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Scheibes Kolumne: Schatz, wir geben zu viel Geld aus!

Ein Blick aufs Konto zeigt: Die Zahlen sehen in roter Farbe nicht besonders schön aus. Klarer Fall: Die Familie gibt viel zu viel Geld aus. Der Schuldige ist schnell gefunden: Die Ehefrau ist's, die beim Einkauf mit den Penunsen nur so um sich wirft. Stern.de-Kolumnist Scheibe versucht es besser zu machen!

Schon Onkel Dagobert hat es trefflich ausgedrückt: "Gut gespart ist wie verdient." Man sieht ja an der Füllhöhe seines Geldspeichers, dass dieses Denken wirklich etwas bringt. Und wie sagte schon John D. Rockefeller: "Lieber eine Stunde über Geld nachdenken als eine Stunde für Geld zu arbeiten."

Ein Blick auf meinen privaten Kontostand zeigt, dass in unserer Familie niemand so richtig über Geld nachdenkt. Wozu denn auch, es ist ja immer genug da. Und wenn nicht, gibt es ja den Dispokredit, den man erst noch ausreizen kann. Hebe ich aber angesichts der Moneten-Ebbe zu einem großen Vortrag über Sparen und der Endlichkeit unserer Finanzen an, schauen mich Ehefrau, zwei Kinder und ein Hund mit verständnisloser Miene an. Mein Gott, wenn sie einen Stecker in die Steckdose stecken, dann kommt da ja auch genug Strom heraus. Drehen sie den Wasserhahn auf, fließt Wasser - und zwar endlos. Warum soll das bei einem Konto und dem Geld auf einmal anders sein?

Mein Detektiv, die Banking-Software

Angesichts der Tatsache, dass das Privatkonto viel zu oft zum Ende des Monats hin ins Miese dreht, haue ich mit der Faust auf dem Tisch. Hier bewährt sich als hilfbarer Detektiv das Online-Banking. Aus meiner Banking-Software extrahiere ich mit einigen Mausklicks im Nu alle in den letzten vier Wochen erfolgten Zahlungen und exportiere sie nach Excel. Im Nu filtere ich etwa alle Lebensmitteleinkäufe aus und summiere sie. Das Ergebnis lässt mich erst bleich und dann rot werden. Mein Gott, mit der Summe könnte man doch den ganzen Ort durchfüttern. Und das mit Gänsebraten am Wochenende.

Es gibt eine Rede. Von mir. Vor der versammelten Mannschaft. Dem Hund streiche ich sein dänisches Lachsfutter und drohe ihm mit Billigfraß aus der Tiermehlfabrik. Die Kinder müssen auch Opfer bringen. Hort ist gestrichen, Schulessen ist gestrichen, Micky-Maus-Abo ist gestrichen. Meine Frau kriegt eine Pudelmütze. Wer die aufsetzt, muss nicht mehr zum sauteuren Friseur gehen. Haare, die unter der Mütze vorlinsen, werden abgeschnitten. Das schaffen wir auch selbst. Ansonsten wird ab sofort nur noch einmal die Woche eingekauft, im billigsten Laden. Real statt Kaisers. Aldi statt Edeka. Und teures Obst und Gemüse ist ganz gestrichen. Frische wird überbewertet, Vitaminpillen tun es auch.

Atemlos halte ich inne und keuche auf mein Skript. Sicherlich habe ich gerade mit einer Rede tausend Euro im Monat gespart. Die Familie schweigt ergriffen. Dann fragt meine kleine Tochter: "Mama, ist der Papa jetzt krank im Kopf?" Mama will den Kopf schütteln, hält dann aber in der Bewegung inne. Sie denkt nach.

Das ist ja so billig

Ich winke ab. Mir hört ja doch niemand zu. Also streiche ich statt bei der Familie bei mir und übernehme auch erst einmal selbst die Besorgung aller Einkäufe, damit ich das besser unter Kontrolle habe. Statt meinem geliebten Red Bull gibt es ab sofort nur noch Ener-G zum viertel Preis. Beim Fleisch lasse ich eine Scheibe weg. Süßigkeiten sind verboten und auch die Coca Cola weicht dem Mineralwasser aus der Flasche für 40 Cents. Bei Nudeln, Konserven und Spaghettisaucen verzichte ich mit einem finanzbewussten Kichern auf die bekannten Marken und greife stattdessen lieber zu No Name. Unglaublich, dass die eine Milch nur 55 Cents kostet und die andere bereits einen ganzen Euro. Und dass es Tiefkühlbrötchen für einen Euro die Tüte gibt, während die anderen Brötchen daneben glatt das Doppelte kosten.

Ich jauchze und frohlocke. Das ist ja alles so billig, dass ich am Ende sicherlich gar nichts mehr bezahlen muss. Der Abtastlaser an der Kasse belehrt mich leider eines Besseren. Am Ende habe ich gegenüber dem normalen Wocheneinkauf gerade einmal zehn Euro gespart. Was, mehr nicht? Enttäuscht fahre ich nach Hause. Meiner Familie sage ich, ich habe statt 100 Euro nur 50 ausgegeben. Um dann gönnerisch zu verkünden, dass rote Zahlen doch eigentlich ganz trendy sind und dass es doch ganz schön kleinkariert ist, so auf den Cent zu achten. Anschließend delegiere ich das Einkaufen wieder an meine Frau. Meine Tochter freut sich: Anscheinend muss der Papa doch nicht in die Klappse. Nur mehr verdienen muss er. Das Hundefutter aus Dänemark ist nämlich schon wieder alle...

Eine Glosse von Carsten Scheibe,
Typemania

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