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Cebit 2008: Bewährungsprobe für die Cebit

Es kommen schon wieder weniger Aussteller nach Hannover. Und für diese steht auch weniger Fläche zur Verfügung. Und es werden wohl auch weniger Besucher anreisen. Die Cebit, noch immer größte IT-Schau der Welt, steckt auch 2008 in der Krise.

Von Volker Müller und Martin Ottomeier

Die Cebit tritt in diesem Jahr mit neuem Konzept als Fachmesse an - ganz nach dem Wunsch der Mehrheit der Aussteller: kürzer, flexibler und effizienter. Der Erfolg ist allerdings keineswegs sicher, obwohl die Änderungen radikal sind wie selten.

Die Messe wird einen Tag kürzer und verzichtet auf das teilende Wochenende in der Mitte. Sie will den Fachbesucher wieder in den uneingeschränkten Fokus stellen und mit drei Themenschwerpunkten für inhaltliche Klarheit sorgen. Der Bereich "Business Solutions" beantwortet Fragen zu Software und Diensten, die "Public Sector Solutions" wenden sich an öffentliche Verwaltungen und "Home & Mobile" zeigt Produkte für das private Leben.

Die Hoffnungen sind gewaltig. Von Messegesellschaft und Ausstellern: "Mehr Kontakte zu Kunden, Analysten und potentiellen Mitarbeitern als zuvor", verspricht sich Norbert Eder, Marketing-Chef der Software AG. Das größere Kongressangebot auf der Cebit sei der richtige Schritt. Auch Achim Berg, Deutschland-Chef von Microsoft begrüßt den Wandel: "Ich erwarte, dass sich die Besucher durch die neue Gliederung deutlich besser zurechtfinden und angesprochen fühlen." Daran müsse sich das Konzept messen lassen. Er werde sich genau ansehen, wie sich die Kontakte verändern und wie die Berichterstattung ausfällt.

Seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2001 hat die Messe 28 Prozent der Aussteller und 43 Prozent der Fläche verloren. Dieses Jahre werden es nur noch 5845 Aussteller auf rund 241.000 Quadratmetern. Die Versuche, mit immer neuen Themen und Erweiterungen den Verfall zu stoppen, hatten Kritiker auf den Plan gerufen. Der Tonfall war in den vergangenen zwei, drei Jahren schärfer geworden. Von der "eierlegenden Wollmilchsau" spotteten Aussteller, von einer Messe, die sich in Beliebigkeit verliere. Sie rückten damit auch vom Cebit-Schirmherrn ab, dem Branchenverband Bitkom, dessen Präsident lange auf mehr Vielfalt statt auf Konzentration gesetzt hatte.

Brandbrief an die Aussteller

Ende 2006 reagiert die Messe schließlich. In einem Brandbrief an die Aussteller kündigte der Veranstalter spürbare Änderungen an. Die sechs Tage Anfang vom 4. bis 9. März werden daher zum Lackmus-Test für die Zukunftsfähigkeit der Cebit. Mit Spannung wartet der Messe-Vorstand auf die Ergebnisse der Ausstellerbefragung am Ende der Cebit - zusammengetragen von den Marktforschern der GfK. Das telefonbuchdicke Zahlenwerk wird zeigen, ob Aussteller und Besucher das neue Konzept angenommen haben.

Sicher ist: Die Kosten bleiben hoch wie zuvor. Kein Aussteller berichtet bisher von sinkenden Ausgaben. Das verhindern schon Hannovers Hoteliers, die mit der Cebit die schwache Auslastung im Rest des Jahres kompensieren. Jüngste Verträge der Deutschen Messe mit örtlichen Herbergen über 2500 billige Zimmer zur Cebit-Zeit betrachtet die Messe selbst nur als "Tropfen auf dem heißen Stein."

Über den Erfolg entscheidet das Management in Hannover nicht allein. Der Mobile World Congress, lange unter dem Namen 3GSM bekannt, wächst in Quantensprüngen - und rückt zeitlich immer näher an die Cebit heran. So haben Handyhersteller und Mobilfunkanbieter ihr Pulver bereits Mitte Februar in Barcelona verschossen. Neue Handys, Dienste und Tarife sind in Hannover Mangelware. Im Januar hatte zudem die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas schon die wesentlichen Neuerungen in der Unterhaltungselectronic und bei Computern vorweggenommen - und im Herbst droht die Internationale Funkausstellung (Ifa), die vor allem Händler und Einkäufer lockt.

Ein weiterer Niedergang der Cebit wäre ein Drama für den Messestandort Deutschland - und die Messegesellschaft selbst: Neben der wieder gesundeten Hannover Messe Industrie braucht die Deutsche Messe eine zweite Großveranstaltung, um das gewaltige Messegelände auslasten zu können. 2007 gelang das kaum: Die Gesellschaft schloss mit einem mageren Plus von 1 Million Euro - bei 283 Millionen Euro Umsatz.

FTD