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Scheibes Kolumne: Sex für Doofe

Kolumnist Carsten Scheibe trifft sich mit Robert, Cookie und Jörgi zum genüsslichen japanischen Schmaus. Dieses Mal geht es um ein altbekanntes Thema: Sex im Internet. Doch die Beteiligten lassen sich nicht länger veräppeln.

Kolumnist Carsten Scheibe trifft sich mit Robert, Cookie und Jörgi im Daitokei zum genüsslichen japanischen Schmaus. Beim Stäbchenessen geht es dieses Mal um ein altbekanntes Thema: Sex im Internet. Doch die Beteiligten lassen sich nicht länger veräppeln.

Nobelseiten sind rar gesät

"Wisst ihr was, Freunde", eröffne ich den Reigen und proste meinen Freunden mit einem Glas japanischem Bier zu: "Sex im Internet, das könnt ihr inzwischen völlig vergessen." Jörgi, Robert und Cookie nicken wissend, aber nicht besonders intensiv. Eben so wie Jungs, die niemals zugeben würden, dass sie Sexseiten im Internet anwählen, wenn sie mal ganz alleine am Rechner sind.

Ich greife zum heißen Reiswein und schütte mir ein paar Tropfen Sake in die kleine Schale. "Früher, da gab es noch echt coole Erotik im Internet. Da gab es die deutsche Ausgabe des literarischen Schmutzmagazins Nerve, Willy Online und viele andere ambitionierte Seiten. All die richtig guten Projekte sind inzwischen eingestellt worden und der reinen Pornomafia gewichen. Und die zieht einem schneller den Zaster aus der Tasche, als man ihn wieder nachfüllen kann."

Robert erhebt die Hand: "Nun mal langsam. Es gibt doch noch tolle Seiten wie Club21.de oder Bellaragazza.de, die scharfe Sachen oft zum Nulltarif bieten, den Jugendschutz bedenken und Wert auf Qualität legen." Ich winke ab: "Die kannst du locker an zwei Händen zusammenzählen, die verbliebenen Nobelseiten aus Deutschland."

"So richtig aufregend ist das nicht"

Ich beuge mich vor, während der japanische Koch direkt bei uns am Tisch die Messer wetzt, die Tischkochplatte vorbereitet und ein wenig Knoblauchbutter auf ihr verteilt. "Was ist denn übrig geblieben: Nur noch absoluter Schmutz. Es gibt inzwischen Millionen von harten Pornoseiten, die auf den Eingangsseiten mit allen nur erdenklichen Körperöffnungen aufwarten. Wer dann mehr sehen möchte, muss bis zu 30 Euro im Monat blechen." Jörgi nickt versonnen: "Oder vierzig. Nicht, dass ich mich da auskenne. Dafür bekommt man doch dann aber auch zigtausend Sexfotos, viele hundert digitalisierte Videos und jede Menge anderen Schweinkram. Habe ich gehört." "Hast du das Geld mal bezahlt und hinter die Kulissen gesehen? Die meisten Sexclubs weisen hinter dem Portal nur eine absolut stümperhaft zusammengeschusterte Oberfläche auf. Hier gibt es zwar in der Tat zigtausend Fotos. Die muss man aber alle einzeln anklicken, um sie aufzurufen. Das dauert selbst mit DSL ewig, bis man sich da auch nur 100 Bilder angeguckt hat. Und dann gehören auch noch 300 Bilder zu einer Serie: Von Bild zu Bild gibt es kaum Unterschiede in der Körperhaltung. So richtig aufregend ist das auf Dauer nicht."

Cookie meldet sich: "Ich werde immer nur einen Monat lang Mitglied, nutze dann einen Bilder-Sucker, um mit der Software alle gesammelten Bilddateien auf einmal herunterzuladen. Und dann trete ich wieder aus dem Club aus. So habe ich inzwischen über 50.000 Sexbilder gesammelt."

Jörgi schaut über das Bierglas: "Weiß deine Frau davon?" Cookie schweigt. Der Koch versteht anscheinend Deutsch. Schweißperlen erscheinen auf seiner Stirn, die Hand zittert, als er die geschmolzene Butter auf der Platte verteilt und damit beginnt, frische Jakobsmuscheln zu braten.

Ich stürze meinen Sake herunter: "Alles Schummel. In Amerika sind gerade wieder Betreiber eines Sexclubs aufgeflogen, die mit den Kreditkartendaten der Kunden mehrere Millionen Dollar abgezockt haben. Sexclubs sind out. Es ist alles so Nullachtfuffzig. Die einzige, die es bringt, ist Danny Ashe, die am meisten downgeloadete Frau der Welt. Ihr Danni.com bringt Fotos, Online-Magazine, Live-TV-Shows und viele andere Formate unter einen Hut. Und das Witzige: Männer kommen auf der Homepage gar nicht vor. Das ist klinisch reine Erotik mit Geschmack." Robert schnaubt: "Als ob du Niveau hättest."

