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"Tomb Raider: Underworld": Lara auf den Spuren des Donnergottes

Das Comeback von Lara Croft ist der Hammer. Das darf man in diesem Fall doppeldeutig verstehen. Das neueste Abenteuer der berühmtesten Archäologin der Spielegeschichte sieht toll aus, ist rundum gelungen - und bietet nie gesehene Bilder aus der nordischen Mythologie.

Im Vorspann bewegt sich Lara Croft mit finsterer Mine auf den Spieler zu, während im Hintergrund ihr Familiensitz abfackelt. Ein dunkler Vorgeschmack auf die kommenden Ereignisse. Um herauszufinden, wie es soweit kommen konnte, muss der Spieler die Action-Archäologin eine ganze Weile durch ihre Abenteuer rund um den Globus begleiten - von den Tiefen des Mittelmeers über Thailand durch den Urwald Mexikos bis zur Arktis. Lara ist auf der Suche nach ihrer Mutter und nach dem sagenumwobenen Hammer des Donnergottes Thor. Ohne zu viel über die ebenso mythische wie leicht abstruse Story verraten zu wollen: Mit dem, was Lara vor hat, gefährdet sie das Schicksal der Menschheit.

Wie beim Vorgängern "Tomb Raider Legend" und dem Jubiläums-Remake "Anniversary" zeichnet das Studio Crystal Dynamics verantwortlich. Und das hat gute Arbeit geleistet. Ob eine Spielegrafik das Qualitätsurteil State-of-the-Art verdient, lässt sich leicht herausfinden: Hält man mitten im Geschehen immer wieder inne, um die Umgebung so genau zu inspizieren wie ein Museumsbesucher ein Gemälde, ist der Test bestanden. Beim neuen "Tomb Raider" bleibt man oft stehen und schwenkt nur mit der Kamera hin und her ...

Perfekte Atmosphäre

Vor allem in den ersten Minuten schaut man sich verzückt alles ganz genau an. Von der beeindruckenden Tempelarchitektur und dem üppigen Dschungel-Dickicht, über Dreck und Wasser, die sich auf Laras Kleidung abzeichnen (den Effekt kennt man aus dem PS3-Spiel "Uncharted"), bis zur schützenden Handbewegung, wenn die Archäologin an Feuer vorbeiläuft. Lichteffekte wie der Schein von Laras Taschenlampe oder unter Wasser einfallende Sonnenstrahlen sind beeindruckend. Flammen wirken authentisch. Die perfekt abgemischten Soundeffekte und der stimmungsvolle Soundtrack unterstreichen die jeweilige Atmosphäre.

Dass Laras Moves bemerkenswert menschlich wirken, liegt daran, dass die Bewegungen einer professionellen Turnerin per Motion Capturing digitalisiert wurden. Lara läuft, schwimmt, taucht, klettert, seilt und rollt sich elegant ab. Sie wirbelt um Stangen herum, schmiegt sich an Wände, balanciert über Balken und schwingt sich mithilfe eines Enterhakens über Abgründe.

Vorsprung durch Technik: Eine Feldkamera mit Digitalzoom und eine Lampe helfen ihr bei der Suche nach Artefakten ebenso wie ein PDA mit einer Sonarkarte. Letztere erweist sich allerdings aufgrund ihrer Unübersichtlichkeit als nicht sonderlich große Hilfe. Ein guter Orientierungssinn ist nach wie vor Pflicht - ebenso ein Funken gesunder Menschenverstand. Indem Lara Gegenstände aufhebt, schiebt oder wirft, Schalter drückt, Hebel zieht und am Rad dreht, löst sie mechanische Rätsel. Obwohl vieles davon seit Urzeiten zur "Tomb Raider"-Serie zählt, sind Laras Möglichkeiten en detail gewachsen. Beispielsweise muss sie sich ihre Kletterstange manchmal erst aus gefundenen Gegenständen zusammenbauen.

"Tomb Raider" war zwar nie als Shooter konzipiert, doch automatisch am Gegner klebende Fadenkreuze machen es Lara allzu leicht, lästige Feinde abzuschütteln. Positiv fällt dagegen der Adrenalinmodus auf, in dem die Zeit verlangsamt wird. Im Gegensatz zu den bis dato üblichen Quick-Time-Events muss der Spieler nun innerhalb eines Zeitlimits selbst herausfinden, mit welchen Moves Lara die Gefahr meistern kann.

Tomb Raider: Underworld

Hersteller/Vertrieb

Crystal Dynamics/Eidos

Genre

Action-Adventure

Plattform

PS2, PC, Nintendo DS, PS3, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Faire Speicherpunkte

Das PDA gibt Auskunft darüber, wie viele Schätze in der Umgebung versteckt sind. Anfängerfreundlich hilft der digitale Assistent Lara außerdem auf die Sprünge, wenn der Spieler nicht weiter weiß. Auf Wunsch plaudert das tragbare Helferlein auch des Rätsels komplette Lösung aus. Ebenfalls frustmindernd: Im Fall eines überraschenden Ablebens von Frau Croft muss man nicht wie in vielen Konkurrenztiteln eine ewig lange Sequenz erneut spielen, sondern wird genau da wiedergeboren, wo man den fatalen Fehler begangen hat.

Die gelegentlich zu absurden Perspektiven neigende automatische Kamera entpuppt sich als größter Minuspunkt des Games, da muss häufig per Hand nachjustiert werden. In Einzelfällen schwächelt die Steuerung: Um bei großen Sprüngen eine Punktlandung hinzubekommen, brauchen nicht nur Lara-Neulinge viel Übung. Und auch bei den neuen Motorradpassagen erweist sich die schwammige Handhabe als größte Spaßbremse. Sieht man davon ab, ist Laras Ausflug in die Unterwelt ein gelungenes und der bekanntesten weiblichen Spielfigur würdiges Comeback.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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