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Fragen und Antworten: Was Vista kann

Es ist soweit: Nach fünfjähriger Entwicklungszeit soll Vista jetzt den Job von Windows XP als Schaltzentrale von Computern übernehmen. Was kann es besser? Welche Funktion sind neu? Und läuft es auch auf älteren PCs? stern.de liefert die Antworten.

Von Udo Lewalter

Mit deutlicher Verspätung kommt Microsofts neues Betriebssystem am 30. Januar auf den Markt. Vista soll mehr Sicherheit, mehr Übersicht und mehr Spaß als das bereits fünf Jahre alte Windows XP bieten. Doch ein Systemumstieg ist natürlich auch immer mit vielen Fragen verbunden. Bietet Vista wirklich mehr? Ist ein Umstieg sinnvoll? Wenn ja, welche Vista-Version ist die richtige? Und was ist mit den höheren Hardware-Anforderungen? Hält der eigene Rechner den Ansprüchen stand?

stern.de beantwortet die drängendsten Fragen.







Was ist anders?

Bedienung: Das Arbeiten unter Vista hat sich im Vergleich zum Vorgänger in vielen Punkten verändert. Microsoft strukturierte den Aufbau vieler Unterpunkte klarer, wie zum Beispiel die Systemsteuerung oder die Systemsuche. Zudem gibt es an jeder Stelle erklärende Hilfen - das soll Neulingen den Einstieg erleichtern. XP-Kenner finden sich aber ebenso sofort zurecht; die meisten altbekannten Funktionen gibt's nach wie vor.

Zusätzliche Programme:

Neben der besseren Handhabung spendierte Microsoft Vista einige nützliche Funktionen, die XP fehlen. So kann man mit Vista DVDs brennen, Filme bearbeiten, das System sichern oder Termine im Kalender verwalten. Bislang musste für viele dieser Aufgaben entsprechende Zusatzsoftware gekauft werden.

Sidebar:

Neu auf dem Desktop ist die Windows-Sidebar. Dabei handelt es sich um eine Leiste, in die kleine Programme, so genannte Widgets, eingebaut werden können. Beispielsweise ein Währungsrechner, abonnierte RSS-Schlagzeilen, ein Kalender oder eine Uhr. Die Leiste wird vom Nutzer wahlweise rechts oder links auf dem Desktop verankert.

Besserer Schutz vor Attacken:

Im so genannten Sicherheitscenter finden Nutzer den Großteil der Sicherheitsfunktionen des neuen Betriebssystems. Ein Bestandteil ist der "Windows Defender", der das System vor Spionage-Programmen wie Trojanern schützen soll. Auch die Firewall des Systems wurde von Grund auf neu entwickelt. So können Nutzer nun nicht mehr nur den Datenstrom vom PC ins Netz kontrollieren, sondern auch überwachen, welche Daten vom Internet auf seinen Rechner übertragen werden. Besitzer der "Ultimate"- und "Enterprise"-Version haben zudem die Möglichkeit, sämtliche Datenbereiche ihrer Festplatte zu verschlüsseln.

Verbesserte Suchfunktion:

Die Suche unter Vista wurde deutlich verbessert. Bereits mit der Eingabe des ersten Buchstabens beginnt das System mit der Arbeit und sortiert die Ergebnisse gleich im Ergebnisfenster. Wird keine Datei gefunden, reicht ein Druck auf die Return-Taste, um die erweiterten Suchfunktionen einzublenden.

Terminfunktion:

Auch ohne ein Mail-Programm zu nutzen, bietet Vista die Möglichkeit, Termine anzulegen und zu bearbeiten - im so genannten "Windows Kalender". Natürlich kann diese Funktion auch mit "Windows Mail", dem Nachfolger von "Outlook Express", verknüpft werden.

Junk-Filter:

Unerwünschte Mails können unter "Windows Mail" gefiltert werden.

Läuft Vista auch auf alten Rechnern?

