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Webcam-Skandal in den USA: Behörde machte Zehntausende Aufnahmen von Schülern

Der Skandal um ausspionierte Schüler in den USA nimmt neue Dimensionen an. Eine Schulbehörde hat per Webcam heimlich Zehntausende Fotos von Nutzern der schuleigenen Laptops gemacht. Auf den Servern wurden auch intime Aufnahmen gefunden.

In den USA sorgt eine Bespitzelung durch eine Schulbehörde von Schülern mit schuleigenen Laptops für Schlagzeilen. Auf den Servern der Behörde seien insgesamt 56.000 Aufnahmen sichergestellt worden, darunter neben Fotos auch sogenannte Screenshots von den Computer-Bildschirmen, bestätigte der Anwalt des Schulbezirks Lower Merion in Philadelphia am Montag. Mit dieser zuerst von der Zeitung "Philadelphia Inquirer" gemeldeten Zahl nimmt der bereits im Februar aufgedeckte Skandal eine neue Dimension an.

Dass Schüler per Webcam ausgespäht wurden, wurde im Februar durch die Klage eines Betroffenen bekannt. Blake Robbins erfuhr von den Aufnahmen, als er im November von der stellvertretenden Schulleiterin in deren Büro bestellt und mit einem offensichtlich an seinem heimischen Schreibtisch entstandenen Foto konfrontiert wurde. Die Vize-Rektorin wertete das Bild als Hinweis, dass der Junge mit Drogen handele. Robbins zufolge hielt sie ein auf dem Foto sichtbares Bonbon fälschlicherweise für eine verbotene Tablette.

Die für zwei Schulen zuständige Bezirksverwaltung musste anschließend einräumen, dass ihre Techniker von Zeit zu Zeit die Webcams an schuleigenen Laptops per Fernsteuerung aktivierten. Nach Darstellung der Behörde geschah dies, um vermisste Computer wiederzufinden. Der Schüler Robbins hatte das Laptop mit nach Hause genommen, ohne die dafür eigentlich erforderliche Versicherungsgebühr zu zahlen.

400 Fotos in zwei Wochen

Nach Angaben von Robbins' Anwalt Mark Haltzman wurde sein Mandant im vergangenen Herbst über einen Zeitraum von zwei Wochen rund 400 Mal fotografiert. Einige der Aufnahmen zeigten ihn schlafend oder halbnackt, sagte Haltzman. Überdies habe die Schulbehörde mit den Screenshots, also den Aufnahmen des Computerbildschirms, auch Chat-Diskussionen zwischen Robbins und seinen Freunden erfasst.

Der Anwalt der Schulbehörde, Henry Hockeimer, erklärte dazu, das Webcam-Programm habe automatisch alle 15 Minuten zwei Aufnahmen gemacht - einen Screenshot und ein Foto von der Umgebung des Computers. Das Programm sei teilweise wochen- oder monatelang am Stück gelaufen, sagte Hockeimer. Von den insgesamt 56.000 Aufnahmen stammten über die Hälfte von sechs Laptops, die aus einem Umkleideraum der Schule verschwunden seien. Mithilfe dieser Bilder sei ein Verdächtiger ausfindig gemacht worden, sagte Hockeimer.

Maryclaire Dale, APN / APN