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Microsofts Windows 8 im Test: Gute (N)Acht?

Solide Weiterentwicklung oder ein zweites Vista? Vor allem die neue Kachel-Oberfläche von Windows 8 sorgt für Diskussionen im Netz. stern.de hat sich das neue Betriebssystem genauer angeschaut.

Von Christoph Fröhlich

Kaum eine neue Software löst mehr Stirnrunzeln aus als ein neues Microsoft-Betriebssystem. Nicht ohne Grund: Das Vista-Dilemma ist gerade einmal fünf Jahre her, das Misstrauen der Nutzer gegen neue Versionen ist trotz des positiv bewerteten Windows 7 groß. Nach wie vor ist das elf Jahre alte Windows XP das meist verbreitete Betriebssystem der Welt - obwohl die Software mittlerweile sehr unsicher ist und nur noch bedingt unterstützt wird. Im Herbst wagt Microsoft mit Windows 8 einen neuen Anlauf, und um die Misere rund um Vista nicht zu wiederholen, stellt der IT-Konzern jetzt eine kostenlose Testversion zur Verfügung.

Kinderleichte Installation

Die Software kann hier heruntergeladen werden. Zur Auswahl steht eine 32-Bit- (2,5 Gigabyte) und eine 64-Bit-Version (3,3 Gigabyte). Sollte das Mainboard die zweite Version unterstützen, sollte unbedingt die Software mit 64 Bit geladen werden, da sie in bestimmten Fällen Programme schneller laden kann.

Um die Installation zu starten, muss die Datei zunächst auf DVD gebrannt oder auf einen bootfähigen USB-Stick entpackt werden. Um die bereits bestehende Windows-Version nicht aus Versehen zu überschreiben, empfiehlt sich die Einrichtung einer neuen Systempartition (siehe Kasten). Diese kann nach der Testphase problemlos wieder gelöscht werden, ohne dass Daten der alten Windows-Version verloren gehen. Die Installation selbst dauert rund 15 Minuten, die anschließende Einrichtung noch einmal so lange. Der Produktschlüssel bei allen Versionen lautet DNJXJ-7XBW8-2378T-X22TX-BKG7J. Dann kann es losgehen.

Große Kacheln statt kleiner Symbole

Die auffälligste Neuerung ist die komplett überarbeitete Oberfläche: Statt auf dem gewohnten Desktop finden sich Windows-8-Nutzer in einem Menü voller bunter Kacheln wieder. "Metro Style" nennt Microsoft das neue Design, das an die Windows-Version für Handys angelehnt ist. Das kommt nicht von ungefähr: Windows 8 ist das erste Betriebssystem, dass sowohl auf Smartphone, Tablet und PC läuft. Schon nach wenigen Minuten merkt man, dass die Software für Touch-Geräte optimiert wurde, doch auch auf dem PC macht das Betriebssystem nach etwas Eingewöhnung keine schlechte Figur.

Die meisten bekannten Funktionen gibt es nach wie vor, sie sind nur woanders zu finden. Der Desktop versteckt sich beispielsweise hinter einer der zahlreichen Kacheln, die man am ehesten als Programmverknüpfungen oder Lesezeichen bezeichnen könnte. Eine Kachel kann vieles sein: ein Programm, die Lieblingswebseite oder der Musikordner. Der Arbeitsbildschirm sieht aus wie immer, nur der Startknopf in der linken unteren Ecke ist endgültig verschwunden. Wer sich nicht vollends auf das Kachelsystem verlassen möchte, kann dort auf klassische Desktopverknüpfungen zurückgreifen.

Ran an die Datenwolke

Spätestens mit Windows 8 müssen sich die Nutzer mit der allgegenwärtigen Cloud auseinandersetzen. Da das neue Betriebssystem sowohl auf dem PC zuhause als auch auf dem Handy funktionieren soll, werden für die meisten Funktionen ein Microsoft-Konto und ein Internetzugang benötigt. Nutzer von Windows-Smartphones oder dem Videospieldienst Xbox Live dürften solch ein Konto bereits haben, der Rest muss sich registrieren. Zwar kann der Rechner auch ohne aktive Internetverbindung bedient werden – allerdings verweigern viele Funktionen dann den Zugriff. Die Cloud-Verknüpfung soll auch den Austausch zwischen Mobilgeräten und Desktop-Rechner erleichtern.

Mehr Übersicht

Lobend erwähnen muss man die bessere Übersichtlichkeit: Nervige Menüs wurden entschlackt und sind meist erst zu finden, wenn die Funktion benötigt wird. Geht man beispielsweise auf dem Desktop mit dem Mauscursor in eine der Ecken, erscheinen zusätzliche Fenster - zieht man den Mauspfeil wieder zur Seite, verschwinden die Menüs. Auch innerhalb der Fenster hat sich einiges getan: Haben sich viele Funktionen früher nur Computernerds erschlossen, setzt Microsoft jetzt auf simple Ein-Aus-Schalter. Auf Wunsch konfiguriert sich der Rechner während der Installation automatisch, sodass technisch unversierte Nutzer gleich loslegen können, ohne sich nach wenigen Minuten einen Virus einzufangen.

App-Store an Bord

Software gibt es in Zukunft an einem zentralen Ort, dem Store. Ähnlich wie Apples App Store oder Googles Android Market können hier kleine Spiele für zwischendurch, Wetter-Apps oder andere mehr oder weniger sinnvolle Anwendungen heruntergeladen werden – sowohl kostenpflichtig als auch gratis. Praktisch: Eine Update-Funktion hält die Software des Rechners auf dem neuesten Stand, sodass nicht mehr jedes Programm einzeln aktualisiert werden muss.

Internet Explorer 10

Obwohl immer mehr Nutzer auf Browser wie Firefox, Chrome und Co. wechseln, entwickelt Microsoft den hauseigenen Internet Explorer stetig weiter. Mit Windows 8 hält mittlerweile die zehnte Generation des altgedienten Programms Einzug in die modernen Rechner. Und eins zeigt sich sofort nach dem Start: Der Browser ist sehr schnell und wurde ebenfalls für die Touch-Bedienung optimiert, in dem wichtige Funktionen über große Buttons am unteren Bildschirmrand ausgewählt werden können. Ob das Programm aber schneller ist als die Konkurrenz, muss ein Test der finalen Windows-Version zeigen.

Fazit

Der erste Eindruck von Windows 8 ist sehr gut. Nach ein wenig Einübungszeit funktioniert das Kachel-System und beschleunigt den Arbeitsalltag. Wer das neue Design ablehnt, kann nach wie vor Desktop-Verknüpfungen anlegen. Im Test gab es kleine Probleme, so wurde beispielsweise ein Wlan-Stick nicht richtig erkannt und der Internet Explorer ist abgestürzt, weil ein Pop-Up unsichtbar blieb und nichts mehr angewählt werden konnte. Für eine Testphase läuft die Software aber bereits sehr gut. Wie stark der Online-Zwang ist, wird sich in der Vollversion im Herbst zeigen.