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Wegen Rassismus und Sexismus Washington, Lincoln und Co.: San Francisco will 44 Schulen umbenennen

Eingang der Abraham Lincoln High School in San Francisco
Auch eine Grundschule, die nach einer aktuellen Senatorin benannt ist, soll einen neuen Namen erhalten
© Justin Sullivan / Getty Images / AFP
George Washington, Abraham Lincoln oder Franklin D. Rooselvelt: Zahlreiche US-amerikanische Schulen sind nach historischen Persönlichkeiten benannt. Weil viele von ihnen jedoch mit Rassismus und Diskriminierung in Verbindung gebracht werden, sollen 44 Schulen in San Francisco einen neuen Namen erhalten.

Die Schulbehörde im kalifornischen San Francisco hat für die Umbenennung von 44 Schulen gestimmt, die nach umstrittenen Persönlichkeiten benannt sind – darunter Abraham Lincoln und George Washington. Zu dem Schulbezirk gehören nach eigenen Angaben 57.000 Schüler, verteilt auf 121 Schulen.

Reaktion auf rechtsextreme Demonstration

In einer 2018  vom Bildungsausschuss der Stadt veröffentlichten Resolution war die Namensänderung von all jenen Bildungsstätten empfohlen worden, deren Namensträger an der Versklavung von Menschen beteiligt waren, Frauen unterdrückten, deren Handlungen zum Völkermord führten oder "die auf andere Weise die Chancen der Menschen unter uns auf das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück erheblich schmälerten".

Die Resolution sei eine Reaktion auf die rechtsextreme "Unite the Right"-Kundgebung in Charlottesville ein Jahr zuvor gewesen, bei der eine Demonstrantin getötet wurde. "Und wir arbeiten zusammen mit dem Rest des Landes daran, Symbole des Rassismus und der Kultur der weißen Vorherrschaft abzubauen", sagte Gabriela López, Präsidentin der Schulbehörde.

Ein Gremium aus Gemeindeleitern und Schülern habe dafür mehr als ein Jahr lang getagt und Schulnamen untersucht – wobei 44 Lehranstalten mit problematischen Namensgebern identifiziert worden seien.

Auch aktuelle Senatorin betroffen

Diesem Vorschlag stimmte die Schulbehörde nun mit sechs zu eins Stimmen zu. "Dies ist eine Gelegenheit für unsere Schüler, etwas über die Geschichte der Namen unserer Schulen zu erfahren, einschließlich der potenziellen neuen Namen", wird López in einer Pressemitteilung zitiert.

Zu den betroffenen Schulen zählten unter anderem die George Washington High School, die Roosevelt Middle School, die Jefferson Elementary und die Abraham Lincoln High School. Dass Präsident Abraham Lincoln in diesem Zusammenhang zu den problematischen Persönlichkeiten gezählt wurde, liege laut einem Lehrer an dessen Behandlung der indigenen Völker.

Wegen Rassismus und Sexismus: Washington, Lincoln und Co.: San Francisco will 44 Schulen umbenennen

Auch die demokratische Senatorin Dianne Feinstein soll ihren Namen nicht mehr einer Grundschule leihen. In ihrer Zeit als Bürgermeisterin von San Francisco habe sie eine Konföderiertenflagge ersetzen lassen, nachdem diese zuvor vor dem Rathaus heruntergerissen worden sei.

Bürgermeisterin kritisiert Zeitpunkt des Beschlusses

Bürgermeisterin London Breed habe die Entscheidung des Vorstands unterstützt. Die Schulname "sollte jedem Schüler, der durch ihre Türen geht, ein Gefühl des Stolzes vermitteln – unabhängig von seiner Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung", sagte sie laut "CNN". Allerdings kritisierte Breed auch den Zeitpunkt für eine solche Diskussion. Die Behörde sollte sich vorrangig mit einem Plan zur Wiederöffnung der wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Lehranstalten befassen.

Yukina Grady, eine Schülerin der Abraham Lincoln High School mit japanischen Wurzeln, sagte laut "New York Times", sie sei "irgendwo in der Mitte", was die Namensänderung angehe. Es gebe "viel mehr, worauf sich die Schulen konzentrieren könnten und sollten", wenn es darum ginge, mit Rassismus umzugehen. Die Diskussion sei ihrer Meinung zwar wichtig, doch "bei allem, was mit Covid passiert, frage ich mich, ob wir uns nicht auf andere Dinge konzentrieren sollten", wird sie zitiert.

San Francisco sei jedoch nicht die erste Stadt, die auf diese Art ein Zeichen im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung gesetzt habe. In den letzten Jahren hätten Stadträte und Schulbezirke im ganzen Land ähnliche Resolutionen verabschiedet, in deren Folge Gebäude umbenannt und Denkmäler entfernt worden seien, die einem konföderierten Führer gewidmet waren. Die "Equal Justice Initiative" habe im September 2020 mehr als 240 US-Schulen gezählt, die nach einem prominenten Konföderierten benannt worden seien. Seit 2014 seien landesweit mehr als 30 Schulen umbenannt worden.

Quellen: Website San Francisco Unified School District; "CNN"; "New York Times"

yks

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