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Videospielbranche: Branche will europäische Messe

Die beiden rivalisierenden Videospielemessen in Leipzig und Köln könnten bald weitere Konkurrenz bekommen. Führende europäische Videospielunternehmen beführworten ein Konzept für eine stark auf ganz Europa ausgerichtete Leistungsschau.

Von Arndt Ohler

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" könnten die beiden rivalisierenden Videospielmessen in Leipzig und Köln bald weitere Konkurrenz bekommen. Ein von führenden europäischen Videospielunternehmen beführwortetes Konzept würde eine auf ganz Europa ausgerichtete Leistungsschau sein.

"Es gibt solche Bestrebungen", bestätigte ein europäischer Topmanager. "Das Thema wird jetzt vom europäischen Verband aufgegriffen", so der Manager unter Verweis auf die Interactive Software Federation of Europe mit Sitz in Brüssel. Allerdings sei eine derartige Veranstaltung frühestens im Jahr 2010 denkbar.

Bis zum vergangenen Sommer hatte sich die Videospielbranche ausschließlich in Leipzig zur Games Convention getroffen. Dieses Jahr hatte der Branchenverband BIU beschlossen, die Veranstaltung nach Köln zu verlagern. Im BIU sind 13 in Deutschland führende Videospielanbieter vertreten. Nun buhlen beide Städte um Aussteller. Die Messen in Köln und Leipzig sollen vom 19. bis 23. August stattfinden.

Die unterschiedlichen Pläne sowie die Beharrlichkeit Leipzigs sind verständlich. Die Games Convention war eine der erfolgreichsten Messen der vergangenen Jahre. Kamen beim Start der Veranstaltung im Jahr 2002 rund 80.000 Besucher nach Leipzig, waren es dieses Jahr 203.000. Insgesamt 547 Unternehmen stellten ihre Produkte aus. In Köln reicht mit der Motorradmesse Intermot nur eine der dortigen Messen an diese Besucherzahl heran. Neben Köln hatten auch die Messebetreiber aus Frankfurt, Hamburg und München um die Videospielmesse geworben.

Veranstalter Koelnmesse will die Gamescom bereits bei ihrer ersten Auflage in Köln europaweit etablieren. "Wenn die Veranstaltung funktioniert, wird die Branche eine Leitmesse haben, bei der ich nicht denke, dass in Europa weiterer Platz ist", sagte Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Kuhrt.

Mit ihrem neuen Konzept für die Gamescom wollen die Kölner mehr Besucher als in Leipzig anlocken. "Wir werden ein Games-Festival in der Stadt veranstalten", kündigte Kuhrt an. So sollen vor allem Gelegenheitsspieler begeistert werden. Zudem soll es einen vom Land NRW unterstützen Kongress geben.

Ansonsten orientieren sich die Gamescom-Macher am Konzept aus Leipzig. So wird es auch in Köln im Vorfeld der Messe eine Entwicklerkonferenz geben. "Wir gehen davon aus, dass es uns gelingen wird, weit über 200.000 Besucher zu bekommen", sagte Messegeschäftsführer Kuhrt. Die Branchenvertreter sind optimistisch: "Das Einzugsgebiet ist so groß, dass die Chance besteht, mehr Besucher nach Köln zu bekommen", sagte Nintendo-Deutschlandchef Bernd Fakesch.

Doch die Leipziger Messe gibt sich nicht geschlagen. "Wir erfahren große Unterstützung aus der Branche", sagte Messe-Chef Wolfgang Marzin. Durch die Konkurrenz mit Köln sowie auf europäischer Ebene erwartet der Manager eine Neuordnung. Neben Veranstaltungen in den USA und Asien sei künftig wohl nur Platz für eine deutsche Veranstaltung sowie eine europäische Videospielmesse.

FTD