Scheibes Kolumne Panik-Shopping im Internet


Stern.de-Kolumnist Scheibe macht Urlaub. Einmal mehr bricht kurz vor dem Abflugdatum die nackte Panik aus. So viel ist noch zu erledigen, so viel noch zu besorgen. Um einige Wege zu sparen, nutzt Scheibe einmal mehr das Internet. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Eben waren es noch Wochen bis zum Jahresurlaub, jetzt sind es nur noch wenige Tage. Ich bin selbstständig, was so viel bedeutet, dass man selbst arbeitet und das auch noch ständig. Ein ganzes Spieleheft muss noch geschrieben werden, das sind zehn Druckseiten pro Tag. Dazu kommen noch die Shareware-Rezensionen für stern.de und diverse kleinere Aufträge. Aber wie hieß es schon so nett an der Universität: "Reicht der Tag nicht aus, dann nehmen wir eben auch noch die Nacht hinzu." Oder: "Wer als erster nach Hause geht, ist eine Lusche." Professoren sind immer gut im Motivieren. Jetzt muss ich mich selbst motivieren, noch ein paar Tage lang durchzuhalten, bevor ich mich endlich an den Strand legen darf.

Extra-Power für den iPod

Doch es sind noch viele Dinge zu erledigen, die etwas mit dem Urlaub zu tun haben. Leider schaffe ich es zeitlich absolut nicht mehr, nach Berlin reinzufahren, um noch dieses oder jenes zu kaufen. Und so muss das Internet als Notnagel herhalten. Zunächst besuche ich den Online-Shop Computer Universe. Hier finde ich ein Batterie-Extrapack für meinen iPod. Ich habe nämlich absolut keine Lust, meine Docking-Station mit in den Urlaub zu nehmen und dafür dann auch noch einen Adapter für die türkische Steckdose zu kaufen. Das Batterie-Pack wird einfach mit vier handelsüblichen Batterien gefüttert und lässt sich mit Saugnäpfen am iPod befestigen. So habe ich 12 Stunden lang Extrapower. Und Batterien kann man überall kaufen. Bei Computer Universe läuft der Kauf vorbildlich ab. Ich bekomme eine Bestätigungs-Mail, dass meine Order eingetroffen ist, und eine zweite, als mein Batterie-Pack in die Post geht. Eine Woche nach der Zustellung der Waren werde ich außerdem darum gebeten, Lob und Tadel im Rahmen einer Online-Kundenbefragung zu äußern. Das mache ich doch gerne.

"Diese Jeans kommen nicht mit in den Urlaub!"

Meine Frau schaut sich derweil meine Jeans an. "Die kannst du aber nicht mit in den Urlaub nehmen", mäkelt sie. Ja, warum denn nicht? Fürs Büro sind sie doch auch noch gut genug. Ich ernte kein Erbarmen. An den Hosenenden seien sie bereits durchgelaufen, weil ich immer nur Socken im Büro anhätte und dann immer auf die Hosennähte latschte. Und außerdem seien sie so oft gewaschen worden, dass sie ganz ausgeblichen aussähen. Na gut, ich sehe es ja ein. Dieses Mal besuche ich den Noble House, auch, weil ich da per E-Mail einen 15-Euro-Gutschein bekommen habe. Bei diesem Online-Modehaus bekomme ich Hosen und Hemden von Boss, Versace, Lagerfeld und anderen Nobelfirmen zu guten Preisen. Schnell schaue ich in meiner alten Jeans nach der Bundweite und der Länge. Schnell habe ich ein paar Schnäppchen gefunden und bestelle zwei Hosen und drei Hemden, von denen ich denke, dass sie gut zum Pool und zum abendlichen Gala-Essen passen werden.

Ich staune allerdings, als es zum Kleingedruckten kommt. Die Lieferung kann schon einmal gute zwei Wochen dauern. Ich löhne per Vorauszahlung. In das Mitteilungsfeld schreibe ich aber hinein, dass ich in einer Woche verreise und mich - bitte, bitte! - über eine schnelle Bearbeitung freuen würde. Einen Tag später bekomme ich eine Mail, dass mein Geld angekommen ist. Noch einen Tag später ruft mich ein Mitarbeiter aus Italien an. Er habe meine Bestellung schon zusammen, müsse aber zwei Dinge auswechseln, damit er sie auch wirklich gleich rausschicken könne. Ansonsten müsse ich noch zwei Tage auf eine Lieferung warten. So nehme ich ein Hemd in einem anderen Rot und eine Jeans nicht in dunkelblau, sondern in den Farben Salz und Pfeffer, was immer das auch sein mag. Egal, ich habe ja ein Umtauschrecht. Angesichts meiner Panik verspricht der Mitarbeiter, mir mein Paket per Eilpost zuzusenden. Ich bin begeistert.

Futter für die Fische

Jetzt muss ich mich noch um mein Aquarium kümmern. Da sind Stichlinge aus dem Gartenteich drin, die wir noch als Babys rausgefangen und dann großgezogen haben. Die Fische sind unglaublich schnell gewachsen - vier dicke Stichlinge schwimmen jetzt noch im Becken hin und her. Während meines Urlaubs müssen die Mitarbeiter die Stichlinge füttern. Nur - womit? Ich schaffe es nicht mehr zum Zooladen um die Ecke und besuche deswegen den Online-Shop Interaquaristik. Hier finde ich alles, was ich für mein Aquarium brauche. Per Mausklick bestelle ich mir noch ein paar Wasserpflanzen, zehn Süßwassergarnelen, zwei Apfelschnecken und ein wenig Trockenfutter. Hinzu kommen vier Tüten Wasserflöhe, die man notfalls auch in den Kühlschrank legen kann, bis sie benötigt werden. Die Stichlinge fressen Wasserflöhe für ihr Leben gerne, also bitte ich die Mitarbeiter, die Fische damit zu füttern.

Ich bezahle als Neukunde auch hier per Vorauskasse. Dummerweise dauert es im Shop über eine Woche, bevor ich endlich eine E-Mail bekomme, dass mein Auftrag bearbeitet wird. Eine ganze Woche: Das ist mir ehrlich gesagt viel zu lang. Vor allem dann, wenn es um Futter geht. So lange können meine Stichlinge auch nicht hungern. Immerhin ist die Ware am nächsten Tag da - und so gut verpackt, dass Pflanzen und Tiere keinen Schaden genommen haben.

Wenn das Internet nicht mehr hilft...

Zum Ende hin der große Schock: Morgens komme ich in das Büro und das Aquarium ist leck. Der ganze Schreibtisch schwimmt bereits in einer riesigen Pfütze Wasser. Alle Papiere sind aufgeweicht. Zugleich tropft es stetig aufs Parkett. So ein Mist. Jetzt hilft mir das Internet auch nicht mehr weiter. Ich muss doch noch ins Auto steigen - und im Baumarkt um die Ecke ein neues Aquarium kaufen.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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