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Test ab kommender Woche Diese App könnte der virtuelle Immunitätsausweis werden

Immunitätsausweis
Eine Frau sitzt mit Mundschutz und Handy am Stuttgarter Hauptbahnhof. Kleines Bild: Ein Kölner Unternehmen entwickelt einen digitalen Immunitätsausweis
© Ubirch / Picture Alliance
Die Politik diskutiert über die Einführung eines Immunitätsausweises. Ein IT-Unternehmen zeigt, wie eine sichere digitale Lösung aussehen könnte. Die App soll ab kommender Woche getestet werden.

Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus immun gegen den Erreger sind, könnte dies in einer greifbaren oder virtuellen Bescheinigung dokumentiert werden – dem Immunitätsausweis. In der Wirtschaft oder dem Gesundheitswesen könnten die Genesenen in der Folge Kontakt zu Infizierten oder Risikogruppen haben, etwa bei der Pflege und der Versorgung. Kunden und Fahrgäste könnten Geschäfte und Busse ohne Mundschutz betreten und bei Nachfragen die überstandene Infektion nachweisen. Soweit die Idee.

Wie ein solcher Ausweis in App-Form aussehen könnte, demonstrierte nun das Kölner Unternehmen Ubirch, das in Zusammenarbeit mit der Bundesdruckerei, der Kölner Uniklinik und dem auf Diagnostik und seltene Krankheiten spezialisierten Unternehmen Centogene mit Sitz in Rostock sowie weiteren Firmen und Institutionen eine App-Lösung entwickelt hat. Wie der WDR berichtet, soll die Anwendung ab kommender Woche mit Freiwilligen getestet werden. 

Blockchain-Technologie soll Sicherheit gewährleisten

Die Sicherheit der User-Daten soll bei dem "Digitalen Corona-Gesundheitszertifikat", so der Projektname, mit Hilfe der dezentralen Blockchain-Technologie gewährleistet werden, die die meisten vor allem aus dem Bereich der Kryptowährungen kennen dürften. In einer Blockchain sind einzelne Datensätze ("Blocks") mit Hilfe kryptographischer Verfahren verkettet. Die Kette wird ständig fortgeschrieben. Zentrale Stellen, wie etwa Banken, sind nicht zwischengeschaltet. "Der Vorteil davon ist, dass man über Blockchain nachvollziehen kann, ob die Daten geändert wurden oder nicht, ohne dass man Zugang zum Inhalt der Daten hat", wird Ubirch-Geschäftsführer Stephan Noller vom WDR zitiert. Das Ziel der App, so sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Uniklinik Köln Rainer Minz dem Sender, seien einfache, sichere und weit verbreitete Antikörpertests. 

Aber nicht nur positive Tests sollen in der App abgelegt werden. Da Experten davon ausgehen würden, dass Menschen nach einem negativen Test drei Tage lang nicht ansteckend seien, solle auch der Zeitpunkt einer solchen Testung dokumentiert werden, heißt es. Und weiter: Nach einem negativen Test gebe es in der Folge ein Zeitfenster, in dem man gefahrlos zum Beispiel Angehörige im Altenheim besuchen könne. 

Immunitätsausweis
So könnte der digitale Ausweis aussehen. Das Bild veröffentlichte das entwickelnde Unternehmen auf seiner Webseite
© Ubirch

Kritiker fürchten Diskriminierung, Spahn befragt Ethikrat

Die Bundesregierung hatte sich am Mittwoch mit dem Thema Immunitätsausweis befasst. Kritiker, wie etwa der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung Ulrich Kelber, fürchten neben möglichen Datenschutzproblemen, dass ein Immunitätsausweis zu Diskriminierungen führen könnte. So könne es passieren, dass bestimmte Geschäfte und Dienstleistungen nach der Einführung nur noch für Menschen mit einer bestätigten überstandenen Infektion zugänglich werden. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat unterdessen den Deutschen Ethikrat zu dem Thema konsultiert. Die "Bild am Sonntag" zitiert aus einem Schreiben an den Rat, das der Zeitung vorliegt. Die Ethik-Experten sollen demnach eine Einschätzung abgeben, "wie und in welchem Zusammenhang der Nachweis einer Immunität genutzt werden sollte".

Quellen: WDR, Ubirch


Sehen Sie oben im Video: Was eine penible Einhaltung des Sicherheitsabstands für Fußgänger bedeuten würde.

rös

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