Scheibes Kolumne Antonia installiert Vista


Sie hat sich zunächst heftig geweigert, aber stern.de-Macho Scheibe kennt keine Gnade: Chef-Gehilfin Antonia soll Windows Vista auf einem der Büro-Rechner installieren. Viele Kollegen warnen uns - und am Ende geht dann auch prompt gar nix mehr.

Früher war ich immer ganz vorne mit dabei. Eine neue Windows-Version? Musste ich haben. Ein neues Office? War sofort installiert. Bei Windows Vista streikte ich bislang. Der Grund liegt auf der Hand: Ich komme mit Windows XP bestens zurecht und kann es nach all den vielen Jahren inzwischen im Schlaf bedienen. Und nicht nur das: Bei Problemen weiß ich recht gut, an welcher Stelle ich suchen muss, um den Fehler wieder zu beheben.

Natürlich stellte sich bei der Einführung von Vista auch bei uns die Frage, ob wir wechseln sollen. Die Aussage, dass Vista aber schon wieder deutlich höhere Hardware-Anforderungen stellt als der Vorgänger, sorgte aber dafür, dass ich erst einmal ablehnend gestimmt war. Alle Rechner im Büro sind jetzt schon wieder zwei, drei Jahre alt. Das sind trotzdem schnelle, gute Maschinen - für Windows XP. Ich hatte wenig Lust darauf, zu Vista zu wechseln und mich dann wieder mit dem Problem auseinander zu setzen, dass die PCs das große Lahmen anfangen. Hinzu kamen Berichte von wenig neuen Funktionen, aber einem völlig anderen Dateisystem. Mein Arbeitsalltag ist so vollgestopft, dass ich keine Zeit mehr dafür finde, auch noch die Vista-Bedienung zu lernen.

Es führt kein Weg mehr vorbei

Vor ein paar Tagen kamen dann allerdings zeitgleich zwei Aufträge rein. Ich sollte für eine große PC-Zeitung eine Heft-CD mit Vista-Software zusammenstellen und zugleich für einen anderen Auftrag Screenshots von einem Vista-Programm anfertigen. Nun, das schrie jetzt doch nach einer Vista-Installation. Also nahm ich die frisch angeschaffte Vista-DVD zwischen Daumen und Zeigefinger und zeigte sie Antonia.

"Vista? Ach nö", jammerte sie dann auch sofort. Ich hielt ihr einen langen Vortrag, warum unser Büro nun endlich doch Zugang zum neuen Jahrtausend der Windows-Betriebssysteme bekommen muss und warum es ausgerechnet ihr eigener Büro-Rechner sein sollte, der zu vistarisieren ist. Meinen eigenen PC wollte ich nicht umrüsten, der von Marie wird auch als Mailing-Rechner benutzt, und der von Jeanine wird für die Buchhaltung verwendet. Das Risiko, ihre Einsatzfähigkeit zu beeinträchtigen, konnte ich nicht eingehen.

Antonia fügte sich dann doch und schob unter lautem Lamentieren und Jammern die DVD ins Laufwerk. Anschließend war Ruhe, und ich konnte in mein Büro wechseln, um endlich etwas zu arbeiten. Alles blieb auch ruhig, sodass ich die Angelegenheit regelrecht vergaß und ein paar Texte schreiben konnte. Als ich dann doch einmal ins Nachbarbüro wechselte, um nach der Post zu schauen, staunte ich doch sehr. Antonia hatte die Füße auf dem Tisch und las in der neuen "Bunte". Ich räusperte mich, aber sie tat nicht einmal ertappt. Stattdessen ratterte sie im genervten Tonfall herunter: "Vista verlangt nach zig Gigabyte Speicherplatz. Ich hab jetzt eine halbe Stunde lang alte Software gelöscht, um den Speicherplatz bereitzustellen. Jetzt wird Vista installiert. Seit Ewigkeiten schaue ich jetzt schon auf den Fortschrittsbalken. Momentan bezahlst du mich im übertragenen Sinn dafür, Farbe beim Trocknen zuzuschauen."

Da bewegt sich etwas auf dem Schirm

Tatsächlich, da bewegte sich etwas langsam auf dem Bildschirm. Hmmm. Ich mag es nicht, wenn etwas so lange dauert. Ich wechselte wieder in mein Büro, um weiter zu arbeiten, während Antonia sich durch die "Bunte" schmökerte. Nach gut einer Stunde regte sich dann endlich wieder etwas in Antonias Büro. Ihr Gesicht erschien im Türrahmen: "Alles schwarz", meldete sie mit leichten Depressionsanklängen in der Stimme. Ich ahnte das Schlimmste und eilte nach drüben. Fakt war, dass Vista sich fertig installiert hatte und nun beim Neustart nicht die eigene Oberfläche aufrufen konnte, sondern irgendwie abstürzte und dabei den Bildschirm einschwärzte.

Und nun?", fragt Antonia. Ich schüttelte unwillig den Kopf. Keine Zeit, mich jetzt auf Stunden an einer Windows-Vista-Installation festzubeißen. Und so beauftragte ich Antonia, sich weiter alleine um die Sache zu kümmern. "Ich hab's ja gleich gesagt", jammerte sie. Aber dann wuselte sie so schnell hin und her, dass ich es mit der Angst zu tun bekam und mich lieber wieder an meinen Schreibtisch verkroch.

Zwei Stunden später bekam ich dann auch schon einen neuen Zwischenstand spendiert. "Also", fing Antonia an. "Zum Glück habe ich Vista parallel zu XP installiert, so konnte ich den Rechner wieder im alten Modus hochfahren und ihn wieder zum Laufen bekommen. Ich habe mir dann den Vista Helpdesk angesehen. Anscheinend macht der Treiber der Grafikkarte Probleme unter Vista. Ich hab dann den aktuellen Treiber heruntergeladen und ihn installiert. Anscheinend reicht das aber auch noch nicht aus. Der Bildschirm bleibt leider schwarz. Und wenn ich zurückkehre zum alten XP, geht die Internet-Verbindung nicht mehr."

Erstmal XP wieder reparieren

Ich war schockiert. Das mit der Internet-Verbindung unter XP war nicht ganz soooo schlimm, da Antonia sonst immer so grausige Online-Radiosender mit Schubidu-Popmusik hörtt. Trotzdem: Wir kriegten das mit Vista nicht hin. Das Ganze hatte uns schon wieder einen Tag Arbeitszeit gekostet, und Antonias Rechner ging auch nicht mehr richtig. Also gaben wir es erst einmal auf und reparierten lieber den PC so weit, dass Internet unter XP wieder geht. Auch wenn das bedeutete, dass ich nun wieder Antonias schlimme Musik hören musste.

Ansonsten beschloss ich, lieber einen billigen neuen PC zu kaufen, auf dem Vista schon vorinstalliert ist. Das ist bestimmt einfacher als das Gekrepel mit dem Update. Vielleicht wäre das etwas für ein neues Firmen-Notebook? Das könnte einen Austausch durchaus vertragen. Allerdings hat es mir bislang in allen Urlauben der letzten Jahre treue Dienste geleistet und verdient es noch nicht, zum Dank aufs Altenteil gelegt zu werden. Ganz egal: Vista wandert erst einmal in die Schublade. Bis zum zweiten Versuch. Die Aufträge müssen wir dann auf andere Weise vollenden.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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