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Scheibes Kolumne: Im Land des Elektroschrotts!

stern.de-Kolumnist Scheibe ärgert sich: Zurzeit geht alles kaputt oder funktioniert einfach nicht so, wie es sein soll. Wenn Notebooks, Digitalkameras, Tastaturen oder Kopierer schon bald nach dem Kauf erste Macken zeigen, kann sich Scheibe nur verzweifelt die Haare raufen. Wenn er davon nur noch genügend hätte.

Ich liebe neue Technik. Wann immer es etwas Neues gibt, juckt es mich in den Fingern und ich möchte es am liebsten sofort haben. Würde es alle neuen Bestseller auf Deutsch gleich auch als E-Book geben, hätte ich schon längst so ein komisches Lesegerät.

Wenn sich alle Tasten plötzlich auflösen

Leider hatte ich zuletzt kein gutes Händchen, wenn es um meine Einkäufe geht. Es kann aber auch sein, dass die Qualität der Geräte immer mehr nachlässt. Das sehe ich zurzeit wieder an meiner Tastatur. Ich tippe den ganzen Tag, manchmal viele Stunden am Stück. Da gewöhnt man sich schnell die eine oder andere Marotte an. Meine ist die, dass ich nur auf ultraflachen Tastaturen schreiben kann, wie man sie etwa bei den Notebooks vorfindet.

Während die Tastatur meines Notebooks "hält", können die ultraflachen Tastaturen für meinen Desktop-Rechner einfach nicht überzeugen. Hier gehen ständig die weißen Buchstaben auf den Tasten ab. Dabei ist es ganz egal, ob ich ein Billig-Schreibbrett einkaufe oder die Luxusvariante für mehr als 100 Euro wähle. Schon bald sind die Tasten mit dem A, dem N und dem E nicht mehr zu lesen. Das ist okay, solange ich fröhlich blind vor mich hinschreiben kann. Bei der Eingabe von Passwörtern muss man sich aber schon deutlich mehr konzentrieren. Wenn ich da nicht klar ablesen kann, wo die Taste für das O sitzt und wo die Taste für das T, dann gibt es Probleme.

Ich habe schon alles ausprobiert. Nagellack auf die Tasten. Die Buchstaben mit weißem Edding nachschreiben. Aber nix funktioniert. Inzwischen tausche ich die Tastatur einfach regelmäßig um.

Kein Saft mehr auf den Fotoapparaten

Ich habe mir vor Jahren so eine kleine ultraflache Digitalkamera geholt, die in jede Hosentasche passt und auf allen Wegen dabei ist. Irgendwann kam ich dann auch nicht mehr am Nachfolgemodell mit mehr Megapixel vorbei und legte mir auch dieses Gerät zu. Nun habe ich das Problem, dass die Akkus streiken. Bei der neuen Kamera kann ich machen, was ich will. Das einzige Lebenszeichen, das ich ihr noch entlocken kann, ist das Ein- und Ausfahren des Objektivs. Dann ist auch schon Schluss. Bei der alten Kamera reicht der Saft der Akkus, um das aktuelle Datum einzustellen und ein paar Probeschnappschüsse zu machen. Dann ist es auch schon wieder vorbei mit Fotografieren.

Längst habe ich mir einen Ersatzakku besorgt und versucht, die Kameras damit wieder zu neuem Leben zu erwecken. Aber Pustekuchen. Es haut einfach nicht hin, da kann ich den Akku auch über Nacht im Ladegerät lassen. Vielleicht ist ja auch das Ladegerät kaputt. Diese ständige Herumraterei, woher ein Problem denn nun kommt, habe ich aber inzwischen satt. Ich denke, ich werde die neue Kamera einfach wieder zurücksenden und mir von dem Geld ein Gerät von einem anderen Hersteller kaufen.

Der Kopierer lebt nur noch dank Klebeband

Unser Kopierer im Büro war kein teurer. Trotzdem ist es erstaunlich, wie schnell er auseinanderfällt. Schon nach einigen Wochen ist das ganze Plastikchassis gebrochen. Sicherlich haben wir die Papierkassette ein paar Mal zu hart herausgezogen und wieder hineingepresst. Nun ist es leider so, dass der Kopierer das Drucken verweigert, wenn sein Inneres nicht hermetisch abgeriegelt ist. Und so müssen wir immer wieder versuchen, das zerbröselnde Gehäuse richtig in Form zu bekommen - mit Paketklebeband und einigen selbstgebauten Versteifungen. Diese Eigenleistungen in Sachen Reparatur halten aber immer nur ein paar Tage. Wir mögen unseren Kopierer alle sehr. Ein Blick ins Internet zeigt aber, dass das Modell längst nicht mehr hergestellt wird. Schade.

Auf dem Notebook: Vista macht, was es will!

Mein Notebook ist schick, schnell und ein arbeitsames Baby - dabei war es nur ein Viertel so teuer wie mein altes. Er arbeitet trotzdem sehr zuverlässig, wenn nur zwei Macken nicht wären. Die erste: Mein Outlook 2007 verfällt alle paar Minuten in eine Schockstarre, während der sich keine Arbeiten mehr durchführen lassen. Während ich mitten im E-Mail-Schreiben auf einmal Däumchen drehen muss, bleibt genügend Zeit zum Nachforschen. Und so finde ich heraus, dass in der Taskleiste über dem Outlook-Icon steht: "Outlook synchronisiert Ordner". Warum tut Outlook das? Und wie stelle ich es ab? Denn ich möchte nix synchronisiert haben. Ich benutze auch keinen Exchange Server oder so etwas in der Art. Ich könnte ausrasten. Mein altes Outlook hat das nie gemacht.

Ärgernis Nummer zwei. Ich kann iTunes und mein Homebanking-Programm nicht installieren, weil mein Notebook mir sagt, ich hätte dafür nicht die nötigen Administrator-Rechte. Aber ich bin doch der Chef im Ring, wie mir ein Blick ins System zeigt. Ich bin der Admin und kein Gast! Ich recherchiere im Web und finde heraus, dass manche Hersteller beim ersten Einrichten von Vista eine Art Über-Admin auslösen und dafür auch ein Passwort vergeben. Da der Endanwender davon nix weiß, hat er keine Chance mehr, diesen Fauxpas zu korrigieren und muss sich mit der normalen Admin-Ebene zufrieden geben. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich habe nach 20 Jahren des PC-Frickelns keine Lust mehr darauf, mich noch einmal mühsam in die Fachlektüre einzulesen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania