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"The Secrets of Atlantis: Das Heilige Vermächtnis": Ein Trenchcoat macht noch keinen Bogart

So wie Wissenschaftler und Träumer nach Atlantis forschen, suchen ein paar Spiele-Entwickler in Frankreich seit mehr als zehn Jahren nach gutem Gameplay - bislang ohne großen Erfolg.

Howard Brooks wäre so gerne Humphrey Bogart oder Harrison Ford als Indiana Jones, wie die Mädels von Monrose wahrscheinlich gern Madonna wären. Doch Outfit und ein bisschen zur Schau gestellte Coolness allein machen halt noch keinen echten 30er Jahre-Helden. Brooks reist mondän im legendären Luftschiff "Hindenburg" und besucht von New York aus aufregende Landstriche wie Indien, China oder Mesopotamien. Er begegnet dabei anderen coolen Trenchcoat-Typen und kurvigen Greta-Garbo-Verschnitten - Zutaten, die genug Stoff für ein stimmungsvolles Abenteuer bieten sollten.

Doch "Das Heilige Vermächtnis" scheitert wie all seine Vorläufer letztlich an der schwachen Umsetzung. Mag die Story noch faszinieren, wirken die Charaktere hölzern, die Sprachausgabe gelangweilt und die Puzzles von abgedroschen bis nervig. Die Handlung entwickelt sich recht linear und mit dem Tunnelblick eines harten Mannes löst man streng ein Rätsel nach dem anderen. Mal bringt Brooks den Zeppelin-Antrieb wieder auf Vordermann, dann wieder werden Gegenstände im Inventar miteinander kombiniert oder Schieberätsel gelöst. Wie schon in "Lost Tales" spucken einem da auch mal lästige Wachen in die Suppe und sorgen dafür, dass man ein und dieselbe Sequenz unnötigerweise x-mal von vorne beginnt.

Grafisch vertraut "Das Heilige Vermächtnis" wieder ganz auf annähernd fotorealistische Locations im 360-Grad-Rundumblick. Gegenstände verfrachtet man per Point&Click-Interface in die Manteltasche, auf der Suche nach Clues hangelt man sich mit der Maus durch teilweise recht banale Sprechblasen-Dialoge. Die Bedienung ist demnach kinderleicht und stellt auch Einsteiger vor keine größeren Probleme.

The Secrets of Atlantis: Das Heilige Vermächtnis

Hersteller/Vertrieb

Atlantis Interactive Ent./Nobilis

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ohne Altersbeschränkung

Trotzdem sollten auch Neulinge sich für ihren Einstieg ins Adventure-Genre lieber einen anderen Titel auswählen, denn beim "Heiligen Vermächtnis" will der Funke angesichts der halbgaren Präsentation einfach nicht überspringen. Alles wirkt in diesem Spiel steril, unpersönlich und irgendwie lustlos. Das Atlantis des Gameplays bleibt zumindest für Brooks' Schöpfer weiter unentdeckt.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU