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Intel-Konkurrenz aus England: ARM, aber sexy

Der Erfolg war aus der Not geboren: Um Produktionskosten zu senken, entwickelte die britische Firma ARM Strom sparende Mikroprozessoren. Heute sind die Chips in Handys und Tablet-PC unentbehrlich - und das kleine Unternehmen aus Cambridge fordert den Weltmarktführer Intel heraus.

Von Thomas Wendel

Cherry Hinton heißt das hier. Und so sieht es auch aus: Bungalows und Reihenhäuser aus dunkelbraunem Klinker, davor akkurat getrimmter Rasen. Ab und zu kriecht ein roter Doppeldeckerbus durch das Schlafstadtidyll, dann kehrt wieder Ruhe ein in der Postkartenlandschaft. So ist es in Cherry Hinton, einem Ortsteil der Universitätsstadt Cambridge. Hier soll sie sein, die neue Denkzentrale der Computerindustrie, hier sitzt das kleine Unternehmen ARM.

Hinter dem Firmenschild ducken sich zwei- und dreigeschossige Bürogebäude mit den üblichen Allerwelts-Glaseingangsfronten. Ein Bonsaibäumchen wacht am Empfang. So unauffällig, wie das hier immer Devise war. "Wer im Silicon Valley arbeitet, bekommt leicht das Gefühl, das sei die Welt", sagt Warren East, der Vorstandschef. "Wir hingegen haben immer die echte Welt im Blick gehabt - und sind deshalb erfolgreich."

ARM-Chips sind überall

Und wie: 95 Prozent der weltweit genutzten fünf Milliarden Handys werden von ARM-Schaltkreisen gesteuert. Das Unternehmen mit 500 Mio. Dollar Jahresumsatz ist drauf und dran, die Rangfolge im globalen Chipmarkt umzustürzen und so etwas wie der Apple-Konzern der Halbleiterindustrie zu werden: ein Trendsetter, der mit innovativen Produkten den Ton angibt. Nun kämpfen sich die Briten auch noch in das lukrative Geschäft mit leistungsfähigen Prozessorchips für Computer vor - in die Domäne des Giganten Intel. Eine epochale Umwälzung.

Warren East ist ein drahtig wirkender End-40er mit wachem Blick. Er kennt all die skeptischen Fragen, das Staunen. Wie, bitte schön, soll das gehen, eine so kleine Firma gegen die riesenhafte Konkurrenz? "Wir haben das Geschäftsmodell des 21. Jahrhunderts", sagt East. Dass jenes von Intel aus der Vergangenheit stammt, sagt er nicht. Aber genauso meint er es.

East sitzt in einem bunten Designersessel. Neben ihm steht ein weiteres Bonsaibäumchen, hinter ihm öffnet sich eine weite Halle, drei Stockwerke hoch: das Herz des Unternehmens. Ein Saal zum Essen, Reden, Verhandeln. Eine moderne Agora, die viel über Arbeitsethos und Betriebsklima verrät. Ein Raum, in dem verschlurfte Entwickler in Sweatshirts fachsimpeln und die Marketingleute Besucher aus aller Welt empfangen.

Auch Microsoft wendet sich an die Briten

An Gesprächspartnern fehlt es zurzeit nicht. Schon der Erfolg von Apples iPad, in dem die Strom sparenden ARM-Prozessoren eingesetzt werden, hat an Intels Vormacht gerüttelt. Anfang Januar folgte dann der nächste Schub. Künftig werde das Windows-Betriebssystem nicht mehr ausschließlich auf Intels Prozessortechnologie zugeschnitten sein, sondern erstmals auch auf ARM-Chipdesigns, verkündete Microsoft-Chef Steve Ballmer. Es war nicht weniger als das Ende eines Duopols, das in der Branche nur "Wintel" heißt und das beiden Konzernen über Jahrzehnte Bruttomargen von 40, 50 Prozent und manchmal gar mehr garantierte.

Sparen - das Geheimnis des Erfolgs

Die Zukunft der Computerindustrie entsteht in Cherry Hinton, wo die Prozessoren für mobile Minicomputer im Telefonformat konzipiert werden. Die Analysten von UBS erwarten, dass Microsofts Strategiewechsel zwar frühestens 2012 Wirkung zeigt. Das neue Geschäft dürfte ARM allerdings allein 100 Mio. Dollar jährlich an Lizenzeinnahmen in die Kassen spülen. "Microsofts Entscheidung ist der Wendepunkt", sagt John Biggs, einer der ARM-Gründer. Mit dem Vorstoß in den PC-Markt werde Intels Vormacht langsam zerbröseln.

Graues Haar, rahmenlose Brille mit violettem Gestell, pastellfarbenes Hemd: So ähnlich wie Biggs sehen hier viele aus. Statt junger Mitt-20er, die den Campus von Facebook bevölkern, geht es in Cherry Hinton gesetzter zu. Britisches Understatement mit einem Schuss Ingenieurstolz à la Siemens, gekreuzt mit Resten der Hippiekultur.

Ein Volkscomputer für die BBC

Biggs war schon dabei, als ARM noch eine Abteilung des britischen Computerherstellers Acorn war, den der Österreicher Hermann Hauser mit einem Freund 1978 in Cambridge gegründet hatte. Den PC gab es damals noch nicht. Acorn bastelte für die BBC einen Volksrechner zusammen, der ans Fernsehgerät angestöpselt wurde. Der "BBC Micro" mit 16 Kilobyte Speicher war ein fulminanter Erfolg, Hunderttausende wurden verkauft.