Schlüsselloch-Erotik

Jörgi schaut betreten zu Boden, vielleicht visiert er aber auch nur die schneeweißen Jakobsmuscheln an, die langsam braun werden und einen herrlichen Duft ausströmen: "Ich steh ja mehr auf Liveshows".

Cookie kennt sich da aus: "Ich bitte doch, Jörgi, wie kann man nur? Die Live-Shows kann man sich doch oft nur mit dem Dialer anschauen. Der saugt einem locker anderthalb Euro pro Minute vom Konto. Bis sich alleine die Grafik im Browser aufgebaut hat, sind die ersten Euros bereits verbraucht. Dann haste ein winzig kleines Fenster, in dem sich irgendeine Schnecke räkelt. Bis die mal endlich zeigt, was sie hat, sind zehn Minuten schon wieder vorbei. Sind 15 Euro gleich 30 Mark. Die meisten Onliner brauchen 30 Minuten, um ans Ziel zu kommen. Das sind dann schon 45 Euro, also 90 Mark. Das Geld ist mir ein bisschen zu schade für Ruckelerotik, bei der ich mir angesichts der Bildergröße vorkomme, als würde ich durch das Schlüsselloch schauen."

Der japanische Koch hat die Jakobsmuscheln auf die Teller verteilt. Robert schmatzt, dass ihm die Butter übers Kinn läuft.

Jörgi muckt auf: "Ich hab da so eine Liveshow, die wähle ich immer an, da gibt es 13 Shows gleichzeitig. Vom Striptease russischer Studentinnen bis hin zur fernöstlichen Solonummer."

Der japanische Koch hebt eine Augenbraue und bereitet das flambierte Tappaneis zur Nachspeise vor. Jörgi macht weiter: "Da wechsle ich dann immer alle zehn Sekunden von einer Show zur anderen. Bei einer der Cams gibt es ganz bestimmt gerade satte Action." Robert ist fassungslos: "Da verballerst du dann locker 50 Euro an einem Abend. Wäre es da nicht spaßiger, lieber mit uns schön essen zu gehen?"

Cookie flirtet gern virtuell

Cookie ist anscheinend romantischer veranlagt: "Ich flirte lieber. Es gibt doch herrliche Online-Seiten, auf denen ich blutjungen Frauen meine intimsten Geheimnisse mailen kann. Und das online veröffentlichte Foto zeigt mir bereits auf, wie die Schnecke aussieht.

"Und der bärtige Fernfahrer, der hinter der holden Jungfer steckt, freut sich wie Bolle." Robert ist empört über so viel Naivität beim Umgang mit dem Internet. Ich kenne mich auch ein wenig aus: "Und am Ende möchte die Dame deines Herzens per SMS mit dir flirten. Nur dass jede SMS auf einmal zwei Euro kostet. Alles Abzocke, sage ich dir."

Der japanische Koch nickt verhalten. Anscheinend hat auch er bereits Erfahrungen gesammelt. Er greift zum Feuerzeug, macht das Licht aus und setzt den Tisch in Flammen. Das Tappaneis schmilzt im brennenden Alkohol.

Cookie: "Aber Yvonne gibt es wirklich. Hab sie im Internet kennen gelernt und sogar schon mit ihr telefoniert." Jörgi lacht: "War früher sicherlich mal ein Mann. Und hat jetzt noch wollige Haare auf den Beinen." Robert stimmt ein: "Und auf dem Rücken."

Robert ist dran. Wir haben alles aufgegessen. Der Koch hat den Tisch saubergemacht, die Heizspule ausgestellt und uns alleine gelassen. Mit frischem Bier und einer Karaffe Sake geht es gleich wieder munter zur Sache: "Sexclubs und Liveshows sind doch Killefit. Ich habe die wahre Quelle entdeckt, aus der der pure Sex nur so sprudelt." Wir lehnen uns neugierig nach vorne.

URL für alle

Robert: "Ich habe eine Seite im Internet gefunden, da kann man sich einen Deluxe-Pass für etwa 30 Dollar im Monat ausstellen lassen. Und mit dem hat man rund um die Uhr Zugriff auf zig hundert legal digitalisierte Sex-DVDs im AVI-DivX-Format. Ein Film ist so um die 700 MB bis 1,4 GB groß. Sauge ich mir mit DSL in einer Nacht herunter. Man kann sich aber auch die besten Szenen als 200-MB-Dateien downloaden. Der Besuch im peinlichen Bereich der Videothek fällt also flach und mit der Zeit sammle ich mir das größte Sexarchiv aller Zeiten zusammen." Cookie staunt: "Wollen wir tauschen? Meine Bilder gegen deine Filme?"

Das ist natürlich der Hammer. Wir wollen alle die URL haben. Da kommt der Koch um die Ecke: "Ihl seid alles kleine Felkel. Immel nul Sex im Kopf. Kann ich die ULL auch haben?" Wir müssen lachen. Der Koch, der das "R" natürlich problemlos sprechen kann, ist schon in Ordnung. Wir schreiben ihm die URL auf den 10-Euro-Schein Trinkgeld und machen uns auf, um nach Hause zu gehen. Schade, dass wir noch nicht alle DSL haben.

Carsten Scheibe
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.