Microsoft empfiehlt folgende Mindestkonfiguration für ein Vista-System: Prozessor mit 800 Megahertz Taktfrequenz, 512 Megabyte Arbeitsspeicher und 15 Gigabyte freie Festplattenkapazität. Allerdings müssen Besitzer solcher leistungsschwachen Systeme unter anderem auf die schicke Aero-Oberfläche verzichten, automatisch schaltet das Betriebssystem in den so genannten "Classic"-Modus. Dieser unterscheidet sich optisch kaum vom Design des Vorgängers XP.

Um die volle optische Pracht genießen zu können, wird mindestens folgende Ausstattung benötigt: Prozessor mit zwei Gigahertz, ein Gigabyte Arbeitsspeicher und eine Grafikkarte mit 256 Megabyte Speicher. Um vor dem Kauf sicher zu gehen, dass alle Geräte mit dem neuen System harmonieren, sollte ein von Microsoft kostenloser Systemtest genutzt werden.

Welche Vista-Variante ist sinnvoll?

Auf einer DVD von "Windows Vista" schlummern alle Versionen des Betriebssystems. Der Lizenzschlüssel entscheidet darüber, welche Version auf der Festplatte installiert wird.

Folgende Windows Vista-Varianten sind erhältlich:

Windows Vista Home Basic

Besitzer der kleinsten Vista-Fassung müssen auf einige nützliche Funktionen verzichten. So fehlt der Sparversion die schicke Aero-Oberfläche sowie viele Audio- und Video-Funktionen. Trotzdem kostet ein Windows-Upgrade stolze 139 Euro; für die Vollversion werden 259 Euro fällig.

Windows Vista Home Premium

Diese Variante enthält die "Aero"-Benutzeroberfläche, das Brennprogramm "DVD Maker" und das "Media Center". In punkto Umfang ist diese Version vergleichbar mit "Windows XP Home". Das Update kostet 229 Euro, für die Vollversion verlangt Microsoft 100 Euro mehr. "Home Basic" und "Home Premium" werden übrigens auch in einer so genannten N-Ausführung ausgeliefert. Aus kartellrechtlichen Gründen fehlen hier einige Multimediaprogramme wie der "Media Player 11". Der Preis ist jedoch identisch.

Windows Vista Business

Dem Nachfolger von "Windows XP Professional" fehlen gegenüber der "Home"-Variante einige Multimedia-Anwendungen wie der "Movie Maker". Dafür spendiert Microsoft der "Business"-Lösung unter anderem zusätzliche Sicherheitsfunktionen und einen Zugang für Firmennetzwerke. Das Upgrade kostet 279 Euro, für die Vollversion werden 419 Euro fällig.

Windows Vista Ultimate

"Vista Ultimate" ist eine Kombination aus "Business" und "Home" - die kompletteste aller Vista-Versionen also. Dementsprechend auch die Preise: das Upgrade kostet 349 Euro, die Vollversion 549 Euro.

Windows Vista Enterprise

Diese Fassung ist im Handel nicht erhältlich, sondern kann nur im Rahmen von Volumenlizenzprogrammen bezogen werden. Die für Großkunden ausgelegte Version bietet im Vergleich zur "Business"-Fassung einige Zusatzfunktionen wie ein besonders ausgeklügeltes System zur Verschlüsselung der Festplatte.

Zu einem späteren Zeitpunkt kann Vista zudem durch das Feature "Windows Anytime Upgrade" auf eine höhere Variante umgerüstet werden. "Home Basic" beispielsweise kann zu "Home Premium" oder "Ultimate" gewandelt werden, "Home Premium" und "Business" können auf die "Ultimate"-Version umgestellt werden. Wie teuer "Anytime Upgrade" sein wird, ist noch nicht bekannt.

Was ist eine Upgrade-Version?

Wer das kostengünstigere Upgrade nutzen will, muss bereits XP als Betriebssystem auf seinem Rechner installiert haben. Die Upgrade-Fassung wird dann bei der Installation über XP "gestülpt". Eigene Dateien und zuvor installierte Programme bleiben dabei erhalten.

