestens 512 MB - entwickelt sich die Szenerie in feinsten Details. Entwickelt wurde das Windows-Spiel (ab 98) in den Firefly Studios des Spieldesigners Simon Bradbury. Für die fließende Darstellung des Geschehens sollte der Prozessor eine Taktrate von mindestens 1,4 Gigahertz haben. Bei der Grafikkarte genügt bereits eine Geforce2 MX oder ein vergleichbarer Chip. Das Spiel wird bereits mit einer zusätzlichen Upgrade-CD ausgeliefert, so dass der sonst vielfach übliche Download des ersten Software-Patches entfällt.

Peter Zschunke/AP / AP
Themen in diesem Artikel