Windows XP auf Mac Fenster im Apfel


Es ist eine Sensation: Apple hat eine Software veröffentlicht, mit der auf seinen neuen Intel-Rechnern problemlos Microsofts Windows XP installiert und genutzt werden kann. Genialer Schachzug Steve Jobs' oder das Ende von "think different"?

Apple Computer-Kunden können künftig ohne Umwege das Betriebsystem Windows XP von Microsoft auf den neuen Intel-Macs installieren. Heute stellte das kalifornische Hightech-Unternehmen die Vorabversion der Software "Boot Camp" vor, mit der Windows XP direkt auf Intel-basierten Macs eingesetzt werden kann. Die Börse reagierte umgehend: Die Apple-Aktie legte an der High-Tech-Börse Nasdaq in New York nach der Ankündigung um rund neun Prozent zu.

"Apple hat weder den Wunsch noch die Absicht, Windows zu verkaufen oder zu unterstützen", sagte Apple-Marketingchef Philip Schiller. "Da wir jetzt aber Intel-Prozessoren einsetzen, haben viele Kunden ihr Interesse bekundet, Windows auf der überlegenen Hardware von Apple laufen zu lassen."

XP als Lockmittel für Windows-User

Mit "Boot Camp" läuft die Microsoft-Software unmittelbar auf dem Mac und stellt auch alle notwendigen Windows-Treiber zur Verfügung. Somit könnte "Boot Camp" also auch als ein strategischer Schachzug von Apple gewertet werden, Windows-Anwender zum Systemumstieg zu bewegen.

Analysten werteten den Schritt von Apple als große Chance, den Marktanteil auszubauen. Im vergangenen Jahr hielt Apple in den USA rund vier Prozent des PC-Marktes. Dell, der weltweit größte PC- Hersteller, liegt mit 34 Prozent Marktanteil in Führung. "Jeder zusätzliche Prozentpunkt bringt Apple-Chef Steve Jobs zwei Milliarden Dollar Umsatz und 30 Cent Gewinn pro Aktie", sagte Bill Shope von J.P. Morgan Securities. Mit der neuen Software würden die Hürden für einen Umstieg auf einen Mac erheblich gesenkt.

"Boot Camp" wird nach Angaben von Apple auch Bestandteil von "Leopard", der nächsten großen Version des Apple-Betriebssystems Mac OS X. "Leopard" soll auf der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC im August erstmals gezeigt werden.

Bislang war es nur einigen Hackern gelungen, das Microsoft- Betriebssystem erfolgreich auf der neuen Apple-Hardware zu installieren. Das Gros der Mac-Anwender konnte Windows nur unter dem Apple-Betriebssystem Mac OS über eine so genannte Emulation wie "VirtualPC" zum Laufen bringen, bei der eine Windows-Umgebung softwaremäßig nachgebildet wurde. Diese Emulation lief jedoch deutlich langsamer als ein vergleichbarer Windows-PC.

Apple hatte im Februar begonnen, mit dem Notebook MacBook Pro den ersten Computer mit einem Intel-Chip zu verkaufen, nachdem das Unternehmen zuvor stets auf Prozessoren von Motorola und IBM gesetzt hat. Inzwischen wurden auch die Modelle iMac und Mac mini auf die Intel-Architektur umgestellt.

ule mit Material von DPA

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