Lohnt der Kauf der 64-Bit-Version von Vista?

Diese Vista-Variante bringt einen Geschwindigkeitsvorteil - allerdings nur auf Profisystemen. Zudem fehlen der 64-Bit-Fassung zahlreiche Gerätetreiber, so dass im schlimmsten Fall Soundkarten, Drucker oder Scanner zunächst nicht funktionieren.

Enthält Windows Vista neue Spiele?

Insgesamt neun Spiele sorgen bei Vista für Kurzweil. Darunter befinden sich alte Bekannte wie "Solitär" oder "Minesweeper". Brettspielumsetzungen von "Mahjong" und "Chess" sind dagegen neu im Spieleordner. In der "Business"-Variante müssen die virtuellen Zeitvertreiber allerdings frei geschaltet werden.

Was ist "Ready-Boost"?

Der virtuelle Speicher kann unter Vista durch den schnellen Flash-Speicher von USB-Sticks erweitert und beschleunigt werden. Steckt ein Stick mit mindestens einem Gigabyte Fassungsvermögen am Rechner, so bietet Vista die Option "Ready-Boost" im Eigenschaften-Menü des USB-Sticks. Durch Aktivierung werden Daten auf dem Stick ausgelagert (Swap-Verfahren). Ob Anwender jedoch wirklich einen "Boost" erleben, ist eher unwahrscheinlich. Schlummert eine flotte Festplatte im System, bringt das Auslagern auf den USB-Stick keine spürbare Beschleunigung.

Kann Vista auch parallel zum alten XP-System installiert werden?

Ja. Beim Boot-Vorgang wählt der Nutzer dann aus, welches Betriebssystem gestartet werden soll. Eine solche duale Lösung ist ratsam, denn zunächst werden nicht alle Anwendung oder Spiele einwandfrei unter Vista laufen. Bei Problemen kann dann XP geladen werden. Erst in einigen Wochen dürften Entwickler entsprechende Treiber nachliefern, die "kritische" Programme unter Vista lauffähig machen.

Was ist die "Aero Glass"-Oberfläche?

Microsoft spendiert Vista eine schicke 3D-Benutzeroberfläche, "Aero Glass" genannt. Fenster werden dreidimensional dargestellt, die Ränder sind transparent, so dass der Desktop-Hintergrund durchschimmert. Offene Fenster können zudem seitlich hintereinander, schwebend über dem Desktop, angeordnet werden. Die Inhalte werden auch dann noch gut erkennbar angezeigt, selbst Videos laufen in dieser Ansicht im Fenster ab. Allerdings verschlingt die "Aero"-Optik Rechenleistung. Auf älteren Systemen schaltet Vista daher automatisch in eine Sparvariante um, den so genannten "Classic"-Modus. Ein Aktivieren der "Aero"-Oberfläche ist hier nicht möglich.

Laufen Spiele besser unter Vista?

In absehbarer Zeit nicht, da Spiele kompatibel zu Windows XP bleiben werden. Es sei denn, sie benötigen zwingend die neue Schnittstelle DirectX 10*, die vorrausichtlich nicht für den Vista-Vorgänger erscheinen wird. Allerdings ist angesichts der vielen XP-Nutzer nicht davon auszugehen, dass Spielehersteller jetzt komplett auf Vista setzen. Vorstellbar wäre jedoch, dass Spiele künftig sowohl DirectX 9 als auch DirectX 10 unterstützen. Da die neue Schnittstelle Programmierern die Entwicklung aufwendigerer Grafik ermöglicht, sehen Spiele dann unter Vista vermutlich besser aus.

*DirectX beschreibt eine Sammlung verschiedener programmierbarer Komponenten, die nahezu den gesamten Multimediabereich abdecken. Vorrangig benötigt wird diese Schnittstelle von Programmierern, um komplexe 2D- oder 3D-Grafik darzustellen. Über die DirectX-Schnittstelle können Entwickler aber auch Audio oder diverse Eingabegeräte wie Maus oder Joystick ansprechen.