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Glosse: Ich will doch nur spielen!

Konsolen in Kaufhausabteilungen sind ein schöner Zeitvertreib. Einfach neue Spiele ausprobieren und ein bisschen an der Spieltechnik feilen. Doch mit einem rotznasigen Game-Professor an der Seite macht das gar keinen Spaß.

Von Kathrin Warncke

Ein grauer Vormittag in der Hamburger Innenstadt, Regenwetter und Langeweile. Dagegen hilft nur eines - ab in die Gefilde einer großen Elektronikhandelskette, deren Name irgendwo zwischen Jupiter und Uranus auftaucht. Der Zeitpunkt ist perfekt für einen Spiele-Exkurs hier im Kaufhaus, elfjährige Rivalen an der Konsole sind entweder in der Schule oder schlafen noch. Wie im Trainings-Parcours springe ich von einem Spiel zum nächsten. Eine Konsole habe ich mir bis zuletzt aufgehoben - die Wii. "Super Mario Galaxy" erwartet mich hier, hin da!

Erstmal ein bisschen durchs Menü geblättert, ein paar Mal geklickt und schon geht's los. Neben mir taucht ein Junge auf, halb so groß wie ich, Schnodder an der Nase und die graue Jacke halb auf den Schultern hängend. "Ey, darf ich auch mal?" Meine Kinderliebe in allen Ehren, aber ich hatte doch noch nicht mal losgelegt! "Einen Moment, ich habe gerade erst angefangen.", sage ich so nett wie möglich zu dem Jungen. Genervt verdreht er die Augen und stöhnt gekünstelt laut auf.

"Da ist ein Dreh-Schüttler"

Zurück zu Mario, auch wenn das Spiel noch nicht ganz so läuft wie es soll. Bälle soll ich fangen, aber die Fernbedienung spricht nicht auf meinen Knopfdruck an. "Da musst du hinzeigen, wo der Ball herkommt", raunt der Knirps mir von unten zu. "Äh… ja, danke, stimmt." Ich richte die Fernbedienung auf die anfliegenden Bälle auf dem Bildschirm, eine spezielle Steuerung der Konsole. Es funktioniert tatsächlich. Sehr selbstbewusst sehe ich wohl nicht aus mit der Fernbedienung in der Hand. Die nächste Aufgabe - wieder macht Mario nicht das, was er soll. Der Junge tippt jetzt mit den Füßen auf den Boden - im Ein-Sekunden-Takt. Mit verschränkten Armen schaut er sich um und pfeift. Ein paar Sekunden später: "Da ist ein Dreh-Schüttler. Mario muss sich da d-r-e-h-e-n!", höre ich es wieder neben mir. Jaaa, stimmt, wie konnte ich das nicht wissen? Sowas aber auch.

Wieder zieht das Kind die Nase hoch. "Kann ich auch endlich mal?" Ich will ihn loswerden, in Ruhe ausprobieren - und Fehler machen. Ich kann so nicht spielen! Stattdessen habe ich diesen Ein-Meter-Spieleprofessor neben mir stehen, der ständig den Kopf schüttelt. Am liebsten hätte ich ihn gefragt, was er denn um diese Zeit eigentlich hier zu suchen habe. Und gesagt, dass Videospiele sowieso nicht das Richtige in seinem Alter seien und obendrein noch schlechte Augen machten. Doch das bringe ich dann doch nicht übers Herz.

In Position wie ein Berufsfechter

"Hier, bitte." Er reißt mir die Fernbedienung aus der Hand und stellt sich in Position wie ein Berufsfechter. Erst einmal Spiel neu starten - mit so einem Punktestand will schließlich keiner gesehen werden. Sekunden später flitzt Mario auf dem Bildschirm durch die Galaxien, dreht und schüttelt sich. Eigentlich wollte ich schon längst weitergehen, schau mir dann aber doch an, wie man das Ding benutzt. Mein Spieleprofessor würdigt mich keines Blickes - obwohl er das bestimmt auch noch nebenbei könnte. So macht das keinen Spaß.

Nach diesem Spiele-Exkurs bin ich um einige Erkenntnisse reicher. Erstens: Verlass dich nie darauf, früh morgens die Spiele-Abteilung für dich allein zu haben. Zweitens: Ich muss dringend üben, und zwar ohne den Professor. Drittens: Es lohnt sich vielleicht doch die Gunst des Erwachsenseins zu nutzen und ein eigenes Trainings-Lager zu Hause zu errichten.

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