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Peter Molyneux: "Ich will die Sensationen direkt im Gehirn haben"

Der legendäre britische Spiele-Designer Peter Molyneux plaudert mit stern.de über seine Branche, innovative Ideen und Joysticks, die man sich ins Gehirn stöpselt.

Der britische Spiele-Designer Peter Molyneux, 43, plaudert über seine Branche, innovative Ideen und Joysticks, die man sich ins Gehirn stöpselt.

stern.de: Wenn Sie zwei Wünsche für die Spielindustrie hätten, wie würden diese aussehen?

Peter Molyneux: Als erstes würde ich mir wünschen, dass die Spiele günstiger werden – zehn Euro wäre ein guter Peis. Das Problem bei der Sache: Jeder Cent, der so weniger verdient wird, fehlt schlussendlich an Entwicklungsgeldern. Insofern ist dieser Wunsch leider völlig unrealistisch.

Mein zweiter Wunsch - und dies wäre mein Hauptwunsch - ist ein völlig neues Eingabegerät zum Steuern von Computerspielen. Eine Maus ist nicht perfekt. Ein Joypad ist nicht optimal für dreidimensionale Spiele. Es eignet sich mehr für 2D-Spiele. Ich wünsche mir ein komplett neues Gerät, welches ich direkt in mein Gehirn stöpseln kann. (lacht). Ein Gerät, das die Bilder und Sensationen direkt in mein Hirn projiziert.

Welches ist ihrer Meinung nach das coolste Feature, das je in ein Computerspiel integriert wurde?

Wenn mich jemand nach coolen Features fragt, spreche ich grundsätzlich nicht über Dinge aus meinen eigenen Spielen. Aber diesmal will ich eine Ausnahme machen. Obwohl es nicht sehr gut umgesetzt war, bin ich doch stolz auf die Tatsache, dass "Black & White" das Wetter im Spiel an das Wetter der näheren realen Umgebung angleicht, indem es sich die dazu nötige Information von einem Online-Wetterdienst beschafft. Und dann wäre da noch die Sache mit der Postleitzahl, die ich in einem meiner zukünftigen Titel realisieren möchte. Aber das ist ein anderes Thema. (grinst)

Haben Sie nicht manchmal Angst, bereits im Voraus über neue Spielideen reden, sie der Öffentlichkeit preiszugeben, wohl wissend, dass jemand sie dreist kopieren könnte?

Wenn es möglich ist, eine Idee auch ohne eine Demo zu erklären, werde ich definitiv darüber sprechen, so wie ich es bei "The Movies" getan habe. Es gibt aber auch andere Ideen, etwa die Idee hinter einem meiner neuen Projekte namens "Dimitri". Sie würden mich für verrückt erklären, wenn ich Ihnen davon erzähle. Es klingt absolut wahnsinnig. In einem solchen Fall warte ich lieber, bis ich den Leuten etwas Handfestes zeigen kann.

Angenommen, Sie haben ein Team bestehend aus fünf Leuten und einen Zeitrahmen von zwei Monaten. Was für ein Spiel würden sie in dieser Zeit erschaffen, wenn sie dazu unter Androhung von Gewalt gezwungen wären?

Wissen Sie was - genau das habe ich schon getan. Damals entwickelte ich für Electronic Arts ein Rennspiel namens "High Octane". Wir haben das Spiel innerhalb von sechseinhalb Wochen auf die Beine gestellt, was komplett verrückt war. Müsste ich dasselbe noch einmal tun, würde ich etwas in die Richtung "Advance Wars" (ein Strategiespiel für den Game Boy Advance; Anm. d. Red.) entwickeln.

Hatten Sie jemals Alpträume von ihren eigenen Spielen?

Ja, absolut. Einmal hatte ich diesen Traum wo ich mit einer der Kreaturen in "Black & White" verheiratet war. Ich wachte auf, und da war diese Kuh. (Molyneux' PR-Frau lacht.) Ja, das war wirklich so... Von diesem Moment an war mir klar, dass wir dieses Spiel in der Tat schon eine ganze Weile zu lange entwickelt hatten.

Interview: Benedikt Plass, Medienagentur Plassma