VG-Wort Pixel

USB4 Apple-Event: Diese kleine Revolution war gestern nur eine Fußnote

Das neue Macbook Air hat zwei USB4-Buchsen auf der Seite
Das neue Macbook Air hat zwei USB4-Buchsen auf der Seite
© Apple
In seinen neuen Macs wagt Apple den Sprung auf den eigenen Prozessor – und auf USB4. Doch was steckt hinter dem neuen Standard?

Es war der große Sprung: Zum ersten Mal seit 2006 hat Apple bei seinen Macs einen Prozessor-Wechsel gewagt – und setzt nun auch auf Mac-Rechnern auf die selbstentwickelten Prozessoren von iPhone und Co. Der Schritt könnte unser Verständnis von einem Computer nachhaltig verändern. Da ist es kein Wunder, dass eine weitere kleine Revolution fast unterging: Als einer der ersten Hersteller setzt der Konzern bei seinen neuen Rechnern auf USB4.

Bei allen seinen neu vorgestellten Rechnern, einem Macbook Air, einem Macbook Pro und dem frischen Mac Mini, setzt Apple auf den neuen Anschluss. Statt der bisher verbauten Thunderbolt-3-Ports gibt es nun jeweils zwei USB4-Buchsen. Ganz aus dem Nichts kam der neue Standard natürlich nicht. Bereits im letzten Herbst verabschiedete der Hersteller-Verband USB-IF die neuen Spezifikationen. Weit verbreitet ist er aber noch nicht. Zu Unrecht: Die Technologie vereint gleich mehrere Vorteile älterer Varianten und soll USB so noch zukunftstauglicher machen.

Das steckt in USB4

Denn USB4 – das bisher genutzte Leerzeichen wurde gestrichen – ist eigentlich eine Art Hybrid aus USB und dem Standard Thunderbolt. Der Stecker stammt dabei von USB-C, die technische Umsetzung basiert auf Thunderbolt 3, einem ursprünglich von Intel entwickelten Protokoll, das bisher vor allem in Apple-Rechnern weit verbreitet genutzt wird. Entsprechend bezeichnet Apple die Buchsen auf seiner Webseite auch mit "USB4 / Thunderbolt".

Der neue Standard ist vor allem deshalb wichtig, weil Thunderbolt von Intel lizenziert werden muss und dank des offenen Standards USB4 nun mehr Geräte in den Genuss seiner Vorteile kommen. Die Technologie ermöglicht durch ihren Aufbau in zwei Kanälen nicht nur sehr schnelle Datenübertragung, sondern erlaubt es dadurch auch, mehrere Geräte hintereinander zu koppeln, etwa eine Festplatte am Monitor anzuschließen und erst den an den Rechner. Durch die hohe Bandbreite lässt sich die Platte dann trotzdem in der vollen Geschwindigkeit nutzen. Diese "Daisy Chain" genannte Koppelung ist mit dem neuen Standard nun plötzlich auch bei USB möglich.

Aber auch alleine die Übertragungs-Geschwindigkeit dürfte viele Nutzer schon freuen: Mit USB4 müssen mindestens 20 Gbit die Sekunde übertragen werden, das entspricht umgerechnet 5 Gigabyte. In der Spitze können bis zu 40 Gbit/s erreicht werden. Apple nannte in seiner Keynote ebenfalls diese Obergrenze. Das ermöglicht auch beim Anschluss von Monitoren völlig neue Dimensionen: Bis zu vier Displays in 4K lassen sich so hintereinander schalten und an einer einzigen Buchse anschließen. Da ließe es sich fast verschmerzen, dass Apple in seinen M1-Macbooks nur zwei dieser Buchsen anbietet.

Mehr Power

Auch bei der Stromzufuhr setzt USB4 neue Standards. Bis zu 100 Watt Leistung lässt sich durch Power Delivery über die Buchse abführen. Damit können einige Monitore auf eigene Netzkabel verzichten, selbst das Laden eines anderen Notebooks ist theoretisch möglich. Und auch Notebooks lassen sich plötzlich über Powerbanks aufladen, solange die dafür gerüstet ist. Für den Betrieb externer Grafikkarten ohne Netzteil dürfte die Stromzufuhr in der Regel aber nicht ausreichen. Bei den neuen Macs mit M1 ist das aber ohnehin kein Thema: Sie unterstützen die eGPU genannte Option anders als Intel-Macs nicht.

Doch setzt Apple wirklich auf "echtes" USB4? Das ist aktuell noch nicht ganz klar. Zum einen nennt Apple in seinem Marketing-Material die Bezeichnung "USB 4", behält das Leerzeichen also bei. Zum anderen weist der Konzern auf den Produktseiten darauf hin, dass sich hinter den Ports "Thunderbolt 3 (bis zu 40 Gbit/s)" und  "USB 3.1 Gen 2 (bis zu 10 Gbit/s)" verbirgt - sich die vollen 40 Gbit/s also nicht über USB umsetzen lassen. Ob man so die Erwartungen gegenüber der Leistung bei den in der Regel ja noch für USB 3 gebauten Peripheriegeräten kleiner halten will oder die bereits vorher schon verbaute Kombination aus Thunderbolt 3 und USB-C mit einem neuen Namen überverkauft, ist noch nicht bekannt. Fest steht: bei den älteren Modellen bleibt Apple bei der Bezeichnung "Thunderbolt 3" - und nennt die gleichen Leistungsdaten.

Die gute Nachricht: Wie schon USB 3 ist auch der neue Standard weitgehend rückwärtskompatibel. Mit Ausnahme von USB 1 werden auch ältere Peripheriegeräte unterstützt. Für den Anschluss braucht man eventuell entsprechende Adapter. USB-C-Geräte lassen sich aber einfach so nutzen. Wer einen der neuen Apple-Rechner kauft, braucht also keine anderen Kabel als bei den Vorgängermodellen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker