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Internettelefonie: Microsoft räumt ein: Skype-Anrufe werden teilweise von Mitarbeitern abgehört

Wer telefoniert, geht davon aus, dass man unter sich ist. Benutzt man dabei Skype, sollte man nicht zu sicher sein. Nach Angaben von Microsoft werten Dienstleister die Gespräche teils im Nachhinein aus. Es geht um die Übersetzungsfunktion.

Eine Frau telefoniert mit dem Tablet auf der Rückbank eines Autos

Auch Geschäftstelefonate und intime Gespräche über Skype landen teilweise bei Mitarbeitern (Symbolbild)

Getty Images

Wer mit seinem Sprachlautsprecher spricht, weiß, dass die Daten bei einer Firma landen. Trotzdem war die Aufregung groß, als in den letzten Monaten herauskam, dass Apple, Google und Co. die Aufzeichnungen zur Qualitätssicherung auswerteten. Bei klassischen Anrufen fühlen sich die Teilnehmer aber unter sich. Jetzt kam heraus: Auch wer über Skype telefoniert, muss mit Mithörern rechnen.

Aufzeichnungen von Anrufen mit dem Microsoft-Dienst, bei denen die automatische Übersetzungsfunktion genutzt wurden, können laut einem Medienbericht nachträglich auch von Mitarbeitern angehört werden. Dabei kann es auch um sehr private Themen gehen, wie die Website "Motherboard" am Mittwoch berichtete. Auf von einem Dienstleister weitergegebenen Mitschnitten hätten Leute zum Beispiel über Beziehungsprobleme oder Gewichtsverlust gesprochen, schrieb "Motherboard". 

Keine klare Warnung der Nutzer

In den Skype-Nutzungsbedingungen wurde bisher nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch Menschen Aufnahmen aus der Übersetzungsfunktion zu hören bekommen könnten - auch wenn einige Formulierungen dies andeuteten. So heißt es, dass "Sätze und automatische Abschriften analysiert werden" und eventuelle Korrekturen ins System eingetragen würden.

Skype betonte auch, dass die Identität der Gesprächsteilnehmer dabei weggelassen werde. Nur Gespräche mit der Übersetzungsfunktion würden aufgezeichnet. Der zu Microsoft gehörende Internettelefonie-Dienst bietet die automatische Übersetzung von Gesprächen fast in Echtzeit seit 2015 an. Inzwischen ist sie bei Anrufen für acht Sprachen verfügbar. "Skype Translator basiert auf einem maschinellen Lernprozess", heißt es auf einer Webseite zu dem Thema. Ein Link zu "Datenschutz bei Verwendung von Skype Translator" führte am Mittwoch zu einem Bereich, der nur für Microsoft-Mitarbeiter und -Partner zugänglich ist.

Auch Cortana wird abgehört

Dem Informanten von "Motherboard" zufolge hören sich Dienstleister zum Teil auch Mitschnitte von Sprachbefehlen an Microsofts Assistenzsoftware Cortana an. In den vergangenen Monaten waren die Microsoft-Konkurrenten Amazon, Apple und Google unter massive Kritik geraten, weil sie Nutzer nicht auf diese Praxis hinwiesen. Inzwischen setzten Google und Apple die Auswertung von Aufzeichnungen zur Verbesserung ihrer Sprachassistenten aus. Amazon bietet Nutzern die Möglichkeit, einer solchen Verwendung von Mitschnitten zu widersprechen. Apple kündigte an, Nutzer künftig ausdrücklich um Zustimmung dazu zu bitten.

Microsoft erklärte in einer Stellungnahme an "Motherboard", man erhalte eine Erlaubnis der Nutzer vor der Sammlung und Verwendung ihrer Daten. Bevor Informationen an Dienstleister gehen, würden sie anonymisiert und die Partner seien an strikte Vertraulichkeitsvorgaben gebunden.

mma / DPA