Hauser erkannte damals, dass Acorn leistungsfähigere Prozessoren benötigte, und bat Intel um Hilfe - doch für die damals schon mächtigen Amerikaner waren die Briten zu klein. Der Halbleiterriese aus dem Silicon Valley winkte ab. "Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie", kichert Biggs. "Schließlich gibt es ARM nur, weil Intel uns keine Mikroprozessoren verkaufen wollte."

Biggs und eine Handvoll weiterer Kollegen entwickelten einen eigenen Chip. Um ihn nicht zu teuer zu machen, formulierten sie eine abgespeckte Befehlssprache, Risc genannt. Biggs klappt zärtlich ein schwarzes Mäppchen auf: Das ist er, ein ARM1 von 1985. Ein schwarzes Quadrat mit sieben Millimetern Kantenlänge, in dem 25.000 Transistoren ins Silizium geätzt worden sind. "Unsere Chips verbrauchen wenig Strom", sagt Biggs. "Aber nicht, weil wir das so geplant haben, sondern weil ARM1 möglichst billig sein sollte." Es ist das Geheimnis des heutigen Erfolgs.

Als Acorn 1990 die Pleite drohte, kam Apple. Die Kalifornier suchten einen Strom sparenden Prozessor. Acorn nutzte die Chance, gliederte die Chipabteilung aus und gründete mit Apple und dem Halbleiterhersteller VLSI die Firma ARM. "Da war nichts Glamouröses", erzählt Biggs. "Acorn wollte uns einfach loswerden." Ein paar Jahre später war es dann umgekehrt: Als es schlecht um Apple stand, war es der ARM-Anteil, dessen Verkauf Apple finanziell gerettet hat.

In der Spielkonsole und im elektrischen Fensterheber

Ungestört davon entwarfen Biggs und Kollegen ihre Chips. Der damalige Chef, Robin Saxby, ein exzentrischer Ex-Motorola-Manager, setzte auf Brainstorming in Bars und Vergnügen in Pubs - und hatte Erfolg: Mit Sharp, Samsung und Texas Instruments lizenzierten schnell drei der wichtigsten Unternehmen im entstehenden Handymarkt ARM-Chipdesigns. Mobiltelefone benötigten etwas, was Intel nicht liefern kann: Chips mit geringem Stromverbrauch.

ARM und Intel: ungleiche Gegner

Im Takt nur weniger Monate bringt die Truppe Chips heraus. Jeder neue ARM wird bis heute mit ausgelassenen Champagnerpartys gefeiert. Dutzende leere Flaschen, groß und klein, zeugen im Foyer der Firmenzentrale davon, präsentiert wie Siegerpokale in Sportvereinsheimen. Auf jeder Flasche stehen Premierendatum und Produktbezeichnung.

In der Industrie hat ARM ein neues Geschäftsmodell etabliert. Bauten Halbleiterhersteller anfangs Prozessoren, die in eigenen Ingenieurbüros entwickelt wurden, lassen sie sich inzwischen das Grunddesign gegen Lizenzgebühren immer häufiger von ARM frei Haus liefern. Das spart Kosten. Die Briten sind zu so etwas wie einer branchenübergreifenden Forschungsabteilung geworden, aus deren Fundus sich inzwischen 250 Chiphersteller bedienen. Lediglich Branchengigant Intel kann es sich noch erlauben, vom Design bis zur Fertigung alles in eigener Hand zu behalten.

Außer in Handys stecken ARM-Chips mittlerweile in allem, was mit Elektronik zu tun hat. In Nintendo-Spielkonsolen, in Fernsehern, in Fensterhebern für Autos oder Steuereinheiten für Industrieanlagen. "Wir wollen unsere Technologie in möglichst vielen unterschiedlichen Geräten unterbringen", sagt Vorstandschef East.

Auf dem Weg zum neuen Industriestandard

Nur der klassische Computermarkt für Hochleistungsprozessoren, mit denen die Hersteller das meiste Geld verdienen können, ist ARM verschlossen geblieben: Hier herrscht Intel, geschützt von Microsoft, das sein Windows-Betriebssystem bisher nur für Intels x86-Reihe anbot.

Bislang jedenfalls. Glaubt man den Analysten der Deutschen Bank, könnte ARMs Marktanteil im Tablet- und Notebookmarkt 2016 bereits bei 50 Prozent liegen. Kein Wunder, dass Intel sich wehrt: ARM-Chips verbrauchten zwar weniger Strom, seien aber nicht so leistungsfähig, lästert etwa Anand Chandrasekher, Chef von Intels Mobilsparte.

Warren East lächelt, wenn er das hört. "Wer seinen Chip bei Intel kauft, hat keine Auswahl", sagt der ARM-Chef. "Bei uns hat man die Wahl." Alle ARM-Kunden könnten die Prozessoren beliebig erweitern oder verändern. "Das sorgt für Wettbewerb auf dem Chipmarkt, der den Geräteherstellern die Wahl lässt." Außerdem könnten es ARM-Chips auch in puncto Leistung mit Intel aufnehmen.

Bald dürfte sich zeigen, ob er recht behält. Mit Nvidia hat jetzt der erste Chipkonzern angekündigt, demnächst mit ARM-designten Prozessoren Intel auch im PC-Markt angreifen zu wollen. "Die Energie rund um die ARM-Plattform ist absolut riesig", staunt Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang. "Es steht außer Frage, dass ARM binnen der nächsten zwei oder drei Jahre zum neuen Industriestandard wird."

FTD
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.